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Schwimmer im Kreis Heinsberg hart von Corona-Krise betroffen

Schwimmer im Kreis Heinsberg : Corona-Krise trifft Wasserfreunde hart

Wer in diesen Tagen Wasser zum Sporttreiben benötigt, hat es besonders schwer. Das gilt für Leistungsschwimmerin Nina Holt aus Erkelenz genauso wie für Hobbyschwimmer. Aber auch Schwimmvereine haben mit Problemen zu kämpfen.

Von allen Sportlern ist aktuell viel Geduld gefragt, denn sie sind wegen der Maßnahmen rund um die Corona-Krise weitgehend zur Untätigkeit verdammt. Doch während die meisten Aktiven zumindest Teilbereiche ihrer Sportart alleine trainieren können, sind die Schwimmer ganz besonders gebeutelt. Denn weil auch im Kreis Heinsberg alle Bäder geschlossen sind, geht für sie in der Region gar nichts. Ganz egal, ob Leistungssportler, Anfänger oder Frühschwimmer im Rentenalter. „Es ist nicht nur schwer, aktuell schwimmspezifisch zu trainieren, es ist unmöglich“, erklärt Susanne Eser vom SSC Rurtal-Hückelhoven.

Sie muss es wissen, schließlich ist sie normalerweise den ganzen Tag als Sportlehrerin und Schwimmtrainerin unterwegs. In diesen Tagen ist aber auch sie zur sportlichen Untätigkeit gezwungen. Zumal es auch noch deutlich zu kalt ist, um alternativ in einem der Seen der Region eine Trainingseinheit im Freiwasser einzustreuen. Es gebe zwar für Schwimmer sogenannte Zugseile, die als Trainingsergänzung genutzt würden, um die Schwimmbewegungen der Arme gegen Widerstand auf dem Trockenen zu trainieren. Doch Eser warnt: „Wenn schon eine entsprechende Technik vorhanden ist, kann man das mal machen. Aber gerade für jüngere Kinder würde ich das ohne Kontrolle als Alternative nicht empfehlen. Wenn die Bewegungen nicht korrigiert werden, kann da viel falsch laufen.“

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Diese Gefahr besteht zwar bei Nina Holt nicht, weil sie als eines der größten Schwimmtalente aus der Region schon über eine gefestigte Technik verfügt, doch die Erkelenzerin muss aktuell dennoch sehr kreativ sein, um neben dem Krafttraining mit dem Zugseil noch weitere Trainingsvarianten zu finden. Schließlich will die 17-Jährige vorbereitet sein, wenn wieder Wettkämpfe anstehen – sowohl im Becken für SG Mönchengladbach als auch im Rettungsschwimmen für die DLRG Erkelenz. Ihre Krafteinheiten zieht sie wie vor der Zwangspause dreimal in der Woche durch, doch ihre Grundlagenausdauer versucht sie jetzt durch Laufen und Rennradfahren zu erhalten. Zudem geht sie aktuell noch auf einem See Kajakfahren. Doch auch wenn Holt dann schon mal am Wasser ist, im See schwimmen kommt für sie nicht in Frage. Denn obwohl sie als Rettungsschwimmerin einiges gewohnt ist, sind ihr zehn bis elf Grad Wassertemperatur nicht geheuer. „Die letzten Wochen waren schon hart“, sagt die Erkelenzerin. Was die Lage gerade noch unschöner macht: Eigentlich stand in den Osterferien ein Trainingslager in Italien auf dem Programm. Allerdings wurde das schon früh abgesagt, so dass genug Zeit war, sich damit abzufinden. „Dennoch hoffen wir natürlich alle, dass bald wieder Normalität einkehrt und dass die Auswirkungen der Trainingspause nicht so schlimm sein werden“, betont Nina Holt.

Über Auswirkungen der Zwangspause müssen sich auch die Vereine Gedanken machen. Trainerin Susanne Eser, die sich normalerweise im Freizeitbad Hückelhoven um ihre Schützlinge kümmert, geht davon aus, dass es bei ohnehin schon langen Wartelisten für Anfängerkurse dazu kommt, dass manche erst verspätet oder gar nicht Schwimmen lernen. Gertrud Hopfenbach, Vorsitzende des SSC Rurtal-Hückelhoven, befürchtet auch, dass gerade Jugendliche im Alter zwischen 14 und 15 Jahren bei einer zu langen Pause die Motivation verlieren und ganz aufhören. Am Herz liegen ihr auch die vom SSC angebotenen Kurse in Wassergymnastik und Aquafitness für Gesundheitssportler, die aktuell auch pausieren müssen. Immerhin: In Existenznöte gerät der Verein dadurch nicht, weil es nur Mitglieder gibt, also keine Kursgebühren wegfallen. „Zudem müssen wir aktuell ja keine Nutzungsgebühren für das Schwimmbad zahlen“, erklärt Hopfenbach.

Aus finanzieller Sicht ist die Zwangspause aus vergleichbaren Gründen auch für die Schwimmabteilung des TV Erkelenz, die im Erka-Bad beheimatet ist, kein Problem. Vielmehr treibt Abteilungsleiter Heinz-Jürgen Lemmen die Planungsunsicherheit um. Ob das große Internationale Schwimmfest Anfang September stattfinden kann, steht noch in den Sternen. „Wir wissen momentan nicht so recht, wo wird dran sind “, sagt Lemmen. Besonders traurig stimmt ihn aber, dass die seit einigen Jahren mit der DLRG und dem Kreissportbund Heinsberg um diese Zeit gemeinsam organisierte Veranstaltung „Mathe schützt nicht vor Ertrinken“ abgesagt werden musste. Denn dabei geht es darum, die Schwimmfähigkeit von Schülern zu verbessern.

Ein wenig Mitleid hat Lemmen auch mit den vielen Frühschwimmern, die sich sonst täglich in den Hallenbädern der Region versammeln, um ihre Bahnen zu ziehen. „Wenn ich vor der Krise unter der Woche schon mal gegen sechs Uhr am Erka-Bad vorbeigefahren bin, standen da schon so um die 20 Autos davor“, sagt der ETV-Abteilungsleiter. Doch egal ob Erka-Bad in Erkelenz, Freizeitbad in Hückelhoven oder Grenzlandringbad, wo die Freien Schwimmer Wegberg trainieren – überall sind derzeit die Pforten geschlossen. Das bietet für das Bäderpersonal immerhin die Chance, wichtige Arbeiten hinter den Kulissen zu erledigen. Im Grenzlandringband wird momentan zum Beispiel die Grundreinigung vorgezogen.