Deutliche Unterschiede So viele Kinder werden im Kreis Heinsberg geboren

Erkelenz · Die Geburtenziffer des Kreises Heinsberg liegt deutlich über dem NRW-Schnitt – nur in Wegberg gibt es wenig Nachwuchs. Hinter den neuen Zahlen stecken viele interessante Beobachtungen.

 Wassenberg liegt bei der Geburtenziffer für das vergangene Jahr vorn.

Wassenberg liegt bei der Geburtenziffer für das vergangene Jahr vorn.

Foto: dpa/Fabian Strauch

Frauen bekommen im Kreis Heinsberg weiterhin mehr Kinder als im NRW-Durchschnitt. Das geht aus neuen Zahlen hervor, die das Statistische Landesamt am Dienstag für das Jahr 2023 veröffentlicht hat. Demnach lag die zusammengefasste Geburtenziffer im Kreis bei 1,45. Das bedeutet, dass auf jede Frau im Kreisgebiet im Schnitt 1,45 Kinder kommen. In ganz NRW liegt der Schnitt bei 1,39 und damit so niedrig wie 2013 nicht mehr.

Wichtig: Bei der zusammengefassten Geburtenziffer handelt es sich um einen rein statistischen und fiktiven Wert. Er gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich zur Welt bringen würde, wenn ihr Geburtenverhalten dem aller 15- bis 49-jährigen Frauen des betrachteten Berichtsjahres entspräche. Wie viele Kinder ein Frauenjahrgang im Durchschnitt tatsächlich geboren hat, ist erst bekannt, wenn die Frauen das Ende des gebärfähigen Alters erreicht haben, das statistisch mit 49 Jahren begrenzt wird. Auf ein Jahr betrachtet lassen sich dadurch trotzdem Rückschlüsse auf die Zahl der Geburten geben.

Auf die Städte im nördlichen Kreisgebiet betrachtet ergeben sich hierbei deutliche Unterschiede. Die meisten Kinder bekommen demnach Frauen in Wassenberg: 1,59 waren es im vergangenen Jahr. Auf einem ähnlichen Niveau bewegen sich Hückelhoven mit 1,57 und Erkelenz mit 1,51. Deutlich weniger Kinder gibt es hingegen in Wegberg, das mit einer Geburtenziffer von 1,33 sogar deutlich unter dem NRW-Schnitt liegt. Mit Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre scheint es sich in Wegberg allerdings eher um einen einmaligen „Ausreißer“ als einen allgemeinen Trend zu handeln.

Der Trend geht aber auch im Kreis klar zurück. 2022 waren die zusammengefassten Geburtenziffern noch deutlich höher gewesen. Der Kreis-Schnitt lag bei 1,62. Hückelhoven kam auf eine Geburtenziffer von 1,71, Wegberg auf 1,68, Wassenberg auf 1,64 und Erkelenz auf 1,62. Auch im Jahr 2021 bewegten sich die Werte in einer ähnlichen Größenordnung. Das lässt vermuten, dass die Corona-Pandemie einen deutlichen Effekt auf das Verhalten der Paare im Kreis Heinsberg hatte. Den sogenannten „Corona-Effekt“ als Korrelation bei der Geburtenrate vermuten auch viele Experten – und er spielt für die Städte durchaus eine große Rolle, etwa bei der Bedarfsplanung der Kita-Plätze für die kommenden Jahre.

Deutliche Unterschiede gibt es übrigens auch bei der Unterscheidung der Mütter nach Nationalität – und das in ganz Nordrhein-Westfalen. Deutsche Frauen bekommen deutlich weniger Kinder als Nicht-Deutsche Frauen. So liegt die zusammengefasste Geburtenziffer für deutsche Frauen im vergangenen Jahr bei 1,38, für ausländische Frauen bei 1,81. Im besonders geburtenstarken vergangenen Jahr kamen deutsche Frauen auf 1,53 Kinder, ausländische Frauen sogar auf 2,09 Kinder.

Im Landesdurchschnitt sieht das ähnlich aus: Deutsche Frauen bekamen in NRW im Jahr 2023 im Schnitt 1,27 Kinder; dies bedeutet einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (2022: 1,36). Bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit war die Geburtenziffer mit 1,89 ebenfalls niedriger als 2022 (2,03). Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen 155.515 Kinder geboren; das waren 5,5 Prozent weniger als 2022.

Regional betrachtet gab es in Gelsenkirchen (1,74) den höchsten und in Münster (1,02) den geringsten Wert bei der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau. Von allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten des Landes wurde im Vergleich zum Jahr 2022 nur für die Städte Duisburg (+0,11) und Krefeld (+0,05) eine Zunahme der Geburtenziffer festgestellt. Der Kreis Heinsberg hat hier sogar einen der höchsten Rückgänge in ganz Nordrhein-Westfalen zu verzeichnen: Ein Minus von 0,17 weisen sonst nur noch Düsseldorf und Soest auf, noch höher ist der Rückgang in Herne (-0,18) und im Kreis Olpe (-0,19).