Orka-Tief sorgt im Erkelenzer Land für Verletzte und viele Schäden

Erkelenzer Land: Orkantief sorgt für Verletzte und viele Schäden

Orkantief "Friederike" lässt im Erkelenzer Land Bäume umstürzen und beschädigt viele Dächer. In Hückelhoven wurden zwei Menschen schwer verletzt. Mehrere Friedhöfe und Parkanlagen sind gesperrt. Sie dürfen weiterhin nicht betreten werden. Feuerwehr: akute Lebensgefahr bleibt.

Zwischen Schaufenberg und Kleingladbach wurden zwei Fußgänger unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt und schwer verletzt. Durch die heftigen Sturmböen bis in den Nachmittag kam es nach Polizeiangaben im Kreis Heinsberg zu zahlreichen Schäden. Viele Bäume stürzten um, Schilder wurden heruntergeweht, Teile von Dächern fielen herunter. Bis 15 Uhr wurde allein die Polizei zu über 60 Gefahrenstellen gerufen, die meist durch die Feuerwehren beseitigt werden konnten oder noch geräumt werden müssen.

Am Hückelhovener Rathaus kippte eine große Birke, wenige Meter weiter hinten links klapperte das Schwimmbad-Dach. Die Stadt sperrte den Platz. Foto: LAASER

Hückelhoven Ausnahmezustand für die Feuerwehr - 100 Ehrenamtliche arbeiteten von 10 bis 15.30 Uhr 93 Einsätze ab. Zwei Fußgänger sind gegen 11 Uhr an der Kreisstraße 26 zwischen Schaufenberg und Kleingladbach von einem stürzenden Baum erfasst worden. Sie gingen in diesem Augenblick auf dem neben der Fahrbahn gelegen Fuß- und Radweg und wurden unter Ästen eingeklemmt. Feuerwehrkräfte befreiten die beiden schwer verletzten Männer im Alter von 24 und 37 Jahren, die nach notärztlicher Erstversorgung zur stationären Behandlung in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden. Ihr Zustand ist ernst, denn am Abend teilte die Feuerwehr mit, dass sie "aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen in eine Klinik der Maximalversorgung weiterverlegt" wurden.

Am Hückelhovener Freizeitbad hat sich vormittags die Dachhaut gelöst und drohte abzustürzen, das Bad wurde sofort gesperrt, auch die komplette Martin-Luther-Straße. Stadtsprecher Holger Loogen schätzte beim Blick aus seinem Büro auf das Schwimmbad, dass etwa ein Drittel der Front betroffen ist. Dachdecker sagten zu, die lose Dachhaut zu sichern. Vor dem Rathaus wurde eine Birke entwurzelt und der Bereich weiträumig mit Flatterband abgesperrt. "Leider halten sich nicht alle daran", sagte Loogen. An der Hilfarther Kita stürzte ein Baum auf den Zaun des Außengeländes. Die Stadt sperrte alle Friedhofe und den oberen Teil der Parkhofstraße ab Volksbank, weil in diesem Abschnitt der Einkaufsstraße Dachziegel von den Dächern fielen. In Hilfarth waren Dächer beschädigt, ein eingestürztes Dach einer Industriehalle wurde um 12.10 Uhr gemeldet, auf der Breite Straße wehte eine Terrassenbedachung auf die Straße und brachte den Verkehr kurzzeitig zum Erliegen. In Kleingladbach wurden auf der Straße Im Siel etwa 20 Bäume umgerissen und blockierten die Fahrbahn auf einer Länge von 50 Metern. Zu zwei sturmbedingten Einsätzen musste die Feuerwehr auf die Autobahn 46 ausrücken, um ebenfalls Bäume von der Fahrbahn zu beseitigen.

Auf der B 57 zwischen Baal und Erkelenz kippte eine Tanne auf die Fahrbahn. Ein Lastwagen, der die Stelle auf dem Grünstreifen umfahren wollte, fuhr sich im weichen Erdreich fest.

In der Baaler Mühlenbachschule lief der Schulbetrieb normal weiter, in den Pausen spielten die Kinder allerdings im sicheren Gebäude. "Bei den Kindern, die nicht über Mittag in der Offenen Ganztagsgrundschule bleiben, haben wir die Eltern angerufen, ob wir die Kinder auf den Heimweg schicken sollen oder ob sie sie lieber abholen wollen", erklärte Rektor Dieter Frohnhofen. Am Buswartehäuschen an der Schule hatte "Friederike" schon die Dachpappe vom Unterstand geweht. Vorsicht war also angesagt für den Rückweg der Schüler. Bäume stürzten um im Stadtzentrum, wo für die Feuerwehr ebenso ein Schwerpunkt lag wie in Ratheim, in Millich flogen gelbe Tonnen. In sozialen Netzwerken vergaßen Hückelhovener die Helfer nicht: "Jetzt schon mal ein riesen Dankeschön an alle Rettungskräfte (Feuerwehr, THW, Rettungsdienst), die überall für Sicherheit und Schutz sorgen !"

Wegberg Umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer, herumfliegende Dachziegel und blockierte Fahrbahnen: 75 Feuerwehrleute arbeiteten unter der Einsatzleitung von Dirk Esser zwischen der ersten Meldung um 10.18 Uhr und dem Einsatzende gegen 17.30 Uhr insgesamt 81 Einsätze ab. Auch zahlreiche Mitarbeiter des städtischen Bauhofs waren den gesamten Tag über unterwegs. Weil Orkantief "Friederike" mehrere große Bäume umstürzen ließ, wurden alle Friedhöfe im Stadtgebiet und der Stadtpark gesperrt. "Das Betreten ist verboten und äußerst gefährlich", warnt Frank Heinen, Sprecher der Feuerwehr. Die Friedhöfe und der Stadtpark bleiben bis mindestens zu Beginn der nächsten Woche gesperrt, weil zunächst die Standfestigkeit der Bäume geprüft werden muss. "Der Einsatzschwerpunkt lag in Wildenrath, Arsbeck, Dalheim und in der Wegberger Innenstadt", berichtet Frank Heinen. Bei der Firma Heinen an der Fußbachstraße sperrten Mitarbeiter des Bauhofs einen Teil des Bürgersteigs, nachdem dort Ziegel vom Dach heruntergefallen waren.

Erkelenz Rund 40 Einsätze ergaben sich gestern für die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Erkelenz. Von 10.19 Uhr an waren rund 50 Wehrleute im ganzen Stadtgebiet verteilt unterwegs. Das größte Szenario fanden sie in Berverath vor: Dort waren gleich vier Bäume auf ein Haus gestürzt. "Wir mussten die Bauaufsicht der Stadt Erkelenz hinzuziehen, da das betroffene Gebäude große Beschädigungen aufwies", sagte Wehrleiter Helmut van der Beek, der im Erkelenzer Feuerwehrgerätehaus eine Einsatzführungsstelle einrichten ließ, um von dort aus die Einsätze zu koordinieren. Spektakulär war auch der Einsatz in Genehen, wo sich ein Dachstuhl löste, den die Wehrleute mit Sandsäcken beschwerten. Helmut van der Beek: "Ansonsten ist zu sagen, dass wir glücklicherweise keine Verletzten bei den Einsätzen vorfanden." In der Hauptsache war die Feuerwehr damit beschäftigt, entwurzelte Bäume wegzuräumen, dabei war auch das Technische Hilfswerk vor Ort.

Sturm "Friederike": So stark hat der Orkan die Region erwischt

Wassenberg Auch in Wassenberg hielten rund 30 Einsätze die Feuerwehreinheiten, die alle unterwegs waren, von 10 bis 16 Uhr in Atem. Rund 50 Wehrleute waren aktiv, um im gesamten Stadtgebiet vornehmlich umgekippte Bäume und Astwerk auf den Straßen zu beseitigen, unterstützt von Mitarbeitern des Bauhofs. Wie Wehrleiter Holger Röthling berichtete, hatte sich an der Jülicher Straße das Holzdach eines größeren Schuppens gelöst, die Verschalungsteile beschädigten ein Nachbarhaus. An der Mückenstraße in Effeld beschädigte ein umgekippter Baum das Dach eines Wohnhauses. Die Straße Entenpfuhl am Waldrand zwischen der Oberstadt und Birgelen musste die Wehr in Abstimmung mit dem Ordnungsamt aus Sicherheitsgründen ganz sperren, um Fahrzeuge und Passanten vor sich lösendem Astwerk zu schützen. Schulen der Stadt hatten es - wie andernorts auch - den Eltern freigestellt, ihre Kinder gegebenenfalls zu Hause zu behalten. Wovon, wie stellvertretender Schulleiter Helmut Frohn von der Betty-Reis-Gesamtschule erläuterte, einige Familien auch Gebrauch gemacht hätten. Ähnliches war in der Gemeinschaftsgrundschule Am Burgberg von Schulleiterin Jutta Mauczok zu erfahren. In beiden Schulen wurde allerdings aus Sicherheitsgründen die Nutzung des Schulhofs in den Pausen untersagt.

In Übach-Palenberg wurde gegen 11 Uhr durch die starken Böen ein kompletter Sattelzug umgeweht. Zuvor befuhr der 62-jährige Fahrer aus Jülich die Landstraße 164 aus Richtung Geilenkirchen kommend in Richtung Übach-Palenberg. Von einer Böe erfasst, kippte der Lkw um und blieb auf der Fahrbahn liegen. Der Lkw-Fahrer wurde dabei leicht verletzt, berichtet die Polizei. Das Gespann blockierte die gesamte Fahrbahn, so musste die Landstraße zwischen der B 56 und der Stadt Übach-Palenberg komplett gesperrt werden. Ein Kranwagen konnte den Sattelzug wieder auf seine Räder stellen und die Straße gegen 14 Uhr wieder freigegeben werden.

(RP)
Mehr von RP ONLINE