Kreis Heinsberg: Ideen gegen drohenden Ärztemangel gefragt

Kreis Heinsberg : Drohender Ärztemangel: Ideen gefragt

Dem Kreis Heinsberg droht ein Ärztemangel. Zwar gibt es noch keine Notlage, dennoch sollen möglichst bald Konzepte entwickelt werden, um die Niederlassung von jungen Ärzten zu fördern. Zahlen belegen die Notwendigkeit dazu.

Immer weniger Ärzte wollen sich mit einer eigenen Praxis in ländlichen Regionen wie dem Kreis Heinsberg niederlassen. Schon jetzt stehen einige Regionen ohne ausreichende medizinische Versorgung da. Eine solche Notlage gibt es im Kreis Heinsberg noch nicht. Dennoch ist die Entwicklung bedenklich. Wie viele andere ländliche Regionen auch, muss der Kreis Heinsberg in den nächsten Jahren aktiv dafür sorgen, dass sich die medizinische Versorgung vor Ort nicht ausdünnt.

Die „Entwicklung der medizinischen Versorgung im Kreis Heinsberg“ war im Heinsberger Kreishaus Thema im Ausschuss für Gesundheit und Soziales. Da der drohende Ärztemangel in ländlichen Regionen nicht von der Hand zu weisen ist, sprach Ausschussvorsitzender Hanno Kehren von einem „Thema, das uns in den nächsten Jahren noch häufiger begleiten wird“. Die Verwaltung legte eine Übersicht zu Versorgungsgrad und Durchschnittsalter der Hausärzte vor, die von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ermittelt worden war. Als Grundlage dient die Annahme, dass bei einem Verhältnis von 1671 Einwohner pro Arzt von einem 100-prozentigen Versorgungsgrad gesprochen werden kann. Bei einem Versorgungsgrad von 110 Prozent werden keine weiteren Niederlassungsmöglichkeiten seitens der KV Nordrhein eingeräumt.

Der Versorgungsgrad bei den Hausärzten liegt im Kreis Heinsberg mit seinen 252.988 Einwohnern bei 105,8 Prozent. Zum Vergleich: Der Durchschnitt im Gebiet der KV Nordrhein liegt bei 104,5 Prozent. Das Durchschnittsalter der Hausärzte im Kreis Heinsberg beträgt 56,4 Jahre (55,2 KV Nordrhein). Der Kreis Heinsberg ist in der Statistik in sechs Mittelbereiche unterteilt: Erkelenz, Geilenkirchen (mit Gangelt und Selfkant), Heinsberg (mit Waldfeucht und Wassenberg), Hückelhoven, Übach-Palenberg und Wegberg. Am problematischsten stellt sich die Situation in Übach-Palenberg dar, da dort der Versorgungsgrad mit 98 Prozent am niedrigsten und das Durchschnittsalter der Ärzte mit 58,6 zugleich am höchsten ist. In Erkelenz gibt es 27 Hausärzte, der Versorgungsgrad liegt bei 103,4 Prozent, das Durchschnittsalter beträgt 57,1 Jahre. In Wegberg sind es 18 Hausärzte, der Versorgungsgrad liegt bei 105,7 Prozent, das Durchschnittsalter beträgt 52,5 Jahre. In Hückelhoven gibt es 30 Hausärzte, der Versorgungsgrad liegt bei 128,5 Prozent, das Durchschnittsalter beträgt 57,5 Jahre.

Zwar ergibt sich aus diesen Zahlen keine akute Notlage bei der hausärztlichen Versorgung im Kreis Heinsberg. Sozialdezernentin Daniela Ritzerfeld sieht dennoch dringenden Handlungsbedarf: „Unter dem Aspekt einer längerfristigen Planung sind jetzt Maßnahmen und Ideen gefragt, die Anreize für die kontinuierliche Niederlassung von Hausärzten im Kreis Heinsberg bieten“, sagte sie. Da das Land NRW bereits erhebliche finanzielle Anreize gegen den drohenden Ärztemangel auf dem Land biete, gehe es aus Sicht des Kreises Heinsberg vor allem darum, den hiesigen Standort als lebenswert zu bewerben. Dazu sei bereits Kontakt mit Wirtschaftsförderer Ulrich Schirowski aufgenommen worden. Denkbar seien auch Investitionskostenzuschüsse für die Ausbildung von medizinischen Fachangestellten in der hausärztlichen Versorgung. Solche Fachkräfte könnten Hausbesuche erledigen und medizinische Aufgaben im Umfeld des Patienten übernehmen und so zur Entlastung des Hausarztes beitragen. Ebenfalls diskutiert wird die Idee, Praxisräume in der Fläche als Zweigstellen für Sprechstunden bereits niedergelassener Ärzte zur Verfügung zu stellen. Bilanziert wurde zudem, dass die seitens des Landes und der KV Nordrhein zur Verfügung stehenden Fördermittel wie Investitionskostenzuschüsse, Förderung von Praxishospitationen und das Förderprogramm Quereinstieg Allgemeinmedizin keine durchschlagenden Anreize sind, um die Ansiedlung von Hausärzten schlagartig zu fördern. Auch die im Februar 2019 in Kraft getretene Landarztverordnung sei dazu nicht in der Lage.

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