Kreis Heinsberg: IHK-Betriebe gehen mit Zuversicht ins nächste Halbjahr

Unternehmer blicken zuversichtlich nach vorne : Hohe Erwartungen der IHK-Betriebe

Mit Abstand die höchsten Erwartungen bei der wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten Monaten haben im Bezirk der IHK Aachen die Betriebe im Kreis Heinsberg. Das ergab eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer.

Nach neun Jahren des Aufschwungs verliert die Konjunktur im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Aachen an Kraft. „Seit dem Jahreswechsel hat sich die stellenweise an die Kapazitätsgrenzen stoßende Auftragslage der Unternehmen entspannt“, beschreibt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer. Die Geschäftslage werde von weniger Betrieben als zuletzt positiv bewertet. Dennoch beurteilten immer noch fast 50 Prozent der Befragten ihre Situation als gut, „und das, obwohl auch die Ertragslage einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen hat“. Im Kreis Heinsberg bewerten die Unternehmen die Lage zwar etwas schlechter als in der Region, dafür aber sind die Erwartungen zwischen Wegberg und Übach-Palenberg höher als in Aachen, Euskirchen und Düren.

An der jüngsten Konjunkturumfrage der Kammer haben sich 340 Betriebe mit insgesamt 31.800 Beschäftigten beteiligt. Vier von zehn Unternehmen aus dem Kreis Heinsberg melden dabei gute Geschäfte, sieben Prozent sind unzufrieden. Positiv ist die Situation vor allem im Einzel- und Großhandel.

Deutlich verbessert haben sich die Aussichten im Kreis Heinsberg: 38 Prozent der Betriebe rechnen im nächsten halben Jahr mit guten Geschäften, 13 Prozent erwarten eine rückläufige Entwicklung. Hohe Erwartungen haben die Industrie und das Baugewerbe. Sehr gut passen diese Einschätzungen zur aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Heinsberg, der in den ersten vier Monaten dieses Jahres schon zwei Mal die besten Werte in der Region aufzuweisen hatte und bei der Arbeitslosenquote auf die 5-Prozent-Grenze zusteuert.

Die Bewertung der Erwartungen ist insgesamt stabil geblieben, bilanzierte die IHK Aachen ihre aktuellen Umfragewerte. Drei von zehn Betrieben gehen davon aus, dass sich die Geschäfte in den kommenden Monaten gut entwickeln werden. Nur halb so viele erwarten eine negative Entwicklung. „Insofern tritt die Wirtschaft gegenwärtig nur leicht auf die Konjunkturbremse und drosselt ihr Tempo. Ein deutlicher Abschwung ist bisher nicht zu erwarten“, sagt Bayer.

Ein Grund für die Zurückhaltung ist laut IHK, dass die Unternehmen in den kommenden Monaten keine Wachstumsimpulse im Auslandsgeschäft sehen: „Nur jeder fünfte Befragte rechnet mit einer steigenden Exportnachfrage, fast ebenso viele erwarten eine schrumpfende Auslandsnachfrage.“ Infolge der veränderten Lage seien auch die Investitions- und Beschäftigungsbewertungen niedriger als zuletzt, blieben aber überwiegend positiv: „Fast jeder dritte Betrieb prognostiziert einen Anstieg der Investitionen, jeder sechste Befragte möchte die Ausgaben reduzieren.“

Stichworte, in denen die IHK Aachen die momentane Lage in Industrie und Handel beschreibt, lauten: Industriebetriebe wachsen langsamer, Zufriedenheit der Dienstleister schwindet, Lage im Handel verbessert sich, Produktion im Bau gedrosselt (aber kein Befragter ist unzufrieden, und das zum neunten Mal in Folge), keine Wachstumsimpulse vom Export, Erträge steigen kaum noch und Unternehmen benötigen weiterhin Personal.

Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt wird sich auch entgegen dem Konjunkturtrend fortsetzen, prognostiziert die IHK Aachen. „Ein Viertel aller Unternehmen geht davon aus, dass die Zahl der Mitarbeiter in den kommenden Monaten steigen wird, jeder sechste Betrieb rechnet mit einem Rückgang. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel das zentrale Problem für die Unternehmen im Kammerbezirk“, heißt es in einer Mitteilung der IHK. „60 Prozent aller Betriebe sehen darin das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung – im Bau- und Gastgewerbe sind dies mit jeweils 79 Prozent sogar deutlich mehr.“

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