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Öko-Landwirtschaft im Kreis Heinsberg: „Bauer to the people“

Öko-Landwirtschaft im Kreis Heinsberg : „Bauer to the people“ lautet die Devise

Bio-Bauer Andre Tholen zeigt auf dem Kollweider Hof in Breberen, wie ökologischer Landbau funktioniert. Er ist damit allerdings einer der ganz wenigen im Kreis Heinsberg.

Der Kollweider Hof gehört zu den wenigen Betrieben im Kreis Heinsberg, die ökologischen Landbau betreiben. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums lag der Anteil der entsprechend genutzten landwirtschaftlichen Fläche Ende 2020 bei nur knapp zwei Prozent, in ganz NRW sind es etwa sieben Prozent. Aktuellere Zahlen gibt es derzeit noch nicht. Dass Innovationen im Öko-Landbau in erster Linie nicht unbedingt etwas mit technischem Fortschritt zu tun haben, sondern mit kreativen Konzepten, wollte die Landesvereinigung Ökologischer Landbau (LVÖ) demonstrieren, indem sie NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) zu einem Betriebsbesuch einlud.

Landwirt Andre Tholen betreibt den Kollweider Hof mit rund 65 Hektar Fläche in dritter Generation. Vor knapp zehn Jahren hat er ihn von seinen Eltern übernommen und sich bald darauf dafür entschieden, dass mehr nicht immer auch mehr bedeutet. Seine klassische Milchviehherde hat er durch 80 Jersey-Kühe ersetzt, Tiere mit eher kompakter Statur. „Die Kühe geben eine ganz besondere Milch, die sich in der molekularen Zusammensetzung von der der üblichen Milchviehkühe unterscheidet“, sagte der 36-jährige im Beisein der Ministerin. Leicht verdaulich sei sie, sogar für Menschen mit Laktoseintoleranz.

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80 Prozent seiner Milch vermarktet er mit steigender Tendenz selbst, indem er sie in der hofeigenen Käserei weiterverarbeitet: Schnittkäse, Brie und seit dem vergangenen Jahr auch Mozzarella stellt er in Handarbeit her. Gerade die Produktion des italienischen Weichkäses hat ihn zuletzt vor ungeahnte Herausforderung gestellt: „Das Rezept liest sich einfach, aber wenn du ihn herstellst, ist das die Hölle“, sagt Andre Tholen lachend.

Tholen kooperiert mit einer niederländischen Molkereigenossenschaft für Biomilch, die keine Einwände dagegen hat, dass er seine Milch auch selbst verkauft. Deutsche Molkereien handhaben dies nach Ansicht der LVÖ anders. Auch beim Vertrieb geht der Bio-Bauer eigene Wege: Seinen Käse vermarktet er zwar auch über den Bio-Großhandel, ein wichtiges Standbein sind für ihn aber die sogenannten „Marktschwärmer“ im Rheinland geworden. Dabei handelt es sich um eine Art digitalen Bauernmarkt, der es Endverbrauchern ermöglicht, Lebensmittel regional einzukaufen. Kunden bestellen und bezahlen online. Die Bestellung lege im Durchschnitt nicht mehr als 40 Kilometer zurück, so die Betreiber, und kann einmal pro Woche auf einem Regionalmarkt direkt beim Erzeuger abgeholt werden. Die Devise lautet: „Bauer to the people.“

Kreativität macht oft den Unterschied, hat der dreifache Familienvater festgestellt. Sein neuestes Projekt: Im Herbst vergangenen Jahres startete er den Bau einer Heutrocknungsanlage, um demnächst Heumilch anzubieten. Mit einer befreundeten Hofmolkerei erarbeitet er dazu gerade ein Produkt- und Vertriebskonzept. „Unsere Öko-Betriebe sind es gewohnt, neue Wege zu gehen“, sagte der stellvertretende LVÖ-Vorsitzende Peter Schmidt. „Wir freuen uns in allen Verbänden, dass viele innovative Köpfe den Öko-Landbau voranbringen.

Wie Ministerin Heinen-Esser bei ihrem Besuch berichtete, sei dieser  schon im September 2021 anlässlich der Öko-Landwochen geplant gewesen und werde nun „in kleinerem Format“ nachgeholt. „Für uns als Land NRW ist der Öko-Landbau ein zentrales Element in der Landwirtschaftspolitik“, sagt sie. Zwar sei NRW noch nicht so weit wie Bayern, so Heinen-Esser, doch würden aktuell drei weitere Öko-Modellregionen im Rahmen eines Wettbewerbs gesucht. Das Land trägt bis zu 80 Prozent der Kosten zur Umsetzung der eingereichten Konzepte für ein Öko-Regionalmanagement über eine Laufzeit von zunächst bis zu drei Jahren und maximal 80.000 Euro pro Region und Jahr. „Unser Ziel ist, jedes Jahr stetig neue Regionen hinzu zu gewinnen“, sagte die Ministerin. Viele Landwirte seien umstellungswillig, allerdings beanspruche dieser Prozess eine gewisse Zeit.

Weitere Infos zum Kollweider: Hof: www.kollweider-hof.de