ÖPNV in Geilenkirchen: Ab 2022 fährt hier ein selbstfahrender Bus

ÖPNV ohne Fahrer : Ab 2022 fährt ein selbstfahrender Bus in Geilenkirchen

Ein autonomer Bus soll schon im kommenden Jahr in Geilenkirchen fahren – allerdings noch mit Fahrer, um Daten zu sammeln. 2022 könnte der Bus dann ohne menschliche Steuerung fahren.

Die WestVerkehr GmbH, die mit ihren Bussen den ÖPNV im Kreis Heinsberg betreibt, wird zu einem Pionier auf dem Gebiet des autonomen Fahrens bei der Personenbeförderung. In nicht allzu ferner Zukunft will der Verkehrsbetrieb elektronische Kleinbusse einsetzen, die ohne Fahrer auskommen und ihre Passagiere problemlos von einem Ort zum anderen bringen. Zunächst ist dafür die GK 1, die Stadtbuslinie in Geilenkirchen vorgesehen. Nachdem Erkelenz als Ort für den ersten elektrisch betriebenen Stadtbus ausgewählt wurde, wird am Hauptsitz der West in Geilenkirchen die Testphase für das autonome Fahren eingeläutet.

Die vertraglichen Voraussetzungen dafür wurden am Mittwoch geschaffen. Die WestVerkehr ging mit der eGo Mobile AG in Aachen eine Innovationspartnerschaft ein. „Damit starten wir in ein neues, spannendes Projekt, das seinen ersten Höhepunkt schon 2022 haben soll, wenn wir nach den jetzigen Planungen den hochmodernen Stadtbus in Betrieb nehmen könnten“, meinte West-Geschäftsführer Udo Winkens nach der Vertragsunterzeichnung. Im Schatten des eGo Mover, wie der selbstfahrende Kleinbus genannt wird, informierte Matthias Kreimeier für den Hersteller von Elektrofahrzeugen aus Aachen auf dem Markt in Geilenkirchen über den Bus und das Projekt.

Bereits Anfang 2020 soll dieser Stromer, der 15 Passagiere transportieren kann, in Geilenkirchen zum Einsatz kommen. „Allerdings nur zu Testzwecken und längst noch nicht in der Form, die uns für die Zukunft vorschwebt“, meinte Kreimeier. Die eigentliche Linie GK 1 wird auch weiterhin in der hinlänglich bekannten Form von der West betrieben.

Zunächst kommt beim ambitionierten Projekt ein Vorserienmodell des eGo Movers zum Einsatz. Er wird auf den Strecken der Linie GK 1 kurven und dabei Informationen aufsaugen; über die Streckenführung ebenso wie über die Ampeln, die Kreuzungen, Kreisverkehre und Einmündungen, die Fahrbahnbeschaffenheit, das Verkehrsaufkommen oder das Wetter. Alle Informationen, die das System über Sensoren aufnimmt, werden gespeichert und verarbeitet, sodass der Bus selbstlernend immer besser mit der Umgebung und der Linie vertraut wird. „Mit jeder Tour wird das Bordsystem schlauer und die Fahrt mit dem Bus sicherer“, sagte Kreimeier. Allerdings kann der eingesetzte Bus mit seinem System nur diese eine Strecke und ihre Besonderheiten speichern und verwenden. Wenn er von der Strecke abweicht oder die Streckenführung geändert wird, hat er ein Problem. Dann muss er erst wieder neue Daten und Fakten aufsaugen.

Der eGo Mover ist schon für den Straßenverkehr zugelassen. „Wie ein ganz normales Auto“, sagt Kreimeier. Selbstverständlich werde der verkehrstaugliche Kleinbus von einem Fahrer geführt. Der Fahrer werde auch noch an Bord sein, wenn er demnächst eigentlich nicht mehr erforderlich ist. „Allein schon aus dem Servicegedanken“, wie Winkens betont. Er ist von der Idee und dem Projekt ebenso begeistert wie der Hersteller, der schon Mitte 2020 mit der Serienproduktion des eGo Movers beginnen und jährlich 15.000 Stück davon absetzen möchte.

Nach der Phase mit den Vorserienmodellen sollen auch die Serienfahrzeuge in Geilenkirchen beim Praxistest zum Einsatz kommen, wobei die Kosten nicht unerherblich sind. Pro Jahr rechnet Kreimeier pro Bus zunächst mit rund 150.000 Euro. Die Verkehrsgesellschaft will diese Kosten nicht alleine schultern. Sowohl für die Testphase als auch für die spätere Anschaffung eines oder mehrerer eGo Mover hat das Unternehmen Förderanträge beim Land gestellt. „Mit autonomen Fahrzeugen lassen sich die heutigen Betriebsabläufe im Busverkehr deutlich verbessern“, meint Winkens.

Die Idealvorstellung: Der Bus hält zur gewünschten Abfahrtszeit vor der Haustür. Der Fahrgast wird zum Bahnhof gebracht, dort steigt er in den Zug, um am Endpunkt zu seinem Arbeitsplatz gebracht zu werden. Alles automatisch, alles ohne Zeitverlust. Der erste kleine Schritt auf dem Weg in diese Zukunft wird jetzt bei der West in Geilenkirchen gemacht.

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