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Notdienstpraxen im Kreis Heinsberg: Ratsleute kontern Kritik von Stephan Pusch

Notdienstpraxis-Schließung im Kreis Heinsberg : Ratsleute kontern Kritik von Landrat Pusch

Die Schließung der Notdienstpraxis Geilenkirchen sorgt weiterhin für Diskussionen. Nachdem Stephan Pusch einen offenen Brief an ihn kritisiert hatte, kontern nun Ratsleute aus dem Südkreis.

Die Schließung der Geilenkirchener Notdienstpraxis, einer von drei im Kreis Heinsberg, schlägt in der Politik weiterhin hohe Wellen. Nachdem alle neun Ratsfraktionen der Städte Geilenkirchen und Übach-Palenberg Landrat Stephan Pusch in einem offenen Brief für seine Kommunikation kritisiert hatten und seinen Einsatz für einen Erhalt der Praxis forderten, Kostenpflichtiger Inhalt hatte der Landrat mit kräftiger Gegenkritik geantwortet. Der Brief sei in seiner Wortwahl „unterirdisch“ und „fast schon frech“ gewesen, hatte Pusch unserer Redaktion gesagt. Dies wiederum wollen die Ratsleute nicht auf sich sitzen lassen.

„Dass der Landrat die Fakten so zur Seite wischt, finde ich schon erstaunlich“, sagte Jürgen Benden, Fraktionschef der Geilenkirchener Grünen. „Unsere Zahlen haben Hand und Fuß.“ Benden bezieht sich auf interne Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung, die auch unserer Redaktion vorliegen, nach denen die Geilenkirchener Praxis im Verhältnis zum Einzugsgebiet noch am wirtschaftlichsten war. „Warum ausgerechnet diese Praxis nun schließen muss, will der Landrat nicht erklären“, sagte Benden. „Die Leidtragenden dieser Entscheidung sind die Alten und Schwachen.“ Eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Praxis habe bereits mehr als 2000 Unterstützer.

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Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein hatte Ende September überraschend bekanntgegeben, die Praxis in Geilenkirchen ab Oktober zu schließen. Grund dafür sind die Finanzen: Notdienstpraxen öffnen außerhalb der regulären Hausarztzeiten, für Vertretungen müssen die niedergelassenen Ärzte im Kreis aufkommen. Weil zu wenig Menschen in die Praxen in Erkelenz, Heinsberg und Geilenkirchen kommen, ist dieses Modell stark defizitär, die Ärzte zahlen einen vierstelligen Betrag pro Jahr aus eigener Tasche.

Die Kreisverwaltung und Landrat Pusch haben auf diese Entscheidung keinen direkten Einfluss. Dem Kreistag war es aber 2015 gelungen, eine Schließung der Praxen Erkelenz und Geilenkirchen durch großen politischen Druck zu verhindern. Dies ließe sich aber nicht wiederholen, hatte Pusch gesagt – die Argumente der KV würden überwiegen.

Wenig Verständnis für diese Sichtweise hat Alf-Ingo Pickartz, SPD-Sprecher in Übach-Palenberg: „Das ganze Gesundheitswesen wird immer stärker darauf ausgerichtet, wirtschaftlich zu sein. Aber in erster Linie ist es doch dazu da, die medizinische Grundversorgung zu sichern.“ Pickartz glaubt, eine Schließung der Praxis führe dazu, dass die überlastete Notaufnahme des Krankenhauses noch mehr Arbeit bekommt: „Ich glaube nicht, dass die Leute tief aus dem Südkreis in die Erkelenzer Praxis fahren werden.“

(cpas)