Fußball : Beeck überzeugt beim 3:1 im Hit gegen Alfter

Mittelrheinliga: FC nur noch zwei Punkte hinter dem VfL. Für den formschwachen Dagistan spielt Müller im Sturm - mit großem Erfolg.

Als Friedel Henßen, Coach des FC Wegberg-Beeck, gestern am späten Mittag bei der Mannschaftsbesprechung die Aufstellung für das Topspiel gegen den VfL Alfter auf die Tafel kritzelte, da staunte Marius Müller. Was nichts damit zu tun hatte, dass da auch sein Name auftauchte - damit hatte der 23-Jährige gerechnet. Nicht aber mit der Position: Denn Müller war da nicht für links im Mittelfeld vorgemerkt, wo er zuletzt gespielt hatte, und auch nicht links in der Kette, wo in den ersten Spielen der Saison sein Stammplatz war. Stattdessen stand sein Name im Sturmzentrum - anstelle von Sahin Dagistan.

"Da war ich schon überrascht", bekannte Müller. Dass Henßen seinen etatmäßigen Stoßstürmer auf die Bank beorderte, kam grundsätzlich aber alles andere als überraschend - schon seit etlichen Wochen läuft Dagistan seiner Bestform meilenweit hinterher, spielte zunehmend glückloser, fehlte zudem die Bindung zu den Mitspielern. Müller, von Haus aus ohnehin ein Offensivmann, dankte Henßens Vertrauen seinerseits mit einer tadellosen Vorstellung. Er rackerte, lief, machte vorne etliche Bälle fest - und war zur Krönung auch noch sehr produktiv: Mit einem blitzsauberen Tor und einem Assist hatte er maßgeblichen Anteil an Beecks 3:1-Sieg - zugleich Alfters erster Niederlage der Saison. Damit verkürzten die Kleeblätter den Rückstand auf den VfL auf zwei Zähler.

Weltmeister 1990 und nun Trainer des VfL Alfter: Jürgen Kohler zeigte sich in Beeck als sehr aufgeräumter Verlierer. Foto: nipko

Dass Beecks Sieg verdient war, daran konnte es keinen Zweifel geben. Was Alfters prominenter Coach Jürgen Kohler uneingeschränkt einräumte: "Auch in der Höhe geht Beecks Sieg in Ordnung. Der FC war uns heute in fast allen Belangen überlegen." Vor allem mit der ersten Halbzeit zeigte sich der Weltmeister von 1990 alles andere als einverstanden: "Da haben wir ja praktisch noch im Bus gesessen." Vor 222 zahlenden Zuschauern begann Beeck (mit Geburtstagskind Ortis Kumanini, der gestern 24 Jahre alt wurde) sehr konzentriert, nahm die Zweikämpfe an, war um Dominanz bemüht. Alfter dagegen spielte sehr verhalten - auch von Bayram Ilk, mit elf Treffern aktuell der beste Schütze der Mittelrheinliga, war nicht viel zu sehen, wurde von Beecks wieder starkem Abwehrchef Sebastian Wilms und Nebenmann Lorenz Klee abgemeldet.

Dazu waren die Kleeblätter sehr effektiv: Ihre ersten beiden richtigen Chancen nutzten sie zur 2:0-Führung - beide Tore sehenswert. Beim ersten spielte Thomas Lambertz den Ball von links flach in den Strafraum, dort legte Müller ab für Nico Czichi, der zog aus zwölf Metern mit links direkt ab (26.). Danach köpfte Wilms eine scharfe Freistoßflanke von Kapitän Arian Berkigt ein (38.). Lambertz (44.) und Czichi (45.) hatten bis zur Pause sogar noch das 3:0 auf dem Fuß - ebenso Berkigt kurz danach (48.).

Die kalte Dusche folgte fünf Minuten später. Zunächst knallte Christian Hoerner einen Freistoß in die Beecker Mauer, den zurückprallenden Ball nahm Cenk Durgun mit links direkt und traf aus gut 20 Metern zum Anschlusstor (53.) - Alfters erster Torschuss im gesamten Spiel.

Der Treffer zeigte kurzzeitig Wirkung. Erneut Durgun drosch den Ball nach einer Ecke aus aussichtsreicher Position übers Tor (55.). "Nach dem 2:1 haben wir auch ein bisschen Glück gehabt", bekannte Henßen. Dazu war wieder auf Keeper Stefan Zabel Verlass: Bei Alfters Großchance zum Ausgleich blieb er Sieger gegen Ilk (68.).

Aber selbst in dieser Phase hatte auch Beeck gute Möglichkeiten. Bei der größten verfehlte Müller das Tor nur knapp (58.), dazu übersah Schiri Dominik Jolk (Bergisch Gladbach) kurz darauf ein ganz klares Handspiel von Alfters David Greulich im eigenen Strafraum (61.).

"Nach dieser kurzen Phase hatten wir aber wieder alles im Griff", durfte Henßen unwidersprochen feststellen - und monierte freilich, dass "wir die Partie viel zu lange offengehalten haben." Denn trotz weiterer guter Chancen - so eine Direktabnahme des wieder sehr präsenten Armand Drevina (77.) und ein Freistoß Patrick Ajanis, den VfL-Keeper Kevin Kraus noch aus dem Eck holte (85.) - ließ die Entscheidung bis in die Nachspielzeit auf sich warten. Da steckte der eingewechselte Danny Richter für Müller durch, der spurtete auf und davon und traf aus vollem Lauf mit einem Lupfer ins lange Eck zum 3:1 - ein Traumtor.

"Das haben wir heute richtig gut gemacht. Es war deutlich zu sehen, dass wir den Abstand auf Alfter unbedingt verkürzen wollten", bilanzierte Berkigt zufrieden. Noch einen drauf setzte FC-Boss Günter Stroinski: "Das war für mich klar unser bislang bestes Saisonspiel."

Beeck: Zabel - Czichi, Klee, Wilms, Ajani - Kumanini, Drevina - Lambertz (90.+2 Zayton), Sharaf (72. Dagistan) - Berkigt (89. Richter), Müller.

(emo)
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