Kreis Heinsberg: Vollversammlung der Handwerkskammer Aachen

Kammerpräsident Dieter Philipp berichtet : Handwerk freut Rückkehr zur Meisterpflicht

Dieter Philipp, Präsident der regionalen Handwerkskammer, sieht fachliche Qualität gesichert. Die Regelung gilt für zwölf Gewerke.

Die Meisterpflicht ist ein Thema, das den Präsidenten der Handwerkskammer Aachen sehr beschäftigt und das großen Raum in der Vollversammlungsrede von Dieter Philipp einnahm. Die Meisterpflicht kehrt voraussichtlich 2020 in zwölf der 53 Gewerke zurück, die 2004 mit der Handwerksnovelle diesen Status verloren haben. „Wir könnten gegenüber der Politik ätzen und sagen: Wir haben Euch immer gesagt, dass der Wegfall der Meisterpflicht volkswirtschaftlichen und qualifikatorischen Schaden anrichtet.“ Aber das sei Vergangenheit, sagte Philipp. Es bestehe ohne Zweifel Anlass zur Freude, dass sich das Bekenntnis zur fachlichen Qualität und zur Nachwuchssicherung im Handwerk durchgesetzt habe.

Aber, so Philipp laut einer Pressemitteilung weiter, Jubelgeschrei wäre fehl am Platz. Denn zunächst seien es nur zwölf Gewerke, für deren Auswahl der Schutz von Kulturgut eine Rolle gespielt habe. Damit hätten zum Beispiel die Fliesen-, Platten- und Mosaikleger oder die Orgel- und Harmoniumbauer zu tun. Denn seit 2004 stehen laut Philipp in den B1-Handwerken immer weniger Betriebe mit ausreichender Zahl von Fachleuten zur Verfügung, die das Know-how zur Restaurierung von Kulturgütern haben. Die Zahl der Weiterbildungswilligen und der Ausbildungsbetriebe sei drastisch zurückgegangen.

Wichtig ist Philipp zufolge nun die Perspektive für das Handwerk: Laut Gesetz soll nach fünf Jahren die Entwicklung in diesen Gewerken überprüft werden und sollen gegebenenfalls auch weitere Gewerke wieder zur Meisterpflicht zurückkehren. „Aber wir benötigen nicht nur in diesen Gewerken neugierige und enthusiastische junge Handwerker, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und ihre Qualitäten weiterzuentwickeln. Oder gar selbst Unternehmer zu werden“, betonte Philipp. Für die derzeit eingetragenen B1-Betriebe in den von der Novelle betroffenen Bereichen gilt laut Handwerkskammer, die auch für den Kreis Heinsberg zuständig ist, Bestandsschutz. Sie müssen nicht um ihren Fortbestand fürchten oder den Meisterbrief nachholen.

Anlass des Vortrages war die Vollversammlung der Handwerkskammer Aachen, zu deren Herbstsitzung ihre Mitglieder in Stolberg tagten. Vor der Arbeitssitzung des Gremiums berichtete deren Präsident über die Lage des Handwerks in der Wirtschaftsregion Aachen und bezog zu aktuellen politischen Themen Stellung.

Kammerpräsident Philipp berichtete dabei auch über Kooperationen mit der FH Aachen, neue Antriebstechnologien, Gebäudetechnik der Zukunft und mehr, um zu verdeutlichen, dass die Mitarbeiter in der Handwerkskammer Aachen und in ihren Bildungszentren nicht auf entsprechende Lehrpläne vom Bundesinstitut für Berufsbildung oder Gebrauchsanweisungen der Industrie warten, bevor sie wichtige Zukunftsthemen aufgreifen.

(spe)