Kreis Heinsberg: Bedarf von 555 Hektar Land sehen die zehn Kommunen für Gewerbegebietsentwicklung bis 2040

Kaum verfügbare Flächen im Kreis Heinsberg : Bedarf an Gewerbegebieten definiert

Von einer „prekären Gewerbeflächensituation“ im Kreis Heinsberg berichtet die Wirtschaftsförderung: „Zurzeit werden interessante Anfragen gestellt, die wir nicht bedienen können.“ Die Hoffnungen liegen auf der Bezirksregierung Köln.

Einen Bedarf von 555 Hektar Land sehen die zehn Kommunen im Kreis Heinsberg, auf dem sie in den nächsten zwei Jahrzehnten gerne Gewerbe und Industrie ansiedeln würden. Damit liegen sie fast 100 Hektar über dem, was die Bezirksregierung Köln ihnen im laufenden Regionalplanverfahren derzeit zugestehen würde. Darüber informierte Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg, den Kreisausschuss für Strukturwandel: „Wir haben inzwischen eine prekäre Gewerbeflächensituation – zurzeit werden an uns interessante Anfragen gestellt, die wir nicht bedienen können.“ Auch gebe es „kaum eklatante Leerstände“ im Bestand der Gewerbeimmobilien.

Nicht die gesamten 555 Hektar Land würden zum Zweck der Gewerbeansiedlungen neu gewidmet werden, betonte Schirowski. Immerhin befänden sich momentan noch 208 Hektar in der Reserve, aber: „Von denen sind derzeit nur noch 68 Hektar sofort verfügbar.“

Die Bezirksregierung Köln erarbeitet einen neuen Regionalplan, der regelt, wie viele Gewerbeflächen jede Kommune bis zum Jahr 2040 entwickeln darf und wo diese liegen werden. 2018 haben sich die zehn Kommunen im Kreis Heinsberg mit der Kreisverwaltung und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft auf den Weg gemacht, für diesen Prozess ein gemeinsames Strategiepapier zu erarbeiten. Dieses liegt inzwischen der Bezirksregierung vor und sei „dankend und lobend“ entgegengenommen worden, berichtete Schirowski. Die Entwicklungsvorstellungen für den erneuerten Regionalplan variieren zwischen den Kommunen. So beantragt Erkelenz zusätzliche 29 Hektar (21 Hektar im Bestand), Hückelhoven 60 (21), Wassenberg 30 (17) und Wegberg 87 Hektar (26). Noch nicht eingerechnet ist in die kreisweit insgesamt gewünschten 555 Hek­tar laut Schirowski der Strukturwandel im Rheinischen Revier, aufgrund dessen in Erkelenz Flächen für den Tagebau Garzweiler II wegfallen. Ebenso bei den komplexen Flächenbedarfsberechungen „vor die Klammer gezogen“ sei die größtenteils in Landesbesitz befindliche Entwicklungsfläche „FutureSite InWest“ in Geilenkirchen-Lindern. Das bis zu 240 Hektar umfassende Areal sei als strategische Flächenreserve für „landespolitisch bedeutsame Großvorhaben“ vorgesehen und eine „ganz große Chance für die mittel- und langfristige Wirtschafts- und Strukturentwicklung im Kreis und der gesamten Region.

Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der WFG. Foto: WFG/Karl Brunn

„Die Städte und Gemeinden, als Träger der kommunalen Planungshoheit, gehen mit diesen Zahlen jetzt in die weiteren Gespräche mit der Bezirksregierung Köln“, erklärte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, stellte aber auch heraus, dass die genannten Werte – Stand Mitte 2019 – heute zum Teil bereits nicht mehr den faktischen Gegebenheiten entsprächen: „Wir leben in sehr dynamischen Zeiten. Beispielsweise ist im Wegberg-Oval in den vergangenen Monaten enorm viel verkauft worden“, wenngleich er bedauere, dass damit offensichtlich zum Teil nur in überschaubarem Maße neue Arbeitsplätze entstanden seien bzw. entstehen würden. Sicher sei sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft in der Prognose, dass, „nachdem das Wirtschaftswachstum im Kreis Heinsberg sich im letzten Jahrzehnt – von vergleichsweise niedrigem Niveau kommend – sich äußerst positiv entwickelt hat, die Nachfrage weiterhin hoch bleiben wird“.

Losgelöst von der allgemeinen Entwicklung rückte Schirowski den Strukturwandel im Rheinischen Revier in den Blickpunkt. In dem sei Erkelenz durch den Tagebau und den Flächenverlust besonders betroffen. Aber auch Hückelhoven treffe der geplante Ausstieg aus dem Braunkohlenabbau durch Arbeitsplatzverluste: „Viele Mitarbeiter der Steinkohlezeche Sophia-Jacoba waren nach deren Aus zum Tagebaubetreiber RWE Power gewechselt.“ Richtigerweise erkenne das Land Nordrhein-Westfalen die Sonderrolle von Erkelenz durch das „Entlastungsprogramm Kernrevier“ an, „an dem gearbeitet wird“, beziehe aber auch das gesamte Kreisgebiet im zu erwartenden „großen Wirtschafts- und Strukturprogramm Rheinisches Revier bis 2038“ ein. „Wir sehen den richtigen Weg darin, bei unseren Förderanträgen Schwerpunkte zu setzen“, sagte Schirowski und skizzierte erste bei der dafür zuständigen Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) eingereichte Projektvorhaben: „Ein technologie- und innovationsorientierter Entwicklungsansatz im Bereich der Erkelenzer Innenstadt-Ost mit dem Arbeitstitel RIO, ein Förderschwerpunkt mit dem Titel ,Orte der Zukunft’ für Erkelenz-Holzweiler, ein möglicherweise interkommunales Gewerbegebiet Erkelenz und Hückelhoven an der geplanten B57n.“ Darüber hinaus bereite man weitere Ansätze vor: Wasserstofftechnologie im BIZZ-Park Heinsberg-Oberbruch oder das Projekt HÜX – ein Pilotvorhaben zur Zukunftstechnologie autonomes Fahren zwischen Baal, Hückelhoven und Ratheim.