Erinnerung an den Aufstieg 1974 Vor 50 Jahren stieg Viktoria Kleingladbach in die Landesliga auf

Amateurfußball · Aktuell fristet die Viktoria ein sportliches Dasein von eher geringerer Bedeutung. Das war 1974 anders, als man in die Landesliga, die damals vierthöchste Spielklasse, aufstieg und in der ganzen Region für Aufsehen sorgte. Zwei Spieler erinnern sich.

Die Aufstiegsmannschaft von 1974.

Die Aufstiegsmannschaft von 1974.

Foto: Viktoria Kleingladbach

Solch eine Kulisse hatte das Stadion an der Heubahn in Kleingladbach noch nie gesehen. Rund 2000 Zuschauer waren am 19. Mai 1974 zum letzten und entscheidenden Spiel der Bezirksliga gekommen, in dem die beiden punktgleichen Spitzenteams von Viktoria Kleingladbach und dem 1. FC Heinsberg/Lieck aufeinandertrafen. Die Viktoria war gerade erst in die Bezirksliga aufgestiegen und wollte nun natürlich auch den Durchmarsch in die Landesliga schaffen, damals die vierthöchste Klasse im deutschen Fußball.

„Zu Beginn der Saison hatten wir noch Probleme. Dann haben wir uns mit Torwart Robbi Antoniak verstärkt, der uns die nötige Stabilität brachte“, erinnert sich Hermann-Josef Niessen, seinerzeit Kapitän der Viktoria. Es folgte eine starke Saison, die schließlich zum Showdown gegen die Kreisstädter führte, die schon vor der Spielzeit als einer der Aufstiegsfavoriten gehandelt wurden. Von der Viktoria hingegen, waren die meisten doch sehr überrascht.

Aufstieg 1974. Es feiern (v.l.) Willi Mertens, Trainer Leo Schafhausen und Hermann-Josef Niessen.

Aufstieg 1974. Es feiern (v.l.) Willi Mertens, Trainer Leo Schafhausen und Hermann-Josef Niessen.

Foto: Viktoria Kleingladbach

Im entscheidenden Spiel um den Aufstieg fanden die Gäste aus Heinsberg zunächst besser in die Partie, doch die Kleingladbacher steigerten sich von Minute zu Minute. So fielen dann auch regelmäßig die Tore, wobei schon in der ersten Halbzeit Ringels (nach Vorarbeit von Dörenkamp), Dörenkamp nach Doppelpass mit Hermanndung, und Hermanndung selber bis zum 3:0 getroffen hatten. Die Stimmung der zahlreichen Zuschauer war da schon prächtig und sie sollte noch besser werden, denn in Halbzeit zwei schraubten Schenk per Strafstoß, den er selber herausgeholt hatte, Niessen mit einem sehenswerten Freistoß und Hermanndung mit seinem zweiten Treffer den Endstand noch auf 6:0 hoch. Deutlicher hätte es kaum sein können. Der Kreis-Konkurrent war in die Schranken gewiesen.

Danach brachen alle Dämme am „größten Tag der Vereinsgeschichte“, wie Hermann-Josef Niessen sagt. Die Mannschaft ließ Trainer Leo Schafhausen hochleben, der immer die richtigen Worte für seine Jungs gefunden hatte. Von einem „grandiosen Durchmarsch“ schrieb damals die hiesige Lokalpresse, und davon, dass „damit keiner rechnen konnte.“

Nach Abpfiff bildete sich spontan ein Autokorso und der Kleingladbacher Trommlerkorps spielte „So ein Tag so schön wie heute“, während die Mannschaft samt Trainerschaft durch das Dorf zog. „Das ganze Dorf stand Kopf. Zahlreiche Menschen auf den Straßen und in den Häusern haben die Mannschaft bejubelt“, erinnert sich auch Niessens Mannschaftskamerad Reinhard Zimmermann und fügt an: „Dieses Ereignis wird immer einen Platz in der Chronik haben.“

Aufgelaufen war die Viktoria im entscheidenden Spiel mit folgender Aufstellung: Antoniak - Jansen, Löpke, Mertens (60. Zimmermann), Pelkhofer, Ringels, Schenk, Meuser, Hermanndung, Dörenkamp, Niessen (80. Stefan). In Spenderlaune zeigte sich an diesem Tag auch die Stadt Hückelhoven. Zunächst spendete Stadtdirektor Johannes Bürger ein 30-Liter-Fass Bier, und übergab die Zusage der Stadt, dass in Kleingladbach ein neuer Sportplatz angelegt wird, da der Untergrund auf dem alten Platz zu holprig geworden war. Und dieses Versprechen wurde auch gehalten.

Der Aufstieg der Viktoria, der nunmehr 50 Jahre zurückliegt, sollte aber keineswegs eine Eintagsfliege gewesen sein. Zehn Jahre lang kickten die Gladbacher in der Landesliga und so manch ein prominenter Gegner wurde an der Heubahn vorstellig. Die Gegenwart sieht allerdings ein wenig anders aus – die Viktoria beendete kürzlich die Saison in der Kreisliga B als Tabellenfünfter.