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Kreis Heinsberg: „Agro-Photovoltaik ist eher ein Nischenprodukt“

Vortrag im Umweltausschuss des Kreises Heinsberg : Tabuflächen gegen zu viel Photovoltaik

Die Heinsberger Kreisverwaltung sieht die Nutzungsmöglichkeiten von Agro-Photovoltaik nicht in der klassischen Landwirtschaft. Im Kreisumweltausschuss wurden alternative Einsatzoptionen benannt.

Das Fazit, das Nobert Dismon nach seinem Vortrag zum Thema Agro-Photovoltaik bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima, Verkehr und Strukturwandel im Heinsberger Kreishaus zog, zog im übertragenen Sinne der Fraktion der Grünen den Zahn, die mit einem Antrag die Agro-Photovoltaik kreisweit etablieren wollten. „Agro PV ist voraussichtlich eher ein Nischenprodukt“, meinte der Mitarbeiter des Amts für Umwelt und Verkehrsplanung.

Agro-PV ist ein Verfahren zur landwirtschaftlichen Haupterzeugung und sekundären Solarstromproduktion auf einer Agrarfläche. Dismom sieht im Kreis Heinsberg Möglichkeiten im Bereich Gartenbau und Sonderkulturen sowie Tierhaltung, aber nicht in der klassischen Landwirtschaft. „Auch stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit im globalen Ökosystem.“ Ist es tatsächlich sinnvoll, die immer geringer werdenden landwirtschaftlichen Flächen mit PV-Anlagen zu bestücken und gleichzeitig Lebensmittel aus aller Welt zu importieren statt zu hierzulande zu produzieren? Die freie Landschaft werde zunehmend ein knappes Gut. „Natur-und Landschaftsschutzgebiete aber auch offene Bördelandschaften sollten nicht für Agro-PV genutzt werden.“

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Dismom beließ es in seinem Vortrag nicht an der Skepsis und den Zweifeln, er bot Alternativen zur Nutzflächen tangierenden Agro-PV an: Die Nutzung von Dachflächen etwa oder die Bevorzugung von bereits versiegelten Flächen, beispielsweise Parkplätze oder Parkdecks. Denkbar sei Agro-PV etwa bei Dauerkultur, beispielsweise Obstplantagen, bei denen ohnehin teilweise eine Beschattung erforderlich sei. Nutzbar seien schwimmende PV-Anlagen auf Baggerseen, und auch die Kreisverwaltung sieht Möglichkeiten für entsprechende Anlagen auf kreiseigenen Liegenschaften. Dismon bringt dabei ehemalige Mülldeponien oder Ausgleichsflächen entlang der EK 5 als Ortsumgehung Kirchhoven ins Gespräch.

Aus Sicht von Naturschutz und Landschaftspflege sehe die Kreisverwaltung, ähnlich wie bei der Windenergie, die Erfordernis, Bereiche als Tabuflächen zu definieren. Die von der grünen Fraktion vorgeschlagene Leistung von einem Gigawatt im Bereich des rheinischen Reviers „hätte bei intensiver Bestückung von Freiflächen mit PV-Modulen bereits einen Flächenverbrauch von rund zehn Quadratkilometern“, führte Dismon aus. Es solle eine Priorisierung bereits versiegelter Flächen geben bevor freie Fläche bestückt werde.

Auch aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit sei die vorrangige Bestückung von bereits versiegelter Fläche oder Dachflächen sinnvoller, erklärte Dismon.