Kreis Heinsberg: Fachstelle gegen Missbrauch von Kindern gewünscht

Kreis Heinsberg : Kinderschutz mit Beratungsstelle stärken

Im Kreis Heinsberg soll eine Fachberatungsstelle in Fällen von Misshandlung und sexuellem Missbrauch von Kindern eingerichtet werden. Einstimmig signalisieren die Mitglieder des Kreisjugendhilfeausschusses ihre Unterstützung.

Der Ruf des Deutschen Kinderschutzbundes (KSB) in Erkelenz nach einer Fachberatungsstelle in Fällen von Misshandlung und sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen trifft im Heinsberger Kreishaus auf offene Ohren. Die Mitglieder des Kreisjugendhilfeausschuss sprachen sich einstimmig dafür aus, dass die Verwaltung in Kooperation mit den Stadtjugendämtern im Kreis Heinsberg die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen der Einrichtung einer Fachberatungsstelle bei Misshandlung und sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen prüft. „Es handelt sich um ein sehr stark tabuisiertes Thema. Deshalb ist es sehr schwierig für uns, den Bedarf zu quantifizieren“, sagte Kreisjugendamtsleiter Alfred Theißen am Montagabend während der Sitzung des Kreisjugendhilfeausschusses im Heinsberger Kreishaus.

Der Kinderschutzbund in Erkelenz beklagt, dass ein entsprechendes Fachberatungsangebot im Kreis Heinsberg bislang fehlt. „Nach vielen Gesprächen und Recherchen in den vergangenen Monaten scheint tatsächlich ein Bedarf gegeben zu sein, der allerdings nicht realistisch quantifizierbar ist, da ganz besonders in diesem sensiblen, intimen, tabuisierten Bereich eine recht hohe Dunkelziffer bestehen wird“, erklärte Alfred Theißen. Er berichtete auch, dass sich der Kinderschutzbund Erkelenz konzeptionell in der Lage sieht, eine solche Fachberatungsstelle einzurichten, sofern die dadurch entstehenden Kosten übernommen würden.

In der Städteregion Aachen gibt es vier vergleichbare Beratungsstellen, drei davon in eigener Trägerschaft, eine wird von einem freien Träger betrieben. 2017 wurden dort 223 Beratungen vorgenommen, 2018 waren es 141, wobei der Rückgang der Beratungen mit einer ganzjährigen Erkrankung einer Mitarbeiterin erklärt wird, berichtet die Kreisverwaltung. Es seien nicht mehr die Kapazitäten vorhanden, alle Beratungsbedarfe zu erfüllen. Dass insgesamt ein relevanter Bedarf gesehen wird, werde auch an dem Modellprojekt „Wir vor Ort gegen sexuelle Gewalt“ des Bundesfamilienministeriums deutlich, in dem ausschließlich ländliche Regionen bei der Einrichtung eines solchen Fachberatungsangebotes unterstützt werden sollen. Der Kinderschutzbund Erkelenz habe sich auf das Projekt beworben.

Auch die Jugendämter im Kreis Heinsberg sprechen sich gemeinsam dafür aus, eine Fachberatungsstelle bei Misshandlung oder sexueller Gewalt in der Region einzurichten – unabhängig von der Bewerbung des Kinderschutzbundes Erkelenz, wie Alfred Theißen betont. Das Kreisjugendamt hat sich bereit erklärt, die Federführung in dieser Angelegenheit zu übernehmen. Die Finanzierung könnte – analog zu den Erziehungsberatungsstellen der Caritas und der AWO – aus dem Kreishaushalt über die allgemeine Kreisumlage erfolgen.

Nachdem die Politik ihre Unterstützung signalisiert hat, klärt die Kreisverwaltung nun die juristischen und praktischen Fragen im Zusammenhang mit der möglichen Einrichtung einer solchen Fachberatungsstelle im Kreis Heinsberg.

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