Lokalsport : Der deutsche "Grandfather of Kubb"

Seit drei Jahren betreibt Wolfgang Bosau den nordischen Wurfsport. Im August fährt er zur Kubb-WM nach Schweden.

Für den 68-jährigen Wolfgang Bosau geht doch noch in Erfüllung, wovon wohl jeder ambitionierte Sportler schon einmal geträumt hat: die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. "Damit hätte ich nicht mehr gerechnet", sagt der ehemalige Sportlehrer.

"Die Sportart überrascht mich am meisten." Denn im Kubb, einem Wurfspiel, bei dem es um präzises Abwerfen der gegenerischen Holzklötze geht, seien die Top-Spieler eigentlich zwischen 30 und 40 Jahre alt. Heiko Kreuzburg scheint das ganz anders zu sehen. Immerhin hat der Berliner, der 2013 Weltmeister wurde, Bosau persönlich angefragt: "Er hat mich bei den Deutschen Meisterschaften beeindruckt, darum will ich ihn dabei haben." Zu sechst machen sie sich im August ins schwedische Gotland auf. Zuvor gab es das Wiedersehen, wo sie sich einst kennenlernten: im Hetzerather Pappelstadion, beim "3. Kubb Mött".

Bei trockenem Wetter ist Wolfgang Bosau täglich auf einer der Grünflächen im Erkelenzer Land zu finden. Sein eigenes Kubb-Equipment, die rechteckigen und runden Holzklötze und die wichtigste Spielfigur, den König, hat er dann dabei. Bosau spielt seit drei Jahren für den BSV Kubb Erkelenz: "In meinem Alter kann man nicht mehr jeden Sport machen", sagt der 68-Jährige. Und mit jedem Jahr ist auch die Anzahl an Turnieren gestiegen. Einen Tag vor dem "3. Kubb-Mött" in Hetzerath, bei dem sich Organisator Thomas Funk (BSV Kubb Erkelenz) über die Rekordteilnehmerzahl von 35 Mannschaften freuen durfte, hatte Bosau noch in Belgien trainiert: Zusammen mit den anderen WM-Fahrern aus Berlin, sei er dort von den Kubb-Spielern auf ganz besondere Weise begrüßt worden, erzählt Bosau: "You are the German Grandfather of Kubb!, haben sie mir zugerufen." Auch beim BSV wird das älteste Vereinsmitglied als "unser Opi" bezeichnet. Was zunächst ein wenig despektierlich anmuten mag, entpuppt sich schnell als das genaue Gegenteil: "Wir sind stolz auf Wolfgang und drücken die Daumen", sagte Thomas Funk. "Er soll natürlich den Pott mitbringen." Die Erwartungshaltung der Vereinskameraden ist hoch. Noch höher ist der Anspruch des Erkelenzers an sich selbst. Obwohl er mit übertriebenem Ehrgeiz schlechte Erfahrungen gemacht habe: "Ich brauche Lockerheit. Wenn ich verkrampfe, fehlt den Würfen die Präzision."

Beim Kubb-Mött schien er die Lockerheit noch nicht gefunden zu haben: Trotz guten Starts und Sohn Norbert Bosau in Bestform, reichte es für die "King Killers" (mit Christian Jähne und Frank Engels) nur für Rang vier. Der Turniersieg ging an Heiko Kreuzburg und seine "Gipfelstürmer". Einen Tipp vom Weltmeister gab es aber noch: "Viel trainieren, viele Turniere spielen. Dann klappt's in Schweden wie von selbst."

(jessi)