Historischer Zug im Kreis Heinsberg Selfkantbahn mit Sommerprogramm

Kreis Heinsberg · Die einzig verbliebene Schmalspurbahn in NRW bietet zusätzliche Mittwochstermine an. Was es während der Sommermonate noch zu entdecken gibt.

Der historische Güterzug, gezogen von einer Lenz-Dampflok, verlässt den kleinen Bahnhof in Birgden.

Der historische Güterzug, gezogen von einer Lenz-Dampflok, verlässt den kleinen Bahnhof in Birgden.

Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Ferienzeit ist Ausflugszeit – das spürt auch die Selfkantbahn im Kreis Heinsberg. Sie zählt zu den beliebtesten Attraktionen, die der Landkreis zu bieten hat und ist darüber hinaus eine echte Rarität. Noch bis zum 9. August bietet die einzig verbliebene Schmalschurbahn in ganz Nordrhein-Westfalen zusätzlich zu den Wochenendfahrten auch Mittwochstouren an. Gefahren wird mit einem historischen Triebwagen, wie er bis zur Einstellung des Personenverkehrs auf der im Volksmund „Heggeströöper“ genannten Geilenkirchener Kreisbahn, der Hausbahn der heutigen Museumseisenbahn Selfkantbahn, im Einsatz war. Bei großem Fahrgastandrang verkehrt ein Zug mit historischen Personenwagen und der Diesellok V22. Im Linienbetrieb ist die Bahn schon lange nicht mehr unterwegs.

Die Ausflugsfahrten mit dem „Heggeströöper“ starten mittwochs um 15 Uhr am Bahnhof Schierwaldenrath. Gemütlich geht es entlang von Hecken, Bäumen und Büschen durch viel Natur und kleine Ortschaften.

Nachdem der „Heggeströöper“ die Steigung des „Starzender Berges“, der Wasserscheide zwischen Rodebach und Saeffeler Bach, überwunden hat, ist bald der Dorfbahnhof Birgden erreicht. Der dortige zwischen 2015 und 2017 auf Originalbasis wiederaufgebaute Güterschuppen bietet zusammen mit dem Triebwagen oder der Diesellok ein schönes Fotomotiv aus der Kleinbahnzeit der 50er und 60er Jahre. Auf Wunsch kann auch ein Blick auf das historische Interieur des Dienstraumes geworfen werden. Ein beliebtes Motiv ist auch der Haltepunkt Gelindchen mit dem Wegekreuz und den Ruhebänken unter den schattenspenden Bäumen. Ferner ist dort eine gute Weitsicht über die Landschaft der „Geilenkirchener Lehmplatte“ möglich.

Angeboten werden auch Führungen im Schierwaldenrather Eisenbahnmuseum. Warum fällt die Lok nicht vom Gleis und wie lenkt man eine Eisenbahn? Was passiert mit der Kohle und den Unmengen Wasser, die in die Dampflok gefüllt werden? Fragen wie diesen können kleine und große Eisenbahnfans auf den Grund gehen. Zur „Führung für große und für kleine Leute“, laden die Museumseisenbahner auch in der Saison 2023 wieder regelmäßig ein. „Es geht uns darum, dass unsere Besucher die Eisenbahn anfassen, riechen und spüren können“ sagt Michael Detscher, der sich wie alle anderen Selfkantbahner in seiner Freizeit für den Erhalt der Bahn einsetzt. „Es ist eine Sache, die Fahrt mit unseren historischen Zügen zwischen Gilrath und Schierwaldenrath zu genießen und dann nach Hause zu fahren – und es ist etwas ganz anderes, die Hitze des Kohlefeuers in den Loks zu spüren, selbst mal eine Weiche zu stellen und einen Güterwagen von Hand über ein Stück Gleis zu schieben“, sagt er. „Uns kommt es darauf an, dass der Funke überspringt, dass unsere jungen Besucher und Besucherinnen die Kleinbahn als lebendige und liebenswerte Geschichte erfahren.“

Die Rechnung scheint aufzugehen. Pascal (10) und Lea (8) aus Düren und Jacob (3) aus Aachen waren bei einer der sonntäglichen Kinderführung begeistert: „Weiche stellen ist ganz schön schwer“ meint Pascal, „aber mein Papa hat mir geholfen, dann ging’s“. Lea hat es eher die Lok angetan: „Ich weiß jetzt wo der Heizer aufmacht und die Kohlen reinschippt“ erklärt sie fachmännisch. Lea hat bei der „Führung für große und für kleine Leute“ noch eine Erkenntnis gewonnen: Schwarz–grün sind die Dampfloks und rot die Dieselloks.

Eintritt kosten die Führungen nicht – die Selfkantbahner freuen sich aber immer über eine kleine Spende für den weiteren Ausbau ihres lebendigen Museums. Im der Saison 2023 finden die Kinderführungen noch an folgenden drei Sonntagen statt 9. Juli, 27. August und 24. September.

Wie in jedem Jahr, findet auch in 2023 wieder eine Arbeitswoche bei der Selfkantbahn statt, in der sich Interessierte einmal hinter den Kulissen eines Kleinbahnmuseums umschauen können und dabei einen vielseitigen Einblick in die Arbeitswelt der Eisenbahner erhalten. Sie beginnt in diesem Jahr am Samstag, 22. Juli, und endet am Sonntag, 30. Juli.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort