Kreis Heinsberg berät weiter über Frauenberatungsstelle

Kreis Heinsberg berät über Frauenberatungsstelle : Gewalt gegen Frauen – steigende Zahlen

398 Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen mit männlichen Beschuldigten wurden im Kreis Heinsberg der Polizei im vergangenen Jahr gemeldet. 2015 waren es 104 Fälle weniger. Die Kreispolitik berät deshalb die Frage nach eine Frauenberatungsstelle weiter.

Die Diskussion, ob der Kreis Heinsberg eine Frauenberatungsstelle benötigt, hat wieder Fahrt aufgenommen. Nachdem der erste Vorstoß für ein solches Angebot, beantragt von SPD und Grünen, zum Jahresende im Kreistag vorläufig noch ohne Erfolg geblieben war, legte die Kreisverwaltung dem Sozialausschuss jetzt einen vierseitigen Bericht vor, für den neue Details und aktuelle Zahlen zusammengetragen wurden. Landrat Stephan Pusch hatte diesen im Januar angekündigt und dabei den Vorwurf aus den Reihen der Sozialdemokraten zurückgewiesen, wonach der Kreis Heinsberg bei Gewalt gegen Frauen wegschaue: „Wir sind die Letzten, die sich gegen eine Frauenberatungsstelle aussprechen, wenn der Bedarf dafür tatsächlich bestehen sollte.“

Diskutiert worden war die Frage nach einer Frauenberatungsstelle für den Kreis Heinsberg im Dezember auf Basis von Beratungszahlen des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM), der eine solche Hilfe bereits anbietet. „Insgesamt wurden dort 2018 letztlich 23 Frauen beraten, hiervon 19 präventiv und vier nach einem Aufenthalt im Frauenhaus“, teilte Sozialdezernentin Daniela Ritzerfeld jetzt noch einmal die Bilanz dieses Beratungsangebotes mit. Der tatsächliche Bedarf könnte sich aber ganz anders darstellen, hat eine zweite Abfrage ergeben: „Wir haben bei der Polizei Zahlen zu häuslicher Gewalt und Gewalt gegen Frauen für den Kreis Heinsberg abgefragt – und diese liegen erheblich über denen, die uns von der Beratungsstelle genannt wurden. Diese Zahlen sind hoch und steigend.“ Häusliche Gewalt mit einem männlichen Beschuldigten registrierte die Polizei im Kreis Heinsberg im vergangenen Jahr 398 Mal, während es 2016 noch 104 Fälle weniger waren. Dass die Zahlen von Polizei und Beratungsstelle auseinander liegen, erklärte die Kreisverwaltung unter anderem damit, „dass seitens des SKFM bisher keine Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf die präventive Beratungsarbeit erfolgt ist“. Auch sei dessen Angebot mit einer halben Stelle derzeit gar nicht auf höhere Fallzahlen ausgelegt.

Die neuen Zahlen veranlassten die Kreisverwaltung dazu, sowohl zu prüfen, auf welchem Weg ein umfangreicheres Beratungsangebot finanziert werden kann, als auch bei den Wohlfahrtsverbänden im Kreisgebiet abzufragen, ob Interesse an dieser Aufgabe besteht. SKFM und Arbeiterwohlfahrt zeigten zwar Interesse, berichtete Ritzerfeld im Sozialausschuss, jedoch würden die Konditionen ein Problem darstellen. Daraufhin hat der Kreis Heinsberg das Gespräch mit dem Referat „Gewalt gegen Frauen“ im NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales und Gleichstellung gesucht und eine Fördermöglichkeit aufgezeigt bekommen: Gefördert würden eineinhalb Fachkräfte mit einem Jahrespauschalbetrag, der 85 Prozent der Personalkosten abdecken soll; für Sachausgaben würden weitere 7500 Euro gewährt. „Wir werden jetzt beraten, wie wir das Thema angehen, und sollten die Landesförderung nutzen“, erklärte Daniela Ritzerfeld.

Dass dies auf Zustimmung der Kreistagsfraktionen fällt, wurde bereits in der kurzen Aussprache nach dem Bericht der Sozialdezernentin deutlich. Karl-Heinz Röhrich (SPD) bat bis zur nächsten Sitzung um ein Konzept und Norbert Spinrath (SPD) forderte dazu auf, die Polizei einzubeziehen, die andernorts Frauen nach Gewalterfahrungen an entsprechende Beratungsstellen vermittelt: „Das dürfte eine sprunghafte Verbesserung für Frauen bedeuten.“ Dass dieses Vorgehen von der Kreispolizei Heinsberg ebenfalls gewünscht werde, ergänzte Sozialdezernentin Ritzerfeld, während Monika Kohnen (beratendes Ausschussmitglied) anregte, auch die Gründung einer Selbsthilfegruppe in das Konzept einzubeziehen: „Der Schritt in eine Beratungsstelle könnte für betroffene Frauen möglicherweise eine zu große Hürde darstellen.“

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