Fußball : Anstrengung, Konzentration – und auch Spaß

Für drei Tage schlug der FC seine Zelte in der Eifel auf. Dabei stand die Stärkung des Teamgeists für den neuen Coach Michael Burlet ganz oben.

„Wie gut, dass es den Günter Stroinski gibt“ – das dürfte sich am Sonntagvormittag so mancher Akteur des FC Wegberg-Beeck erleichtert gedacht haben. Denn eigentlich hatte sich der neue Trainer Michael Burlet für die letzte Einheit auf dem Vossenacker Fußballplatz zum Abschluss des Trainingslagers etwas Fieses ausgedacht: einen knallharten individuellen Leistungstest. Diesen Plan hatte Burlet angesichts etlicher angeschlagener Spieler zwar schon aufgegeben, doch eine schweißtreibende Einheit sollte es eigentlich schon noch werden.

Doch da tritt eben Beecks Boss auf den Plan, lädt das Team für Sonntagvormittag zur Klettereinheit im nur wenige Kilometer von Simonskall entfernten Hochseilgarten Hürtgenwald ein. „Da hatten wir alle viel Spaß, waren auch froh, dass uns diese Einheit auf dem Platz erspart geblieben ist“, sagt im Anschluss Thomas Lambertz, der im Team zu den langjährigen und erfahrenen Spielern gehört – ein gelungener Abschluss also.

Was er in der Eifel vor allem zu erreichen gedenkt, hat Burlet schon bei seiner ersten Ansprache auf dem Platz in Vossenack deutlich gemacht: „Das Trainingslager ist in erster Linie für die Stärkung des Teamspirits gedacht, nicht fürs Konditionsbolzen. Das können wir auch in Beeck machen. Doch ein guter Teamgeist ist mit Sicherheit in der Saison für ein paar Punkte mehr gut.“ Und ganz konsequent in diesem Sinne schiebt der 54-Jährige noch einen Wunsch hinterher: „Setzt euch bitte beim Essen nicht immer mit denselben Leuten an einen Tisch, sondern wechselt!“

Anspannung bis in die Haarspitzen: Der Sportliche Leiter und gelernte Keeper Friedel Henßen beim Abwurf. Foto: Michael Schnieders

Das Aufwärmtraining übernimmt dann Co-Trainer Stefan Kniat. Der 35-Jährige ist ebenfalls neu. Temperamentvoll und mit viel Witz leitet er die Übungen. „Hohe Frequenz!“ gehört dabei zu seinen Lieblingsausdrücken, spornt zudem immer wieder an: „Dynamisch arbeiten!“, „Bitte mit Tempo!“ oder „Schnelle Füße – komm, komm, komm!“, ruft er lautstark ins Rund.

Nanu, wer fliegt denn da so schön? Es ist Werner Tellers. Beecks zweiter großer Gönner war früher auch Torwart – und gab davon nun einige Kostproben. Foto: Michael Schnieders

Ebenfalls mit viel Schwung übernimmt danach der Chef die Passübungen und nimmt dabei auch den die Übungen mitmachenden Torwarttrainer Dominik Lescher ins Visier: „Überragend, Dominik – du spielst morgen von Anfang an.“ Oder als eine Passübung nicht wie gewünscht klappt, gibt Burlet eine neue Order: „Jeder Pass wird jetzt mit Adressat angesagt!“ Als sich einige nicht dran halten, grätscht Burlet verbal direkt dazwischen: „Ich höre nichts!“

Interessiert verfolgen Funktionsteam und Vorstandsmitglieder das Geschehen – bis Werner Tellers auf den Plan tritt. Beecks hinter Stroinski zweiter großer Gönner, zu aktiven Zeiten Torwart in Kirchhoven und Kempen, hat sein Uwe-Kamps-Gedächtnistrikot aus dem Jahr 1988 übergezogen, erinnert von Statur und Aussehen aber mächtig an Hollands früheren Nationalkeeper Piet Schrijvers.

Zum Abschluss gab‘s statt des ursprünglich geplanten Leistungstests eine Klettereinheit im Hochseilgarten Hürtgenwald. Foto: Baptist Polman

Zusammen mit Geschäftsführer Thomas Klingen und dem Sportlichen Leiter Friedel Henßen begibt sich Tellers auf das hintere und zu diesem Zeitpunkt nicht genutzte Tor. „Jetzt zeige ich dem Zabel mal, wie es geht“, kündigt er launig an. Zabel, das ist Beecks unumstrittener Stammtorwart Stefan Zabel – und Tellers’ Schwiegersohn in spe.

Klingen und Henßen schießen ihm daraufhin die Fäuste heiß, Tellers hechtet und springt wie ein Gummiball – und ist nach einigen Minuten aber völlig am Ende. „Da machen sich halt meine 106 Kilogramm bemerkbar. Außerdem bin ich 53 Jahre alt“, erläutert er bestens gelaunt. „Kannst du den Ball denn auch mit einer Hand so halten?“, fragt ihn Henßen, selbst ein früherer Torwart, und zeigt ihm, was er meint. „Nee, kann ich nicht. Dafür sind meine Hände zu klein. Daher hat auch gerne meine Schwiegermutter zu mir gesagt: ,Du willst auf dem Bau arbeiten? Du hast doch Hände wie ein Föttchesdoktor!’“

Am nächsten Morgen, in aller Frühe, steht der obligatorische Waldlauf an – natürlich nicht für Tellers, Henßen und Klingen, sondern für das Team. Die humane Distanz und das moderate Tempo, das Kniat dabei als Vorläufer anschlägt, kommt gut an – Kniats Vorgänger Dirk Ruhrig pflegte da stets andere Distanzen und ein anderes Tempo. Als das Ziel fast schon in Sichtweite ist, raunzt einer daher: „Beim Dirk hätten wir jetzt gerade mal die Hälfte hinter uns“ – Traurigkeit schwingt in seiner Stimme da nicht unbedingt mit.

Der neue Trainer Michael Burlet beobachtete beim Leiterhopsen Nils Hühne (Mitte) und Admir Terzic. Foto: Michael Schnieders
Ob Vizekapitän und Comebacker Danny Fäuster (r. im Vordergrund) da wohl ein gutes Blatt auf der Hand hat? Die Geselligkeit kam im Waldhotel im Wiesengrund in Simonskall jedenfalls auch nicht zu kurz. Foto: Michael Schnieders

Das Gesamtfazit zieht dann Burlet: „Wir haben vernünftig trainiert und den Teamspirit gestärkt – genauso wollten wir es ja auch.“

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