Kreis Heinsberg: Hilfsverein übernimmt VTC-Zentrum in Ruanda

„Wir für Ruanda“ im Kreis Heinsberg : Hilfsverein übernimmt VTC-Zentrum

Ein Team von „Wir für Ruanda“ besichtigt in Afrika das neue Zentrum für berufliche Ausbildung. Die deutsche Botschaft überträgt das Gebäude mit allen Rechten und Pflichten an den Verein aus dem Kreis Heinsberg.

Hocherfreut kehrte ein Team von „Wir für Ruanda“, einem Verein aus dem Kreis Heinsberg, von seiner Sommerreise 2019 aus dem gleichnamigen afrikanischen Land zurück. Die Gruppe hatte das inzwischen fertiggestellte VTC-Zentrum (Zentrum zur beruflichen Ausbildung) mit den restlichen Möbeln ausgestattet und gesehen, wie 20 Jugendliche, die größtenteils im Zentrum leben, in Nähen, Kunsthandwerk, Haushaltslehre und Farming ausgebildet werden.

Das Besondere daran ist, dass diese Heranwachsenden allesamt Kinder mit besonderem Förderbedarf sind, weil sie eine geistige Behinderung haben. „Es geht einem das Herz auf, wenn man sieht, wie diese Kinder, die, bevor sie zu uns kamen, in der ruandischen Gesellschaft und ihren Familien als nutzlose Esser galten und als unfähig für Schule und Ausbildung angesehen wurden, nun ihre neu gewonnenen großen handwerklichen Fähigkeiten zur Schau stellten“, berichtet Bernd Bierbaum, der das Zentrum und den Verein „Wir für Ruanda“ gegründet hat.

Die Gruppe freute sich auch riesig über das schöne Gebäude. 2016 hatte die deutsche Botschaft in Kigali 10.000 Euro zum Bau dieses Zentrums für den Tochterverein „Amizero y’Ubuzima“ zur Verfügung gestellt, und „Wir für Ruanda“ erklärte sich damals bereit, für den Rest der Baukosten aufzukommen. Deutsche Staats- und Kirchenorganisationen stellen ihre Unterstützungsgelder immer nur lokalen – ruandischen – Hilfsvereinen zur Verfügung, nie aber deutschen Strukturen. Daher musste 2015 diese Tochterorganisation gegründet werden.

Doch bald entdeckte Bernd Bierbaum schmerzhaft Stück für Stück Unregelmäßigkeiten – auch finanzieller Form – in der Verwaltung dieses Vereins, was ihn dazu führte, jede weitere Zusammenarbeit mit dieser Organisation abzulehnen. Das VTC-Gebäude stand bereits in den äußeren Mauern, die deutsche Botschaft wünschte die baldige Fertigstellung, und Amizero y’Ubuzima-NGO hatte trotz gewisser deutscher Freunde kein Geld, den Bau dieses Gebäudes zu beenden.

Daraufhin entschied die deutsche Botschaft mit der Genehmigung des Auswärtigen Amtes in Berlin, das Gebäude mit allen Rechten und Pflichten an „Wir für Ruanda“ zu übertragen. Der Verein hat das Gebäude inzwischen fertiggestellt, möbliert, mit Nähmaschinen ausgestattet und offiziell seinem Zweck zugeführt: der beruflichen Ausbildung geistig behinderter Kinder, um diesen ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu ermöglichen.

„Wir sind sehr stolz auf diese Leistung, die einmalig ist im zentralen Afrika“, sagen zwei mitgereiste Frauen, die ihrerseits Kunst- und Nähprojekte mit den Kindern während dieses Aufenthaltes in Ruanda angeboten haben.

(RP)
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