Kreis Heinsberg: Die drei Säulen der medizinischen Notfallversorgung

Informationskampagne im Kreis Heinsberg : Apotheken: eine von drei Säulen

Immer wieder verstopfen Menschen mit harmlosen Wehwehchen die Notaufnahmen. Wichtig ist die richtige Wahl der Anlaufstelle.

Überfüllte Notaufnahmen, volle Wartezimmer, Ärzte im Dauerstress. Besonders in den Wintermonaten sind in der medizinischen Notfallversorgung gute Nerven gefragt. Vor allem in den Krankenhäusern. Denn Ärzte berichten immer wieder darüber, dass Patienten mit harmlosen Wehwehchen wie Halsweh, Übelkeit und Kopfschmerzen die Notaufnahmen verstopfen.

Vor diesem Hintergrund gehen die Apotheken im Kreis Heinsberg kurz vor den Weihnachtsfeiertagen mit einer Informationskampagne an die Öffentlichkeit: „Die durch den Notdienst der Vor-Ort-Apotheken gewährleistete Selbstbehandlung ist eine gute Möglichkeit, dem Patienten schneller zu helfen und gleichzeitig die ärztlichen Notdienste zu entlasten“, sagt Jörg Haßiepen, der die Enten-Apotheke an der Karmelitergasse in der Wegberger Fußgängerzone führt und Pressesprecher der Apotheker im Kreis Heinsberg ist.

Offenbar sind Patienten in vielen Fällen nicht ausreichend darüber informiert, welche im jeweiligen Fall die richtige Anlaufstelle für ihre gesundheitlichen Probleme ist. In einer Drei-Säulen-Übersicht werden die Anlaufstellen in der medizinischen Notfallversorgung nun explizit genannt: Notarzt und Notfallaufnahme (erste Säule), Ärztliche Bereitschaftsdienste (zweite Säule) und Notdienst der Apotheken am Ort (dritte Säule). Das Säulen-Modell soll die Gesundheitskompetenz der Menschen bei gesundheitlichen Beschwerden außerhalb der Zeiten des medizinischen und pharmazeutischen Regeldienstes fördern: „Patienten können durch ihr eigenes Verhalten und ein selbstständiges Einschätzen den geeigneten Ansprechpartner für ihre Beschwerden erreichen“, erklärt Jörg Haßiepen.

Erste Säule: Notarzt und Notfall­aufnahme Bei lebensbedrohlichen Fällen sind der Notarzt und die Notfallaufnahme der Krankenhäuser die ersten Anlaufstellen für Betroffene. Bei starken Brustschmerzen mit Herzbeschwerden oder schweren Verletzungen ist schnellstmöglich Hilfe über die kostenfreie Notruf-Nummer 112 zu holen.

Zweite Säule: Ärztliche Bereitschaftsdienste Bei Krankheiten oder Beschwerden, deren Behandlung nicht bis zum nächsten Tag oder bis zur nächsten ärztlichen Sprechzeit warten kann, stehen die ärztlichen Bereitschaftsdienste unter der kostenfreien Telefonnummer 116117 bereit. Sie sollten beispielsweise bei anhaltendem Brechdurchfall, Fieber und akuten Bauchschmerzen aufgesucht werden.

Dritte Säule: Notdienst der Apotheken vor Ort Für alle leichteren Erkrankungen und Beschwerden sollte zunächst die wohnortnahe Notdienst-Apotheke mit persönlicher Beratung und pharmazeutischer Fachkompetenz aufgesucht werden. „Zur korrekten Beratung in der Apotheke gehört im Zweifel auch das Anraten eines sofortigen Arztbesuches“, erklärt der Wegberger Apotheker Jörg Haßiepen. Mehr als 60 Prozent der Patientenkontakte im Notdienst der Apotheken finden dabei heute schon ohne vorherigen Arztbesuch statt, teilt die Apothekerkammer Nordrhein mit. Jörg Haßiepen: „Die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln und die persönliche Beratung durch die Apotheke vor Ort an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr ist eine wichtige Säule in der medizinischen Notfallversorgung – nicht nur zu Weihnachten.“