Fußball : Beeck fährt ohne Angst zur Grotenburg

Regionalliga: FC spielt heute bei Tabellenführer Uerdingen. Dort kickt seit Januar auch der frühere U 21-Nationalspieler Maximilian Beister.

Zwei 0:3-Heimpleiten in Folge mit jeweils ganz wenig Durchschlagskraft nach vorne - und heute Abend (Anstoß 19.30 Uhr) das aussichtslos erscheinende Nachholspiel bei Tabellenführer KFC Uerdingen: Der FC Wegberg-Beeck, auf den vorletzten Platz zurückgefallen, macht zweifellos eine schwierige Phase durch. Teamchef Friedel Henßen gibt sich aber kämpferisch: "Wir freuen uns einfach auf dieses Spiel in der traditionsreichen Grotenburg - und wir fahren auch ohne Angst dahin. Natürlich werden wir da aber keinen Hurrafußball spielen, sondern uns erst einmal auf die Defensive konzentrieren."

Nur verteidigen wolle sein Team allerdings auch nicht: "Wir wollen nicht nur hinterherrennen, sondern nach Möglichkeit auch immer wieder eigene Nadelstiche setzen. Ganz wichtig wird aber sein, dass wir nach Ballverlusten sehr schnell wieder in die Ordnung kommen - da müssen alle einfach hellwach sein." Dass sein Team krasser Außenseiter sei, sei aber auch klar: "Uerdingen hat einen Zweit- bis Drittligakader zusammen. Egal, wer da spielt: Alle haben herausragende Klasse."

Die kitzelt seit drei Wochen ein neuer Trainer aus dem hochkarätig besetzten Kader heraus. Da löste Stefan Krämer Michael Wiesinger ab, der erst im Juli beim KFC angeheuert hatte. Trotz Tabellenplatz zwei feuerte ihn Mikhail Ponomarev, in Personalunion Präsident und Geldgeber beim KFC, nach dem denkwürdigen 2:2 bei Rot-Weiss Essen. Bis in die Nachspielzeit lag Uerdingen dort 0:2 zurück, holte dann noch einen Punkt. Ponomarev war aber über die Vorstellung so erbost, dass es im Anschluss in der Kabine mächtig gekracht haben muss - wenige Tage später war Wiesinger entlassen.

Ponomarev schielt aber beileibe nicht nur auf die 3. Liga. "Mein großes Ziel ist es, den Verein profitabel zu machen, dass er alleine auf gesunden Füßen stehen kann. Das kann er aber nicht in der vierten und auch nicht in der dritten Liga, sondern nur in der Zweiten oder Ersten Liga", hatte er Anfang des Jahres in einem Interview mit der RP klipp und klar erklärt.

Unter Krämer hat beim KFC ganz offensichtlich schon mal direkt ein Paradigmenwechsel stattgefunden. War Wiesinger eher ein "Sicherheitsapostel", der allergrößten Wert auf eine stabile Defensive legte (der KFC gewann zig Spiele 1:0), so lässt der neue Coach sein Team deutlich offensiver agieren. Was zumindest die Resultate vermuten lassen. Zu seinem Einstand fiedelten die Uerdingen Schlusslicht SV Rhynern 7:0 ab, es folgte das für den Gast glückliche 1:1 im Topspiel gegen Viktoria Köln, dem sich drei überzeugende Siege gegen starke Gegner anschlossen: 3:0 beim SV Rödinghausen, 2:0 bei Alemannia Aachen und jüngst ein munteres 4:2 gegen Rot-Weiß Oberhausen.

Kurioserweise bis auf den Rhynern-Kick traf da in jedem Spiel auch Maximilian Beister. Der 27-Jährige kam im Januar und ist im Grunde ein Musterbeispiel für einen Spieler mit einer erst einmal äußerst vielversprechenden Karriere, ehe er durch eine schwere Verletzung nachhaltig aus der Bahn geworfen wird. Beim Hamburger SV wurde Beister U 21-Nationalspieler, wurde dann 2010 für zwei Jahre zu Zweitligist Fortuna Düsseldorf ausgeliehen.

Dort erlebte er seine beste Zeit, stieg zur Krönung 2012 in der denkwürdigen Relegation gegen Hertha BSC Berlin in die Bundesliga auf. Direkt danach endete aber seine Ausleihzeit. Beister musste zurück zum HSV - zum großen Bedauern der Fortuna-Fans, die ihn sehr gerne weiterhin in ihrem Team gesehen hätten. In Hamburg begann dann Beisters Abstieg: Nach einem Kreuzbandriss kam er nie wieder richtig auf die Beine. 2015 folgte der Wechsel zum FSV Mainz 05, aber auch dort konnte er nicht an alte Zeiten anknüpfen. Beister wurde erst zum TSV 1860 München ausgeliehen, danach gar zu Melbourne Victory nach Australien. Im Sommer 2017 löste er seinen Vertrag in Mainz auf, war danach vereinslos.

Die Zeit nutzte Beister sinnvoll: Er schloss sein Sportmanagement-Studium ab und betreibt mit Freunden zwei Geschäftsfelder: Er hat den "Snaxcup" entwickelt (Becher und Teller in einem) und zum Patent angemeldet. Und er ist Gesellschafter bei "Immerschlau", einem Nachhilfe-Projekt für Kinder, Schüler und Studenten. Der KFC dürfte nun Beisters letzte Chance sein, noch einmal im Profifußball Fuß zu fassen. Sein Vertrag läuft bis 2020.

(emo)