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Dieses Team hatte Qualität und Charakter1820 Mark draufgezahlt

Dieses Team hatte Qualität und Charakter1820 Mark draufgezahlt

Josef Dörenkamp war zur absoluten Glanzzeit Viktoria Kleingladbachs ab Mitte der 70er Jahre der Libero der Erfolgsmannschaft – und nicht nur deswegen auch ein Führungsspieler. Beim Pokalspiel in Ingolstadt war der heute 57-Jährige, der weiterhin in Kleingladbach wohnt, natürlich auch dabei. RP-Mitarbeiter Mario Emonds besuchte ihn – und schaute sich dabei unter anderem mit ihm auch eine Aufzeichnung des achtminütigen Berichts an, den das ZDF am Pokalspielabend im Aktuellen Sportstudio über die Viktoria sendete.

Wenn Sie die laufenden Bilder sehen – was geht Ihnen da durch den Kopf?

Dörenkamp Ich staune, dass das nun schon 30 Jahre her ist. Es kommt mir bedeutend kürzer vor.

War Ihnen damals eigentlich überhaupt bewusst, dass dieses Spiel der Höhepunkt der Vereinsgeschichte werden würde?

Dörenkamp Dass wir etwas Außergewöhnliches mit der DFB-Pokalteilnahme geschafft hatten, war uns allen schon klar. Die tatsächliche Dimension hat sich aber erst im Nachhinein gezeigt.

Das heißt, Sie werden bis heute immer wieder mal auf dieses Spiel angesprochen.

Dörenkamp Ja. Sogar im Urlaub ist es häufiger vorgekommen, dass mich Leute darauf angesprochen haben, nachdem ich ihnen gesagt hatte, woher ich komme.

Was hat das Team ausgezeichnet?

Dörenkamp Wir waren eine eingespielte Truppe, die über Jahre in der gleichen Besetzung zusammengespielt hatte. Da gab es kaum Fluktuation. Dementsprechend groß waren Kameradschaft und Gemeinschaftsgefühl. Wir hatten nie Grüppchenbildungen, dafür aber richtige Winner-Typen und echte Führungsspieler mit herausragenden fußballerischen Fähigkeiten. Und eines muss ich betonen: Ich bin nach wie vor sehr stolz darauf, dass wir in Ingolstadt trotz der zweifellos widrigen Begleitumstände eine Halbzeit lang das zu Null gehalten haben und in dieser Zeit auch nicht viel haben anbrennen lassen. Dass wir das unter diesen Bedingungen geschafft haben, zeigt für mich am deutlichsten die Qualität und auch den Charakter, den diese Mannschaft hatte.

Sie traten bei einem Drittligisten vor 600 Zuschauern an. Beeck wird nächste Woche wohl vor mindestens 6000 Zuschauern im Borussia-Park spielen und hat allein 98 000 Euro an Fernsehgeldern sicher. Werden Sie da ein wenig neidisch?

Dörenkamp Nein, absolut nicht. Für uns war es ein Wahnsinnserlebnis, und das wird es jetzt sicherlich auch für Beeck werden. Ich drücke dem FC feste die Daumen. Ich finde es nämlich mehr als beachtlich, was da in den letzten 15 Jahren auf die Beine gestellt worden ist – angefangen beim tollen Stadion. Zwei-, dreimal im Jahr bin ich ja auch da.

Werden Sie nun auch in den Borussia-Park fahren?

Dörenkamp Das werde ich recht spontan entscheiden.

Viktoria Kleingladbach ist die bislang einzige Mannschaft des Erkelenzer Lands, die schon mal im DFB-Pokal gespielt hat. Die legendäre Partie des SC Wegberg 1971 gegen den damaligen Regionalligisten Alemannia Aachen war nämlich kein Pokalspiel auf Bundesebene, sondern „nur“ auf Ebene des Westdeutschen Fußball-Verbands: In der 2. Runde des damaligen WFV-Pokals verloren die Schwarz-Grünen erst in der Verlängerung gegen Alemannia mit 1:3.

Ein Team aus dem Kreis Heinsberg hat es indes schon einmal kurz vor der Viktoria geschafft: Am 6. August 1976 trat der damalige Landesligist Concordia Haaren bei Bundesliga-Aufsteiger Borussia Dortmund an. Die Selfkänter verloren vor 14 000 Zuschauern (darunter 2000 eigene Schlachtenbummler) 0:10 (0:3). Finanziell hatte sich der Trip für Haaren aber allemal gelohnt: Mit einem Reingewinn von fast 40 000 Mark trat die Concordia die Heimreise an.

Das sah zwei Jahre später bei der Viktoria indes ganz anders aus. „Nahezu ein Fiasko“, kommentierte der damalige Macher und 2. Vorsitzende Dieter Jansen das finanzielle Ergebnis nach Kassensturz: Unter dem Strich hatte die Reise ein Minus von exakt 1820 Mark in die Vereinskasse gerissen. Gerade einmal 600 Zuschauer im Ingolstadter Stadion hatten eben nicht gerade für eine üppige Einnahme gesorgt – und Fernsehgelder gab’s damals noch gar keine . . .

(RP)