RAAK macht auf wachsende Armut im Kreis Heinsberg aufmerksam

PerspekTIEF-Tour der RAAK hat sechs Stationen im Kreis Heinsberg : Menschen in Armut vor Gleichgültigkeit schützen

Mit einer Initiative will die Regionale Armuts- und Arbeitsmarktkonferenz (RAAK) im Kreis Heinsberg auf die wachsende Armut in der Region aufmerksam machen.

„PerspekTIEF-Tour“ heißt das Projekt, das sechs Orte aufsucht, wo Armut das tägliche Leben prägt. Betroffene Menschen aller Altersgruppen und engagierte Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler sollen so wieder Gehör finden. „Wir wollen wieder zu den Menschen, bei denen weder eine brummende Konjunktur noch unser Sozialstaat ankommen“, erklärt Pastoralreferent Johannes Eschweiler, Betriebsseelsorger im Bistum Aachen, Vorsitzender von Amos und neben Gertrud Grotthaus (KAB) und Thomas Hartmann (DGB) einer der drei Sprecher der RAAK. „Vor allem wollen wir diesen Menschen wieder eine Stimme geben, sie aus dem Schattendasein zurückholen in unser aller Lebenswelt.“

Erste Station der Tour war der KAB-Treff in Birgden, den Gertrud Grotthaus leitet. „Es gibt leider viele vergessene Orte, an denen Armut zum Alltag geworden ist und sich über Generationen vererbt“, weiß sie. Im KAB-Treff erlebt sie die schwierigen Lebensumstände von Familien, von alleinerziehenden Müttern, von Menschen, die nach ihrer Flucht hier leben und von Menschen, die trotz eines arbeitsreichen Lebens von einer unzureichenden Grundrente im Alter leben müssen.

Statistische Daten zur Armutssituation von Rentnern gibt es viele – alle sind eindeutig und sehen dringenden politischen Handlungsbedarf. Für den Kreis Heinsberg konnte das Job-Center allerdings nicht mal die Entwicklung von Personen im Rentenalter in Grundsicherung liefern, wie die RAAK auf Anfrage erfuhr.

Viele Frauen, die jetzt und in den nächsten Jahren in unserer Region in Rente gehen würden, gehörten zu einer Generation, die oft nicht erwerbstätig gewesen sei, die sich zu Hause um die Familie gekümmert habe. „Und wenn diese Frauen dann im Rentenalter schließlich auf Grundsicherung angewiesen sind, müssen sie auch noch ohne die ihnen zustehende Mütterrente auskommen!“, empört sich Gertrud Grotthaus. „Die Lebensleistungen sind da, aber sie werden von unserer Gesellschaft nicht gewürdigt.“ Dabei hätten viele dieser Frauen neben ihrer Familienarbeit sich oft auch noch vielfältig ehrenamtlich engagiert.

Richtig sauer macht Gertrud Grotthaus, dass sie und Ihre KAB-Gruppe St. Urbanus Birgden mit ihrem Anliegen kein Gehör finden. Schon Anfang Juni 2018 haben sie den Mitgliedern der frisch einberufenen Rentenkommission der Bundesregierung einen gemeinsamen Brief geschrieben, allerdings bis heute keine Antwort erhalten.

Nach dem Besuch im Birgdener KAB-Treff, wo es um die Rentenproblematik ging, ist die nächste Station der „PerspekTIEF-Tour“ der Caritas-Fairkauf in Übach-Palenberg. Hier geht es um das Thema „Nachhaltige Armut“. Geplant sind zudem ein Besuch beim Kinderfrühstück im Advent des Oberbrucher Vereins Amos sowie drei weitere Stationen im kommenden Jahr.

(RP)