Radsport : Ausreißergruppe sprintet zum Sieg

Radsport: Beim 12. Wegberger Grenzlandrennen macht eine neunköpfige Spitzengruppe den Sieg unter sich aus. Nach etwa der Hälfte des Rennens übernimmt die Gruppe die Führungsarbeit und hat im Ziel knapp eine Minute Vorsprung.

Etwa alle drei Minuten rast das Fahrerfeld innerhalb weniger Sekunden an Heinz Keutgens vorbei, dann heißt es Augen auf und aufgepasst. Vor Keutgens liegt ein DIN-A4 großer Zettel, der über und über mit Zahlen und Pfeilen übersät ist, Runde für Runde kommen neue Zahlen hinzu. Heinz Keutgens gehört zur vierköpfigen Rennkommission, die dafür sorgt, dass bei der 12. Auflage des Grenzlandrennens alles mit rechten Dingen zugeht - und das ist gar nicht so einfach, denn im Hauptrennen sind knapp 100 Fahrer am Start. "Jede Runde, wenn die Fahrer an uns vorbei kommen, werden die Startnummern der ersten und der letzten beiden Fahrer notiert", erklärt Keutgens und zeigt auf eine Zahlenkombination auf seinem Zettel, "so behalten wir einen Überblick darüber, wer eventuell überrundet wurde und damit später aus dem Rennen genommen wird. " Diese Fahrer bekommen auf Keutgens Zettel einen besonderen Platz: am Rand notiert er die entsprechenden Startnummern, streicht sie durch, wenn sie aus dem Rennen ausscheiden.

Bis etwa zur Hälfte des Rennens war das große Fahrerfeld dicht beisammen, dann fuhr eine neunköpfige Gruppe aus dem Feld. Foto: JÜRGEN LAASER

Besonders im Fokus standen gestern auch die Startnummern 304, 327, 328, 339, 343, 352, 356, 382 und 386. Ihre Fahrer bildeten im Hauptrennen über 74,8 Kilometer die neunköpfige Ausreißergruppe, die nach 1:36:41 Stunden den Sieger unter sich ausmachte - auf Keutgens Rundenprotokoll ist der Zeitpunkt genau vermerkt: Runde 18. In der Folge wird der Pfeil, der den Vorsprung auf dem Protokoll zum Hauptfeld symbolisiert immer länger - in Zahlen waren es im Ziel nach 34. Runde knapp eine Minute. "Jeder hat seine eigene Methode, das Protokoll zu führen", sagt Keutgens, "wichtig ist nur, dass am Ende alle zum gleichen Ergebnis kommen."

Knappes Duell: Den Zweiten und Dritten trennen nur wenige Zentimeter - wie das Zielfoto beweist. Foto: Hendrike Spaar

Und das wies gestern ohne jede Diskussion Lars Piekenbrinck vom Sportforum Düsseldorf/Kaarst-Büttgen als Sieger aus. Mit einem langgezogenen Schlussspurt auf der Zielgeraden ließ er seinen acht Mitstreitern aus der Ausreißergruppe keine Chance. "Nach der letzten Kurve habe ich den Kopf runtergenommen und das bis zum Ende durchgezogen", erklärt Piekenbrinck nach der Zielüberquerung. Ein Manöver, für das er vom Zweitplatzierten Michael Eitling (Team Rolinck) Anerkennung bekam: "Eigentlich hatten wir den taktischen Vorteil auf unserer Seite, weil wir zwei Mann in der Ausreißergruppe hatten, aber den Vorsprung, den sich Lars in der Kurve rausgefahren hat, konnte ich nicht mehr zufahren, dafür hatte ich heute nicht die Beine." Deshalb hatten Eitling und sein Teamkollege Matthias Bäumer, der am Ende Neunter wurde, noch in den letzten beiden Runden versucht, zu attackieren, "aber dafür war die Gruppe einfach zu schnell und hat zu gut zusammengearbeitet", resümierte Eitling. Komplettiert wurde das Siegerpodest vom jungen Nachwuchsfahrer Philip Globisch vom RSV Gütersloh, der nach Auswertung des Zielfotos mit nur wenigen Zentimetern Rückstand auf Rang drei landete.

Heinz Keutgens hatte das schon längst ohne Foto erkannt - auf seinem Protokollzettel stand hinter Platz drei direkt die Startnummer 352.

(RP)