Kreis Heinsberg: Debatte über Frauenberatungsstelle

Worte zur Woche : Debatte über Frauenberatungsstelle

Die Forderung von SPD und Grünen, eine Frauenberatungsstelle im Kreis Heinsberg einzurichten, hat für viele und zum Teil hart geführte politische Debatten geführt. Grundsätzlich ist das gut, denn das Anliegen ist ein sehr ernstzunehmendes.

Häufig fühlen sich Frauen, die Hilfe suchen, allein gelassen, manchmal sind sie auch in großer Not, weil sie immer noch Gewalt erfahren und in einer psychisch sehr belastenden Lebensphase sind.

Die Vehemenz, mit der die SPD mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (AsF) und den Jusos das Thema nun durch die Initiierung einer Online-Petition nach vorne bringen möchte, wirft aber auch den Verdacht auf, dass dabei der beginnende Wahlkampf schon eine Rolle spielen könnte. Betrachtet man die vorliegenden Zahlen, gibt es im Kreis Heinsberg keinen Grund zu handeln. Für die von der Kreisverwaltung genannten 20 Beratungsfälle in neun Monaten – 19 davon vorbeugend – ist das vorhandene Angebot durch Beratungseinheiten völlig ausreichend. Allerdings: angesichts der vergleichsweise geringen Fallzahlen äußern einige Zweifel an der Statistik des Kreises Heinsberg. Die Befürworter der Frauenberatungsstelle argumentieren außerdem, dass die Dunkelziffer ohnehin viel höher ist als die behördlich bekannten Fälle.

Vor diesem Hintergrund gehören zunächst einmal mehr Sachlichkeit in die Diskussion und die vorliegenden Zahlen auf den Prüfstand. Letzteres hat Landrat Stephan Pusch nach eigenen Angaben bereits veranlasst. Erst wenn belastbare und aktuelle Zahlen vorliegen, kann die Kreisverwaltung der Politik Beschlussvorschläge liefern, die der tatsächlichen Situation angemessen sind. Online-Petition hin oder her – nur wenn die Fallzahlen es hergeben, macht die Einrichtung einer Frauenberatungsstelle im Kreis Heinsberg Sinn.

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