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Wegberg: Schüler arbeiten NS-Zeit auf

Wegberg : Schüler arbeiten NS-Zeit auf

Dr. Ruth Seidl begrüßt Verbot Gestern stellte der Projektkurs Geschichte des Wegberger Maximilian-Kolbe-Gymnasiums das Resultat seines einjährigen Schaffens vor: das Buch "Braunes Wegberg? So etwas gab es doch nicht bei uns . . . Oder doch?".

Unerwartete Aktualität bekam gestern Vormittag eine Präsentation im Maximilian-Kolbe-Gymnasium. Als der Projektkurs Geschichte vor geladenen Gästen aus Politik, Verwaltung und Sponsoren sein druckfrisches Buch "Braunes Wegberg? So etwas gab es doch nicht bei uns . . . Oder doch?" vorstellte, lief seit einigen Stunden die NRW-weite Razzia gegen Rechtsextreme — auch im Kreis Heinsberg.

"Man sieht, das Thema ist nach wie vor aktuell", betonte Schüler Bernd Mertens, der zum achtköpfigen Projektkurs zählt. Ein Jahr lang waren die Schüler in Archive eingetaucht — nicht nur ins Wegberger Stadtarchiv, sondern auch ins Landesarchiv Düsseldorf und ins Bundesarchiv Koblenz. Dazu befragten sie Zeitzeugen (die RP berichtete über die Recherchearbeiten).

Pusch: "NS-Zeit nicht relativieren"

In einer Präsentation stellten die Schüler nun ihre sechs Forschungsbereiche vor: Anfänge der NSDAP, Hitler-Jugend (HJ), Kirche, Juden, Euthanasie und Zwangsarbeit — alles vor Ort in Wegberg. Unter anderem erfuhren die Gäste, dass zum Unterhaltungsprogramm der HJ sonntägliche Panzerfahrten im Tüschenbroicher Wald gehörten — zwei unter den Zuschauern sitzende Zeitzeugen stimmten dem lebhaft zu, was Landrat Stephan Pusch verärgerte (der Kreis Heinsberg unterstützte das Projekt über die Bildungsoffensive): "Die Tendenz zur Relativierung der damaligen Zeit nimmt leider wieder zu", bemerkte Pusch — und lobte umso mehr die Aufklärungsarbeit der Schüler: "Das Buch ist ein tolles Resultat."

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Und auf seine Frage an die Projektteilnehmer, ob die Beschäftigung mit der NS-Zeit ihnen wirklich etwas gebracht hätte, erntete er viel Zustimmung. "Im Geschichtsunterricht wird sonst auch bei diesem Thema immer nur die große Politik behandelt, ist immer von Berlin die Rede.

Es war einfach spannend, sich nun einmal mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen", versicherten die Schüler unisono — und räumten ein, dass Erkelenz in gewisser Weise ein Vorbild war. "Die Erkelenzer haben ihre Geschichte in der NS-Zeit bereits vor längerer Zeit erforscht."

"Der Opfer gedenken"

Projektleiter Jürgen Tenbrock, der die Schüler selbstständig forschen ließ, merkte gestern an: "Wir haben uns zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus' in Wegberg mit dem Thema auseinandergesetzt. Wir würden es sehr begrüßen, wenn für diese nun in Wegberg auch mal eine Gedenktafel errichtet würde. Noch fehlt so etwas." Bürgermeister Reinhold Pillich versprach, sich dafür einzusetzen. "Ich finde es bemerkenswert, was ihr auf die Beine gestellt habt", lobte Pillich. Insgesamt gebe es an der Schule zehn Projektkurse, erläuterte am Ende Schulleiter Willy Meersmann.

(RP/rl)