Neuer Standort für das Frauenhaus Kreis Heinsberg

Neues Frauenhaus : Den Gewaltkreislauf unterbrechen

Das Frauenhaus in Trägerschaft des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer, Region Heinsberg, hat einen neuen Standort gefunden. Doch nach wie vor zeigt sich, dass es viel zu wenig der schützenden Frauenhäuser gibt.

In der Küche wird gerade gekocht. Ein Topf steht auf dem Herd. Bald ist das Mittagessen fertig. An anderer Stelle im Haus wird das Bad gereinigt. Und ein paar Räume weiter sitzt das Team zusammen, um in einer gemeinsamen Besprechung die aktuellen Themen zu diskutieren.

Es sind Szenen wie diese, die sich im Frauenhaus für den Kreis Heinsberg abspielen. Das Haus in Trägerschaft des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM), Region Heinsberg, ist umgezogen. Irgendwo im Kreis Heinsberg hat der SKFM eine geeignete Immobilie gefunden – zum Schutz von Frauen, die Gewalt in vielfältiger Form erlebt haben. Um den Frauen den Schutz auch gewährleisten zu können, soll der genaue Standort des Hauses nicht in die Öffentlichkeit getragen werden.

In einem kleinen Rahmen hat der SKFM eine offizielle Eröffnung des Frauenhauses gefeiert. „Werner Jackels, der Vorstandsvorsitzende des SKFM, brachte dabei die Tatsache zur Sprache, dass es in Deutschland viel zu wenig Frauenhäuser gibt“, sagt Silvia Lenzen, die das Frauenhaus leitet. In ihrer täglichen Arbeit wird ihr das immer wieder bewusst. „Wir können acht Frauen einen Platz bieten, dazu kommt noch der Platz für acht bis zwölf Kinder.“ Dann, so sagt Silvia Lenzen, sei der Platz voll ausgeschöpft.

Und komplett besetzt sind die Plätze ohnehin so gut wie immer. Anders ausgedrückt: Wenn eine Frau ihr Zimmer räumt, zieht meist noch am selben Tag die nächste Hilfesuchende ein. Eines haben die Frauen gemeinsam: Sie haben Gewalt unterschiedlicher Natur erfahren: psychisch und physisch. „Die Frauen kommen aus allen sozialen Schichten und sämtlichen Herkunftsländern. In den meisten Fällen haben sie keine Freunde, die helfen könnten, und auch kein Geld. Man kann es auch so auf den Punkt bringen: Die Frau, die zu uns kommt, mit oder auch ohne Kinder, ist ganz unten angekommen.“ Silvia Lenzen, die Sozialarbeiterin, muss dies so drastisch aussprechen. Und: „Das Frauenhaus kann nur eine Notunterkunft ein. Es muss das Ziel sein, dass die Frau rasch Unterstützung dabei erfährt, sich ein eigenes Leben in einer eigenen Wohnung aufzubauen“, sagt Silvia Lenzen. Dass die durchschnittliche Verweildauer dennoch rund sechs Monate beträgt, hat für die Leiterin des Frauenhauses einen ganz simplen Grund – es fehlt an Wohnungen, die bezahlbar sind. Vielfach sind es auch Vorurteile, die potenzielle Vermieter nennen, um eben diesen Frauen keinen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Der Alltag im Frauenhaus gestaltet sich manchmal schwierig. „Unterschiedliche Auffassungen bezüglich Ordnung, Sauberkeit, Erziehung und so weiter bieten immer wieder Zündstoff für Streitigkeiten. Klar, das hier ist eine Notgemeinschaft. Mit der Hilfe des Teams werden die Konflikte gelöst“, erzählt Silvia Lenzen. Übrigens: Wenn die Frauen ins Frauenhaus kommen, ergeben sich für sie gewisse Pflichten. Unter anderem sind sie selbst dafür verantwortlich, dass das Haus geputzt wird, auch ihre Mahlzeiten müssen sie selbst zubereiten.

Doch nicht nur die Frauen, auch die Kinder müssen betreut werden. Silvia Lenzen: „Sie sind oft verhaltensauffällig, traumatisiert. Auch mit ihnen arbeiten wir. Unterm Strich ist es wichtig, dass für Frauen und Kinder der Gewaltkreislauf unterbrochen wird. Darum werden sie nach ihrem Auszug nachbetreut.“

Mehr von RP ONLINE