Plauderkassen: Was Supermarktbetreiber im Erkelenzer Land von der Idee halten

Neues Konzept aus niederländischem Supermarkt : Kunden schätzen „Plauderkassen“

Die niederländische Supermarktkette Jumbo möchte ihren Kunden an den neuen „Plauderkassen“ die Möglichkeit geben, ungestört ins Gespräch zu kommen. Eine Idee auch für das Erkelenzer Land?

So ein Supermarkt ist nicht wirklich für seine ruhige und entspannte Atmosphäre bekannt. Vor allem an der Kasse kann beim Erledigen des Einkaufs schon einmal Hektik aufkommen. Während die linke Hand eilig die Einkäufe in die Tragetasche räumt, greift die rechte Hand schon nach der Geldbörse. Schnell zahlen und weiter, ehe der Verkehr an der Kasse unnötig aufgehalten wird. Unterhaltungen, die über ein „Hallo. Nein, ich sammle keine Treuepunkte. Schönen Tag noch“ hinausgehen? Eigentlich undenkbar.

Doch genau das möchte die niederländische Supermarktkette Jumbo nun ändern. Die Kunden sollen sich bei ihrem Einkauf ungestört mit Kassierern und anderen Kunden unterhalten können. Zumindest an extra dafür eingerichteten Kassen. „Kletskassa“ – auf deutsch so viel wie „Plauderkasse“ – sagt der niederländische Supermarkt dazu. Das Angebot dieser speziellen Kassen richte sich vor allem an ältere Menschen, die oft unter Einsamkeit leiden. Für sie sei der wöchentliche Besuch im Supermarkt eine der letzten Anlässe, bei denen sie überhaupt Kontakt zu anderen Menschen haben. An der Plauderkasse nehmen sich die Kassierer deshalb gerne extra viel Zeit für die Kunden und kommen mit ihnen ins Gespräch. In einer Filiale in der niederländischen Kleinstadt Vlijmen hat Jumbo das Pilotprojekt für die Plauderkassen im Juli gestartet. Nach durchweg positiven Resonanzen möchte der Supermarkt das Konzept nun auf bis zu 40 Standorte erweitern.

Extra eingerichtete Kassen, um Menschen die Möglichkeit zu geben ungestört ins Gespräch zu kommen und damit etwas gegen die Einsamkeit dieser Menschen zu machen: Ist das ein Konzept, das auch bei Filialleitern im Erkelenzer Land Anklang findet? Immerhin scheint Einsamkeit auch in Deutschland ein weit verbreitetes Problem zu sein. Fast jeder zehnte Deutsche zwischen 45 und 84 Jahren gab 2017 an, dass er sich einsam fühle – das entspricht einer Steigerung der Betroffenen von 15 Prozent im Vergleich zum Jahr 2011. Bernd Lindenlauf ist Rewe-Filialleiter in Hückelhoven-Ratheim und hat sich mit dem Konzept der niederländischen Kollegen auch schon beschäftigt: „Ich habe durch Zufall morgens einen TV-Bericht zu dem Thema gesehen und ich fand die Idee ja schon witzig“, erzählt er. Für seinen Filiale sei dies aber keine notwendige Neuerung: „Zeit zum Plaudern gibt es bei uns schon immer genug. Entweder an den Kassen, an der Frischetheke oder in der Obst- und Gemüseabteilung. Wir haben Stammkunden, die seit 25 Jahren zu uns kommen und Mitarbeiter, die ebenso lange hier arbeiten. Da kommt man sowieso immer ins Gespräch.“

Auch Branchenkollege Jan Esser, der in Erkelenz einen Edeka-Markt leitet, sieht für seine Filiale keinen Bedarf einer weiteren Kassenart. „Wir haben doch sowieso schon nur Plauderkassen“, erzählt er lachend. Aufgrund des gegenüberliegenden Seniorenheims kämen viele ältere Menschen in den Markt. „Unsere Kassierer sind alle sehr redselig und freundlich. Wir haben viele Stammkunden, die mit meinen Mitarbeitern per du sind. Eine eigene Kasse brauchen wir dafür nicht mehr.“