Kreis Heinsberg: Soziale Einrichtungen und Unternehmen im bargeldlosen Austausch

2660 Stunden als Zeitspenden : Reger Austausch beim Marktplatz-Treffen

Vertreter von 30 sozialen Einrichtungen und 30 Unternehmen aus dem Kreis Heinsberg kamen beim Projekt „Gute Geschäfte“ zusammen, um bargeldlos Kompetenzen oder Zeit zu tauschen.

Die mehr als hundert Vertreter der jeweils 30 teilnehmenden sozialen Einrichtungen und Unternehmen waren durch zwei vorangegangene Workshops gut auf den ersten Marktplatz innerhalb des Projektes „Gute Geschäfte“ vorbereitet worden. Sie brachten Plakate mit Angeboten und Wünschen mit, hatten sich Schilder umgehängt oder auf Zetteln ihre Vorhaben notiert. Weitere empfohlene Verhaltenstipps sahen vor, Visitenkarten mitzunehmen, sich in kürzester Zeit in Anlehnung an die Methode des Speed-Datings vorzustellen, und bargeldlos über Kompetenzen oder Zeit zu verhandeln. Wolfgang Mainz, Schirmherr und Präsident der Industrie- und Handelskammer Aachen, eröffnete das Marktplatz-Treffen im Gebäude der Kreissparkasse in Heinsberg mit einem Gongschlag – und nach zwei Stunden waren unter anderem 71 Vereinbarungen erfolgreich getroffen worden.

„Es ist überwältigend, dass so viele dem Aufruf gefolgt sind“, erklärte Hans-Werner Klems, Sparkassen-Filialdirektor für den Südkreis, sichtlich angetan. Ein Auftrag seiner Bank sei es, die gesellschaftliche Entwicklung im Kreis Heinsberg zu fördern und zu stärken. „Es liegt nahe, dieses Projekt zu unterstützen“, bekräftigte er – es sei ein spannender Weg, der ohne finanzielle Mittel eingeschlagen wurde. Auch DRK-Kreisgeschäftsführer Lothar Terodde begrüßte die Anwesenden zur ersten Ausgabe von „Gute Geschäfte“. Eine Projektidee, die 2006 von der Bertelsmann Stiftung nach Deutschland übertragen und in mehr als 100 Kommunen bereits umgesetzt wurde. „Etwa vor zwölf Monaten haben wir mit den Vorarbeiten begonnen, und ohne die fruchtbare und teamorientierte Zusammenarbeit wäre die heutige Veranstaltung nicht möglich gewesen.“

Viele Unterstützer wie die Kreissparkasse, Storms Media oder Fotografin Kristina Shorn hatten sich im Vorfeld für das Projekt stark gemacht. Zu den Botschaftern zählen unter anderem die Bürgermeister von Heinsberg, Hückelhoven, Wegberg und Übach-Palenberg sowie Landrat Stephan Pusch, Sozialdezernentin Daniela Ritzerfeld, Brigitte Zillekens für die Unternehmerschaft und der Landtagsabgeordnete Thomas Schnelle.

Ehrenamtlich tätige Lotsen und Makler begleiteten die Gesprächsprozesse und hielten vornehmlich Vereinbarungen in Verträgen schriftlich fest. So wird etwa die psychologische Beraterin und Coach Karin Schumann für ein Schuljahr die Arbeitsgemeinschaft „Gewaltfreie Kommunikation“ für Fünft- und Sechstklässler in der Gesamtschule Heinsberg-Waldfeucht durchführen und erhält dafür eine Räumlichkeit für eigene Vorträge, Seminare und Workshops.

Ira Stormanns vom DRK und Angela Mirbach vom SFZ, die federführenden Organisatorinnen im Team, äußerten sich zum Schluss sehr zufrieden mit dem Treffen, bei dem neben 71 Vereinbarungen 620 Sachspenden und 2660 Stunden als Zeitspenden ein beeindruckendes Ergebnis waren.

Dem Treffen folgt eine Nachbesprechung der sechs Veranstalter, und es soll in zwei Jahren ein zweiter Marktplatz stattfinden, zu dem sich auch neue Teilnehmer anmelden können. In der Zeit bis dahin sollen Fotos von realisierten Veranstaltungen und von Kooperationspartnern auf die Internetseite gestellt werden.

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