Landwirte protestieren in Hückelhoven für den Rübenanbau

Wichtig für Natur und das Erkelenzer Land : Den Anbau von Zuckerrüben schützen

Landwirte aus dem Erkelenzer Land erklären, weshalb sich die Rübenbauern im Rheinland sorgen und was sie von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner erwarten. Sie sehen ein Ungleichgewicht in der EU.

Mehr als 200 Rübenbauern aus dem Rheinland hatten sich in Hückelhoven versammelt. Sie wollten in Hilfarth ihren jährlichen Rübentag abhalten, auf dem aktuelle Entwicklungen angesprochen und Probleme besprochen werden – in diesem Jahr wiegen diese aber so schwer, dass die Landwirte zuvor in gelben Westen auf die Straße gingen, um zu protestieren. Öffentlich machten sie, dass sie sich in der EU ungleich behandelt fühlen, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sich für sie in Brüssel stärker einsetzen muss und dass die Zuckerrübe für die Natur eine wichtige Funktion einnimmt.

Die Preise für Zuckerrüben sind stark gefallen. Diese Situation betrifft in Europa aber nicht alle Staaten gleichermaßen, hatte Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg und Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands, jüngst gegenüber unserer Redaktion erklärt. Es gebe einige Staaten, die den Rübenanbau nach dem Wegfall des Quotensystems wieder aus dem Brüsseler Budget unterstützten. Außerdem verzerre der unterschiedliche Umgang mit Neonikotinoiden den Wettbewerb. Nach dem Brüsseler Verbot dieser Gruppe von Insektiziden seien zwölf von 17 Staaten dazu übergegangen, diese über Notfallzulassungen wieder zu erlauben.

Preis, Subvention und Pflanzenschutz – diese Themen bereiten den Rübenbauern im Erkelenzer Land Sorgen. Hubert Fell, Stefan Grates und Meinhard Schnothale berichteten darüber in einem Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir wollen gar keine Subventionen, aber Gleichheit in der EU“, sagte Fell. Dadurch kämen der Wettbewerb und damit die Preise wieder ins Gleichgewicht, was wiederum dem Zuckerrübenanbau im Rheinland eine Zukunft gebe. Er rechnete vor: „2017, als wir die aktuell gültigen Dreijahresverträge mit den Zuckerrübenfabriken geschlossen haben, erhielten wir rund 30 Euro pro Tonne Zuckerrüben. Inzwischen kommen, aufgrund der Weltmarktpreisentwicklung, bei uns aber nur noch unter 25 Euro an. Erschwerend kommt hinzu, dass der Ertrag durch das trockene Jahr 2018 zurückgegangen ist, sodass uns etwa 1000 Euro pro Hektar fehlen. Rumänien schießt beispielsweise 600 Euro je Hektar zu.“

Das müsse gestoppt werden, forderte Grates. Er ist Lohnunternehmer und habe von seinen Kunden bereits gehört, dass „ab 2020, wenn die neuen Verträge mit den Zuckerfabriken geschlossen werden, die Landwirte bei uns 30 bis 50 Prozent weniger Zuckerrüben anbauen wollen“. Einige Kollegen seien bereits ausgestiegen, ergänzte Schnothale: „Die Landwirte sind in großer Sorge.“ Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner müsse ihre Anliegen in Brüssel stärker vertreten, waren sich die Landwirte einig. Viel Applaus erhielt deshalb Bernhard Conzen, als er bei der Kundgebung sagte: „Donnerstag habe ich mit Julia Klöckner ein Gespräch in Berlin. Ich hoffe, Ihnen danach über einen Lichtblick berichten zu können.“

Öffentlich machen wollten die Landwirte mit ihrem Protest aber auch, wie wichtig die Zuckerrübe für das Klima ist. „Ein Hektar Rübe produziert so viel Sauerstoff wie etwa sieben Hektar Wald“, berichtete Fell, „zudem hat sie durch ihre späte Ernte eine weitere positive Bilanz für die Umwelt, da sie dadurch mehr Stickstoff aufnimmt und verarbeitet.“ Den Anbau solch wichtiger Pflanzen gilt es zu schützen, um das Klima zu schützen. Diesen Gedanken verfolgte auch Meinhard Schnothale, als er auf den trockenen Sommer 2018 zurückblickte: „Früher hatten wir 80 bis 100 Tonnen Rübenertrag, 2018 aber nur 50 Tonnen.“ Sehe er die aktuell hohen Temperaturen im Februar, „lässt das Schlimmes befürchten“.

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