Kreis Heinsberg: Flüchtlingshelfer enttäuscht von Politik

Workshop : Flüchtlingshelfer enttäuscht von Politik

Ernüchterung und Resignation bei ehrenamtlich Engagierten aus dem Kreis Heinsberg, die in einem Workshop des Katholischen Forums in Geilenkirchen über ihre Arbeit mit geflüchteten Menschen diskutierten.

Die meisten von ihnen sind enttäuscht von den Behörden und den Politikern. „Wir werden nicht ernst genommen.“ – „Der Gang zu einer Behörde wird immer schwieriger.“ – „Ich stoße an meine Grenzen, wenn ich bei einer Behörde mit einem von mir betreuten geflüchteten Menschen erscheine.“ Dies sind einige Aussagen der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe im Kreis Heinsberg. Ihre Arbeit werde immer weniger gewürdigt, mehr noch, sie werde von den Behörden erschwert und sei inzwischen bisweilen sogar überflüssig geworden.

Wie Benedikt Kern vom Institut für Theologie und Politik in Münster, dessen Schwerpunkte dort Flucht, Integration und Kirchenasyl sind, bei einem Workshop des Katholischen Forums in Geilenkirchen bestätigte, sei die Arbeit der ehrenamtlich Engagierten in der Flüchtlingshilfe immer schwieriger geworden. Das liege vornehmlich daran, dass die Politiker und die Bundesländer immer mehr dazu übergingen, Flüchtlinge und vornehmlich wieder abzuschiebende Menschen in zentralen Unterbringungseinheiten oder die Menschen durch ein sogenanntes integriertes Rückführungsmanagement abzuschotten.

2015 habe es, als die Flüchtlingswelle ihren Höhepunkt erreicht habe, rund acht Millionen Menschen in Deutschland gegeben, die sich in irgendeiner Form für Geflüchtete engagiert hätten. Diese Zahl sei drastisch gesunken; zum einem, weil es Überforderung gab, zum anderen, weil die Hilfe nicht zum schnellen Erfolg führte, aber auch, weil der Zugang zu den Flüchtlingen immer schwieriger werde und das Asylrecht verschärft wurde. Mit Zahlen machte Kern deutlich, dass viel Unwissen im Umlauf sei: Im Februar 2017 habe es 71.000 Asylanträge gegeben, im Februar dieses Jahres waren es 21.000. 15 Prozent davon würden bewilligt. Allein in Nordrhein-Westfalen gebe es 70.000 ausreisepflichtige Personen, für die zentrale Lager geschaffen werden.

„Was derzeit faktisch politisch stattfindet, konterkariert das Ehrenamt, sich für geflüchtete Menschen einzusetzen“, zog Kern ein ernüchterndes Fazit. „Die Politik setzt derzeit das um, was schon in den 1990er Jahren von Rechtspopulisten gefordert wurde.“

„Sind dann überhaupt noch Ehrenamtler nötig?“, lautete eine Frage, die Kern und die Seminarleiterin Ulla Otte-Fahnenstich spontan bejahten. Sie ermunterten die Teilnehmer des Workshops, in ihrem Engagement nicht nachzulassen. Vor Ort sollten sie sich um die Geflüchteten und die Asylanten kümmern, ihnen bei der Integration durch Gespräche, durch Begleitung bei Einkäufen oder durch Begegnungen helfen. „Und wenn alle Stricke reißen und die Politik Sie im Stich lässt, sollte es einmal einen generellen Ehrenamtlerstreik in Vereinen, Schulen, sozialen Einrichtungen und bei den Kirchen geben“, meinte Kern entschlossen.

Die Flüchtlingshelfer müssten allerdings, so Otte-Fahnenstich, ihre emotionalen Grenzen kennenlernen und sie sollten faktenkundig sein, weil immer wieder mit unzutreffenden Behauptungen in der Flüchtlingspolitik argumentiert werde. Das Katholische Forum für Mönchengladbach und den Kreis Heinsberg sieht es deshalb als seine Aufgabe an, weitere Seminare anzubieten, in denen die Ehrenamtlichen betreut und mit Fakten versorgt werden.

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