Kreis Heinsberg: Wohnungsmarktstudie zeigt Gutes und Schwachstellen

Studie für den Kreis Heinsberg : Wohnungsmarkt im Blickpunkt

Wohnungsmarktstudie für den Kreis Heinsberg zeigt: Menschen sind mit Wohnsituation zufrieden, doch fehlen zunehmend kleine Wohnungen, muss sich der Markt noch stärker auf den demografischen Wandel einstellen.

Grundsätzlich sind die Bürger im Kreis Heinsberg mit ihrer Wohnungssituation zufrieden. Dieses Ergebnis hielt Gutachter Torsten Bölting fest, der eine Wohnungsmarktanalyse für den Kreis Heinsberg erarbeitet hat und seine Erkenntnisse im Kreistag präsentierte. Es gibt danach aber auch eine zunehmende Anspannung des Wohnungsmarktes, vor allem bei kleineren Mietwohnungen.

2017 war Böltings Gesellschaft vom Kreistag mit der Untersuchung beauftragt worden. In den Folgemonaten erforschte er neben einer Grundlagenanalyse mit Bewohnerbefragung, wie es mit dem Wohnungsmarkt im Kreisgebiet bestellt ist. Außerdem wurden die Erkenntnisse in drei Workshops diskutiert und vertieft.

„Die Studie und die Ergebnisse sollen die Kommunen und den Kreis Heinsberg bei der Wohnungspolitik unterstützen“, sagte Bölting. Die Studie biete einen Orientierungsrahmen für die Kommunen, sie sei ein Angebot und dürfe nicht als Steuerungsfunktion durch die Kreisverwaltung angesehen werden.

Interessant war für die Zuhörer, dass die Studie von einer Trendumkehr vom Bevölkerungsrückgang zu einem Bevölkerungswachstum ausgeht. Die Einwohnerzahl im Kreis Heinsberg könne demnach steigen. „Das liegt vor allem an den Wanderungsbewegungen“, sagte Bölting. Die Zuzüge aus dem Umland, insbesondere der Städteregion Aachen, seien größer als die Fortzüge in Großstädte. Mehr als die Hälfe der in der Studie Befragten, die umziehen möchten, suchen eine Wohnung innerhalb des eigenen Stadtteils, 17 Prozent würden gerne in ihrer Stadt bleiben, zehn Prozent im Kreisgebiet.

Zugleich gebe es eine zunehmende Anspannung des Wohnungsmarktes, berichtete Bölting. Vor allem bei kleineren Mietwohnungen bestünden Engpässe. Moderne Qualität und Seniorengerechtigkeit gewinnen nach seinen Worten an Bedeutung. „Die Wohneigentumsbildung ist momentan im Kreis Heinsberg sehr attraktiv“, sagte Bölting in Bezug auf Neubauten. In erster Linie würden Eigenheime gebaut, der Bau von Mehrfamilienhäusern, nach denen nach der Prognose ein Mehrbedarf bestehe, würde, mit Ausnahme von Erkelenz und Wassenberg, vernachlässigt. 91 Prozent der Befragten sind mit ihrer Wohnsituation, 94 Prozent mit ihrer Wohnung völlig zufrieden oder zufrieden.

Dieses Fazit ist allerdings kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Für die Zukunft sei ein „qualitätsvoller Wohnungsneubau“ für verschiedene Zielgruppen, wie junge Familien, Alleinstehende oder Senioren, erforderlich. Die Aufgaben der Zukunft beim Wohnungsbau sollten in Bündnissen mit mehreren Akteuren angegangen werden, sein Ratschlag. Wohlfahrtspflege, Banken, Genossenschaften sollten sich zusammenschließen.

Neben den Neubauten müsse der Bestand gesichert und verbessert werden, so die zweite Aufgabe, weil durch Neubauten allein der qualitative Bedarf am Wohnungsmarkt nicht gedeckt werden könne. Zur Qualität gehört für Bölting die Verbesserung des Umweltschutzes, der barrierefreie Umbau und die Gestaltung des Wohnumfelds. Aber auch die Infrastruktur spiele eine Rolle. Immerhin bewerten nach der Studie die Bewohner des Kreisgebietes die Freizeitangebote, die Einkaufsmöglichkeiten und die verkehrlichen Anbindungen negativ. „Die Sicherung der Infrastrukturen im ländlichen Raum sind insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen von großer Bedeutung“, sagte Bölting. So monierten etwa Befragte in Wegberg und Erkelenz vor allem das Aussterben kleinerer Geschäfte und Leerstände, in Heinsberg würde die Parkplatzsituation bemängelt.

„Der Kreis Heinsberg muss sich als Wohnungsstandort nicht verstecken“, sagte Bölting. Die gute Ausgangslage könnte auch für Unternehmen interessant werden, die sich in der Region ansiedeln wollten.

Die Kreistagsmitglieder werden jetzt in den Fraktionen über den Vortrag beraten.