Aus den Vereinen : Base- und Softball bei der BSV Wassenberg

Die Kultsportarten aus den USA begeistern nicht nur in ihrer Heimat. Benötigt werden taktisches Verständnis, Präzision und Geschwindigkeit.

Die ursprüngliche Heimat von Base- und Softball sind sicherlich die USA, gehören sie doch zu den typischen amerikanischen Sportarten. Mittlerweile haben sie jedoch eine zweite Heimat gefunden. Seit rund 18 Jahren begeistern sie Groß und Klein in Wassenberg und Umgebung. Mit hoher Geschwindigkeit fliegen beim Training die Bälle über den Ascheplatz in Myhl: vom Pitcher, dem Werfer, herüber zum Schlagmann und von dort über das ganze Spielfeld. Nicht umsonst weist der Metallzaun hinter dem Abschlagfeld die Spuren auf, die die harten Bälle hinterlassen haben. „Die Bälle können enorme Geschwindigkeiten erreichen“, erklärt Peter Dohmen, Vorsitzender der Base- und Softballvereinigung (BSV Wassenberg).

Bei einem Schüleraustausch in Dallas hat Peter Dohmen die Sportart kennen- und lieben gelernt. Nach seinem USA-Aufenthalt brachte er sie mit in seine eigene Heimat. Grundstein für die spätere Gründung der BSV mit einigen anderen Wassenbergern. Der Verein ist der einzige seiner Art im Kreis Heinsberg, hat sich aber als solcher längst etabliert. Mittlerweile unterstützen ihn 100 Mitglieder aktiv als auch passiv. Ein Großteil widmet sich dem Base- und Softball, ein kleinerer Teil klettert und beteiligt sich an fußballerischen Breitensportangeboten.

Als „Wassenberg Squirrels“ nimmt das Erwachsenenteam der BSV seit einigen Jahren am organisierten Spielbetrieb der Ruhr-Fun-Liga teil, die Saison läuft von April bis einschließlich September. In Deutschland gibt es bei weitem nicht so viele Teams wie in den USA. „Wir müssen sehr weit zu den einzelnen Spielen fahren“, berichtet Dohmen. „Die nächsten Vereine sind im Raum Düsseldorf und Köln, teilweise fahren wir bis ins Siegerland oder nach Münster“. Die Spiele dauern in der Regel anderthalb bis zwei Stunden. Da es aber kein Unentschieden gibt, kann sich das Spiel manchmal deutlich verlängern.

Vier unterschiedliche Disziplinen stehen beim Base- und Softball im Fokus: Laufen, Fangen, Schlagen und Werfen. Die Erwachsenen beginnen ihr Training zunächst mit Warmlaufen. Danach wird das gegenseitige Zuwerfen der Bälle trainiert. Immer weiter gehen die Spieler dabei auseinander und steigern so stetig den Schwierigkeitsgrad. „Manche schaffen es, sich den Ball über die gesamte Sportplatzbreite zu zuwerfen. Das sind 70 Meter“, sagt Dohmen. Beim sogenannten „Fielding“ wird das Aufnehmen der rollenden Bälle geübt. Das ist je nach Untergrund verschieden. „Asche, wie hier bei uns, ist ein schwieriger Untergrund. Im Winter trainieren wir deshalb in der Halle“, erklärt Dohmen. „In der Regel wird auf Rasen gespielt und nur die Laufwege und der Bereich, wo der Pitcher steht, sind aus Asche“. Für den weiteren Trainingsverlauf hatte Trainer Felix Trulley vor allem Schlagübungen ausgewählt. Dabei wird die Hand-Augen-Koordination geübt, um den Ball präzise zu treffen und die Schlagbewegung zu trainieren.

Beim Baseball gibt es kein gespiegeltes Feld, wie beispielsweise beim Fußball, was für viele auf den ersten Blick kompliziert erscheint. Zentral für das Spielfeld sind das Abschlagefeld und die drei Bases. Bei genauer Beobachtung fällt jedoch schnell auf, was die einzelnen Positionen auf dem Spielfeld und die damit verbundenen Spielzüge ausmacht. „Man braucht viel taktisches Verständnis, vor dem Spielzug muss man genau überlegen“, erklärt Dohmen. Zudem komme es auf Präzision und Geschwindigkeit an. „Das ist es, was die Sportart für mich ausmacht: Wenn ein komplexer Spielzug funktioniert, ist das ein guter Moment“. Umso größer noch ist die Freude, wenn es zu einem „Home Run“ kommt. „Das passiert hier selten. Ich selbst durfte das einige Male erleben“, verrät Dohmen. „Das ist natürlich ein fantastisches Gefühl“.

Mit seiner Leidenschaft hat Dohmen seine beiden Töchter Lena und Louisa angesteckt (beide zwölf Jahre). Sie spielen im Kinderteam der Wassenberg Squirrels, das vor rund zwei Jahren gegründet wurde. Die Zwillinge wurden nun in den offiziellen Kader der U16 Juniorinnen Softball der BVS NRW berufen.

Wichtig für Verein und Spieler ist auch die Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt in Heinsberg. Seit einigen Jahren werden dort regelmäßig Turniere veranstaltet, wo die Coaches mit den Häftlingen trainieren. Kürzlich stand in Heinsberg ein gemeinsames Turnier mit den Siegen Pirates und den Mühlheim Mavericks auf dem Programm. Ein besonderer Moment für beide Seiten: „Man lernt dadurch sehr viel, gerade was Vorurteile angeht“, erklärt Peter Dohmen. Den Inhaftierten wird nach ihrer Entlassung Zugang zu den Baseballvereinen in der Region ermöglicht und erleichtert ihnen so den Weg zurück in die Gesellschaft. Das Konzept zeigt Erfolg und erfährt von beiden Seiten besondere Wertschätzung.

Info: Kinder und Jugendliche (5 bis 14 Jahre) trainieren mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr und freitags von 17 bis 18.15 Uhr. Trainer sind Alexandra Nowack-Dittmer und Manuel Schlicke. Das Erwachsenenteam (ab 15 Jahre) trainiert freitags von 18 bis 20 Uhr unter der Leitung von Felix Trulley. Im Sommer findet das Training auf dem Baseballplatz „Am Schwanderberg“ in Wassenberg-Myhl statt.

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