Poledance : Kein Sport von der Stange

Poledance: Vor fünf Jahren fing Birte Zeitner mit der spektakulären Sportart an. Für sie ist es Begeisterung und beruflicher Ausgleich.

Kurz vor Schluss passiert es dann doch: Birte Zeitner patzt. Die ersten drei Minuten hatte sie ihre Poledance-Choreographie bei der „Steel on Fire“-Meisterschaft fehlerfrei auf die Bühne gebracht, doch beim freien Rad – eigentlich ein sicheres Akrobatik-Element ihrer Choreo – verliert sie beim Aufkommen das Gleichgewicht und landet unsanft auf den Knien. Doch die 26-jährige Erkelenzerin überspielt den kleinen Patzer routiniert, steht sofort wieder auf den Beinen und performt die abschließende Drehung an der Polestange als wäre nichts passiert. „Ich wusste, dass nach dem freien Rad noch ein Teil kommt, der mir in der Vorbereitung auf die Meisterschaft oft nicht gelungen ist. Aber in dem Moment wollte ich dann nochmal so richtig einen raushauen – und das hat dann wunderbar geklappt“, erinnert sich Birte Zeitner an ihren Auftritt zurück.

Und auch die Jury hat den kleinen Patzer in ihrer dreieinhalbminütigen Choreographie nicht allzu sehr ins Gewicht fallen lassen. In dem starken Feld der Elite-Kategorie, an der Zeitner das erste Mal teilnahm, belegte sie am Ende den dritten Platz. Bereits 2015 und 2016 zeigte die gebürtige Erkelenzerin bei der „Steel on Fire“-Meisterschaft in Windeck ihre Fähigkeiten an der Stange. Damals aber noch in der klassentieferen Advanced-Kategorie. „In diesem Jahr habe ich viele schwere Elemente in meine Choreo eingebaut und habe mich deshalb für den Elite-Wettbewerb angemeldet. Das ist der höchste bei dieser Meisterschaft“, erzählt sie. „Deshalb dachte ich auch, ich würde viel weiter hinten landen und bin mit dem dritten Platz völlig zufrieden.“ Geschlagen geben musste sich Zeitner nur von Hanna Malyschkina und Poledance-Weltmeisterin Anne-Marie Kot, die unter anderem durch Fernsehauftritte beim „Supertalent“ und „Ninja Warrior“ bekannt geworden ist.

Birte Zeitner (TV Erkelenz) zeigt bei der Steel on Fire Poledancemeisterschaft waghalsige Elemente an der Stange. Foto: Jakob Janzen / JJProductions

Vor fünf Jahren entdeckte die 26-Jährige ihre Begeisterung für den Poledance-Sport. Eigentlich kommt Zeitner aus dem Turnen, ist seit ihrem fünften Lebensjahr beim TV Erkelenz angemeldet. Zum Start ihres Rechtswissenschaften-Studiums an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf schaffte sie es aber immer unregelmäßiger rechtzeitig zum Training. Es musste also eine Alternative her. An der HHU weckte ein Poledance-Kurs für Anfänger ihr Interesse. „Da habe ich schnell gemerkt, dass ich durch meine turnerische Vorerfahrung schon sehr gute Grundlagen besitze und bin ziemlich schnell im Kurs für Fortgeschrittene gelandet. Wichtig ist vor allem die richtige Technik – also welche Griffe nutze ich wie an der Stange.“ Zeitner blieb dran und wurde stetig besser. Nach ihren beiden ersten Teilnahmen bei den Meisterschaften in Windeck fuhr sie 2017 sogar zur Deutschen Meisterschaft und feierte mit ihrer Partnerin Linda Krainitzki in der Kategorie „Double Amateur“ den Vizemeister-Titel. Anders als beim „Steel on Fire“-Event, bei dem es kaum feste Vorgaben gibt und die Teilnehmer an den Stangen völlig frei in der Entfaltung sind, ist für die Deutsche Meisterschaft ein recht strenges Regelwerk vorgeschrieben. Auch deshalb ist Zeitner ein großer Fan der Meisterschaft in Windeck.

Zuletzt trainierte sie vor dem Wettkampf an drei Tagen in der Woche für jeweils drei Stunden: entweder im Düsseldorfer „Happy Pole Place“ oder mit einer selbst aufgebauten Stange in der heimischen Erka-Halle. „Inzwischen habe ich mein Studium abgeschlossen und befinde mich im Rechtsreferendariat bei einer Großkanzlei in Düsseldorf“, erzählt die 26-Jährige, die dem Poledance aber natürlich erhalten bleibt. „Es ist für mich ein sehr zeitintensives Hobby, aber natürlich auch ein Ausgleich. Für mich steht beim Poledance auch weiterhin ganz klar der Spaß im Vordergrund.“

Das Image der Sportart ist längst nicht mehr so schlecht wie vor einigen Jahren noch. Deshalb hat Birte Zeitner in ihrer fünfjährigen Poledance-Karriere auch noch keine Probleme mit negativen Reaktionen oder Äußerungen gehabt. „Natürlich gibt es hier und da noch Vorurteile, aber das ist zum Glück viel weniger geworden. Viele Leute wissen mit Poledance als Sportart mittlerweile etwas anzufangen. Die meisten Reaktionen sind daher positiv.“

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