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Kreis Heinsberg: Kreisjugendamt registrierte 2018 434 Strafverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende

Zahlen für Wassenberg und Wegberg : Mehr Gewalt bei Jugendlichen

Die Zahl der Strafverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende bleibt im Kreisjugendamtsbezirk Heinsberg konstant bei über 400. Rückläufig sind 2018 Drogendelikte, Beleidigungen und Sachbeschädigungen gewesen.

Nahezu unverändert im Vergleich zu 2017 ist mit 434 im Jahr 2018 die Zahl der Strafverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende geblieben, mit denen sich die Jugendhilfe im Bereich des Kreisjugendamts Heinsberg beschäftigen musste. 2017 waren es 424 Fälle gewesen, wie Doris Zaunbrecher und Karl Lukas bei der Präsentation des Jahresberichts über die Entwicklung der Jugendkriminalität im Kreisjugendhilfeausschuss mitteilten. Dabei kam es im vergangenen Jahr zu insgesamt 210 Anklageschriften, von denen acht gegen niederländische Staatsbürger gerichtet waren. 165 Fälle wurden eingestellt, was allerdings nicht bedeutet, dass die betroffenen Jugendlichen keine Folgen für ihr ungesetzliches Verhalten zu tragen haben. „Jugendstraftrecht ist Erziehungsstrafrecht“, betonte Zaunbrecher. Vorrangiges Ziel sei es daher, pädagogisch darauf hinzuwirken, dass die Jugendlichen nicht noch einmal straffällig werden.

Aufgelistet hat das Kreisjugendamt die Straftaten von Jugendlichen, die in ihrem Zuständigkeitsbereich festgestellt wurden, also in Wegberg, Wassenberg, Waldfeucht, Übach-Palenberg, Selfkant und Gangelt. Die meisten Taten wurden mit 141 in Übach-Palenberg registriert, gefolgt vom Wegberg mit 135 Taten, in Wassenberg waren es 89 im vergangenen Jahr gewesen. Positiv merkte Doris Zaunbrecher an, dass bei der Drogenkriminalität ebenso wie bei Beleidigungen und Sachbeschädigung ein Rückgang zu verzeichnen ist, während es bei Gewaltdelikten bis hin zu einem Mord einen Anstieg der Fallzahlen gab. Raub, räuberische Erpressung, Bandendiebstahl und Betrug stehen in der Liste der Straftaten ganz oben.

Nach Ansicht von Lukas könnte die vorbeugende Arbeit beim Kampf gegen Drogen eine Ursache für den Rückgang bei Delikten rund um die Rauschmittel gewesen sein. Zum einen spiele eine Broschüre, die über die Gefahren der Drogen hinweist, eine Rolle, zum anderen könnte sich eine Maßnahme als hilfreich und für die Jugendlichen lehrreich erwiesen haben, bei der das Jugendamt und die Jugendgerichte nicht mehr auf das Ableisten von Sozialstunden setzen, sondern auf die Verpflichtung der Jugendlichen, ein Buch zu lesen, das sich mit der Drogenproblematik auseinandersetzt. Anschließend muss der Jugendliche darüber einen mindestens zehnseitigen Bericht verfassen. Diese Methode habe nachhaltigen Erfolg.

Häufig spielen die Eltern eine Rolle bei der Straffälligkeit ihrer Kinder. Viele sehen darüber hinweg oder erkennen gar nicht, dass ihr Nachwuchs kriminell wird. „Besonders bei der Drogenkriminalität herrscht große Unkenntnis“, sagte Lukas. Häufig lebten Eltern ihren Kindern aber auch die Gewaltbereitschaft vor. Die Jugendlichen hätten das Verhalten übernommen.

Deutlich ist für die Jugendhilfe im Kreisjugendamt das Gefälle zwischen dem eher ländlich geprägten Raum und den Städten im Kreisgebiet. In Gangelt, Waldfeucht und im Selfkant gibt es insgesamt weniger Straftaten als etwa in Wassenberg. In den kleineren Kommunen sei die gegenseitige soziale Kontrolle gegeben, während in den Ballungsräumen, auch in der Nähe zu den Großstädten, diese Kontrollfunktion verloren gegangen sei.