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Lernprojekt in Erkelenz läuft an: Nichtschwimmer werden zum Problem

Lernprojekt in Erkelenz läuft wieder an : Nichtschwimmer werden zum Problem

Immer mehr Kinder bleiben Nichtschwimmer. Durch die Corona-Pandemie wurde dieses Problem verstärkt. Das Schwimmlernprojekt des Heinsberger Kreises soll dem entgegenwirken.

Schwimmen – das kann doch jedes Kind. Das galt einmal. Das Seepferdchen ist die erste große Prüfung für Vor- und Grundschulkinder. Denn das kleine orangene Abzeichen, welches es zur Belohnung gibt und das viele Kinder voller Stolz auf Badehose und Badeanzug tragen, rettet Leben. Zwar stuft die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) einen Menschen erst ab dem Bronze-Schwimmabzeichen als einen sicheren Schwimmer ein, das Seepferdchen gilt dennoch als erster großer Schritt auf dem Weg dorthin.

In Deutschland lernen jedoch immer weniger Kinder Schwimmen. Mit dem Schwimmprojekt „Mathe schützt nicht vor Ertrinken!“ will das Regionale Bildungsbüro des Kreis Heinsberg zusammen mit dem Kreissportbund Heinsberg dem entgegenwirken. Doch durch die Corona-Krise gab es einen erneuten Rückschlag. Während Schulen und Badeeinrichtungen geschlossen waren, hatten Vor- und Grundschulkinder weniger Möglichkeiten, Schwimmen zu lernen und auch die Intensivschwimmkurse des Kreissportbundes mussten aussetzen.

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Aus diesem Grund waren alle Beteiligten froh, das Schwimmprojekt „Mathe schützt nicht vor Ertrinken!“ in diesem Herbst endlich wieder anbieten zu können. In Erkelenz wird der zweiwöchige Intensivkurs von der Stadt Erkelenz, der ortsansässigen DLRG und dem Turnverein Erkelenz (ETV) rund um die Herbstferien im Erka-Bad angeboten. Der erste Teil des Kurses fand bereits in der Woche vom 4. bis 7. Oktober statt, die zweite Trainingshälfte ist für die Woche vom 25. bis 29. Oktober geplant.

Das Angebot richtet sich an alle Drittklässler der Grundschulen im Stadtgebiet. An vier Tagen in der Woche, Mittwoch ist Ruhetag, lernen die Mädchen und Jungen Schwimmen und können je nach Können und Vorerfahrung das Seepferdchen oder auch das Bronze-Abzeichen machen. Aber auch wer kein Abzeichen bekommt, kann von dem Projekt profitieren, denn in jedem Fall gewöhnen sich die Kinder an das Wasser, verlieren Ängste und erkennen ihre Fähigkeiten.

Landrat Stephan Pusch besuchte Anfang Oktober das Schwimmbad in Übach-Palenberg, in dem das Schwimmprojekt ebenfalls stattfand und dankte den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. „Ich glaube, das ist eine ganz wichtige Geschichte. Gerade in den letzten anderthalb Jahren ist das Thema viel zu kurz gekommen“, so Pusch. Außerdem rief er dazu auf, dass sich noch weitere Freiwillige melden, um das Projekt zu unterstützen. In Erkelenz haben sich Mitglieder der DLRG, ehrenamtliche Übungsleiter des ETV und weitere Freiwillige, darunter auch Eltern und Lehrkräfte, gemeldet, um den rund 320 Schülerinnen und Schülern Schwimmen beizubringen.

Dass in Deutschland immer weniger Kinder Schwimmen lernen, ist kein neues Phänomen. Schuld seien oft marode und geschlossene Schwimmbäder. Fast 25 Prozent der Grundschulen in Deutschland haben keinen Zugang zu einem Schwimmbad und können aus diesem Grund keinen Schwimmunterricht anbieten, erklärt Achim Haag, Präsident der DLRG. „Mehr als jeder zweite Grundschulabsolvent ist kein sicherer Schwimmer mehr“, ergänzt er. Das hat Folgen: 2019 zählte die DLRG unter den insgesamt 417 Badetoten 25 Kinder im Vor- und Grundschulalter, 2020 waren 23 der insgesamt 378 Ertrunkenen in diesem Alter.

Die Corona-Pandemie hat die Gefahr, dass Kinder nicht Schwimmen lernen, noch weiter erhöht. Normalerweise haben Kinder in der dritten Jahrgangsstufe Schwimmunterricht in der Schule. Durch den Lockdown und die damit verbundenen Schul- und Schwimmbadschließungen wurde im Schuljahr 2019/2020 und 2020/2021 fast kein Schwimmunterricht angeboten, weder in der Schule noch in Vereinen. Im Homeschooling können Kinder eben auch nicht alles lernen.

Die Stadt Erkelenz, die sich 2015 als Modelkommune erstmals an dem Projekt „Mathe schützt nicht vor Ertrinken!“ beteiligte, ist zufrieden mit den bisherigen Erfolgen. In den vergangenen Jahren sei die Nichtschwimmerquote bereits gesunken – doch dann kam Corona.

In einer früheren Version des Artikels wurde fälschlicher Weise geschrieben, dass das Projekt „Mathe schützt nicht vor Ertrinken!“ vom Kreissportbund Heinsberg entwickelt wurde. Tatsächlich ist allerdings das Regionale Bildungsbüro des Kreises Heinsberg für das Projekt verantwortlich. Von Beginn an arbeiten das Regionale Bildungsbüro und der Kreissportbund jedoch eng zusammen.