Admir Terzic, Zugang des Fußball-Mittelrheinligisten FC Wegberg-Beeck

Fußball : Familientragödie zerstörte seinen Profitraum

Der Abwehrspieler blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück, ist mit sich aber im Reinen. In Beeck möchte er nun sesshaft werden.

Bis zum März 2011 war Admir Terzic ein vielversprechendes Nachwuchstalent von Borussia Dortmund, stand der gebürtige Alsdorfer, damals 18 Jahre alt, vor dem Sprung zum Profi. Zwei Jahre zuvor, mit 16 Jahren, war der Abwehrspieler von Alemannia Aachen zum BVB gewechselt, wohnte dort im Internat. Bei der Borussia ließ es sich für den Youngster zunächst prächtig an. In der U 19 war er sogar deren Kapitän, spielte in der Junioren-Bundesliga in der Innenverteidigung zusammen mit dem heutigen Nationalspieler Antonio Rüdiger (FC Chelsea). Und zwei Einsätze in der deutschen U 17-Nationalmannschaft stehen für den Deutsch-Bosnier auch zu Buche. Wie gesagt, es lief gut.

Bis zum März 2011 eben. „Da hat sich mein Vater Suad umgebracht, hat zuvor noch das Haus angezündet, in dem meine Familie lebte. Zum Glück war aber sonst niemand im Haus, so dass nicht noch mehr Familienmitglieder umgekommen sind“, erzählt Terzic leise. Für ihn begann „die schlimmste Zeit meines Lebens“. An Fußball war für ihn da nicht mehr zu denken: „Der Suizid meines Vaters hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich habe mich für vier Monate in eine psychi­atrische Klinik zur stationären Behandlung begeben.“

Fußball spielt Terzic ein halbes Jahr nicht mehr. Dann versucht er in der Zweiten der Borussia einen Neuanfang, steigt mit ihr in die 3. Liga auf. Doch in seinem zweiten Seniorenjahr verliert er seinen Stammplatz. „Ich kam nicht damit klar, nicht mehr zu spielen, habe daher meinen Vertrag aufgelöst. Das war ein großer Fehler. Ich hätte mich durchbeißen müssen“, gesteht der 26-Jährige. Ohnehin spricht der Linksfuß, der in der Innenverteidigung sowie links in der Kette spielen kann, ohne jeglichen Groll und äußerst selbstreflektierend, wenn er über seine verpasste Profikarriere spricht. „Ich bin mit mir im Reinen. Daher gehe ich mit meiner Vergangenheit auch offen um“, versichert er – man kauft’s ihm ab.

Nach Dortmund folgen Wanderjahre – und vergebliche Probetrainings bei diversen Profiklubs. Unter kommt Terzic bei Regionalligist SV Lippstadt. Dort kommt er in der Saison 13/14 freilich nur auf einen einzigen Einsatz. Er geht zurück in die Heimat. Vom professionellen Fußball hat er sich verabschiedet, kickt erst ein Jahr für A-Ligist FC Roetgen und dann ein Jahr für Landesligist Sportfreunde Düren. Beruflich orientiert er sich um, macht eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann. „Die habe ich auch abgeschlossen.“

2016 geht’s für ihn sportlich wieder eine Sprosse höher. Terzic wechselt zu Mittelrheinligist Borussia Freialdenhoven. Auch dort bleibt er aber nur ein Jahr, geht zu Oberligist Turu Düsseldorf. Auch das bleibt jedoch nur eine kurze Episode. Anfang 2018 wechselt er zu Regionalligist TuS Erndtebrück. Mit dem steigt er zwar ab, ist im August 2018 aber Teil der Startelf, die in der 1. Runde des DFB-Pokals dem Hamburger SV einen denkwürdigen Kampf liefert. Am Ende verliert Erndtebrück 3:5. Auf Dauer wollte Terzic aber nicht im tiefen Westfalen bleiben. „Ich bin sehr heimatverbunden, wollte daher in die Region zurück“, sagt er.

Von daher sei das Angebot des FC Wegberg-Beeck genau richtig gekommen. Er habe zwar auch eine Anfrage von Regionalligist Wuppertaler SV gehabt. „Doch in Beeck hat mich das Gesamtpaket überzeugt. Hier kenne ich ja auch einige Jungs von früher, so auch den Trainer Michael Burlet aus gemeinsamen Aachener Zeiten.“ Mit dem FC hat er nun einiges vor: „Ich möchte mit ihm in die Regionalliga aufsteigen.“ Als seine Stärken nennt er gutes Passspiel und Übersicht. „Ich mache viel mit Auge. Der Schnellste bin ich aber sicherlich nicht. Und an meinem rechten Fuß muss ich sicherlich auch noch arbeiten.“

Und was ihm die Entscheidung für Beeck auch noch erleichtert hat: Seine Freundin Vivien wohnt in Rheindahlen – und damit vom Beecker Waldstadion nur einen Katzensprung entfernt. „Die hat sich über diesen Wechsel daher auch gefreut“, erzählt er schmunzelnd.

Sein Lieblingsverein im Profifußball sei weiterhin Dortmund. „Ich bin immer noch mit Herzblut BVB-Fan.“ Aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten habe er noch engen Kontakt zum jetzigen Mönchengladbacher Profi Jonas Hofmann. „Der ist ein guter Freund von mir.“ Und sein Motto: „„Man muss die Kleinigkeiten im Leben genießen können.“

Ein fußballerisches Vorbild habe er nicht. „Das ist vielmehr eindeutig meine Mama. Denn die geht immer mit einem Lächeln durch die Welt, obwohl sie so viel Schlechtes erlebt hat.“ Was zu Terzic passt. „Ich bin nun mal ein sehr sensibler Mensch, geprägt von meiner Vergangenheit.“