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Erkelenzer Land: Kommunen: Nein zu Fracking-Plänen

Erkelenzer Land : Kommunen: Nein zu Fracking-Plänen

Die Niederlande erwägen Probebohrungen zur umstrittenen Schiefergasförderung mittels Fracking auch unmittelbar hinter der deutschen Grenze. Neben dem Kreis machen sich vor allem auch Wegberg und Wassenberg Sorgen.

Im Kreis Heinsberg, vor allem in den grenznahen Kommunen, werden die Informationen aus den Niederlanden über die geplante Untersuchung von Fracking-Möglichkeiten in Grenznähe mit großen Bedenken aufgenommen.

Wegbergs Bürgermeister Reinhold Pillich sieht die Fracking-Pläne der niederländischen Regierung an der Grenze mit großer Skepsis: "Durch die Ankündigung, auch im Grenzraum zum Kreis Heinsberg und somit zu Wegberg Versuchsbohrungen durchzuführen, ist das Problem für unsere Stadt sehr aktuell", sagt er. Pillich erinnert daran, dass durch die Methode des Fracking eine Belastung des Untergrundes mit chemischen Mitteln stattfinde, deren Auswirkungen auf das Grundwasser und die Gesteinsschichten nicht abschließend geklärt seien.

"Der niederrheinische Raum ist durch den Braunkohletagebau schon ausreichend belastet, so das wir in diesem Raum ganz sicher auf weitere umweltbelastende Energiegewinnungsmaßnahmen verzichten sollten", meint Wegbergs Bürgermeister. Dies gilt nach Ansicht von Reinhold Pillich vor allem vor dem Hintergrund, dass die jeweiligen Risiken für die Mitbürger sowie für Natur und Umwelt nicht abschließend einzuschätzen seien.

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Auch in Wassenberg machen die Pläne Bürgern und Politikern Kopfzerbrechen. Robert Seidl, frisch gewählter Fraktionsvorsitzender der Grünen, kündigte an, bereits in der ersten Ratssitzung nach der Wahl am 25. Juni in einen Antrag einzubringen, dass die Stadt sich gegen grenznahe Probebohrungen ausspricht. "Wir müssen hier ein Zeichen setzten", sagte er. Das sieht auch Bürgermeister Manfred Winkens so. "Ich gehe davon aus, dass es da einen Konsens aller Fraktionen gibt."

Winkens will auch seine Roerdalener Kollegin Monique de Boer-Beerta (derzeit noch in Urlaub) mit ins Boot holen. Er kann sich nicht vorstellen, dass Roerdalen solche Vorhaben unterstützt, auch im Hinblick auf die Gefährdung des Nationalparks "De Meinweg". Auf RP-Anfrage signalisierte auch Wassenbergs SPD-Vorsitzender Peter Minkenberg, vorbehaltlich eines Fraktionsbeschlusses, Zustimmung. Karl-Heinz Dohmen (CDU) schreibt der RP: "Als Orts-CDU haben wir uns mit der Kreispartei und dem Landrat gegen Fracking ausgesprochen. Wir erteilen Fracking im grenznahen Bereich eine klare Absage und werden die Verwaltung auffordern, eine entsprechende Stellungnahme an die zuständigen niederländischen Behörden abzugeben."

Landtagsabgeordnete Dr. Ruth Seidl (Wassenberg) verwies auf die weitgehend einvernehmliche Haltung des Landtages, der gestern über das Thema debattierte. "Da die Risiken der umstrittenen Fracking-Methode für Menschen und Umwelt nicht geklärt sind", so Seidl, "hat sich NRW eindeutig dagegen positioniert. Es gibt ein Moratorium der Landesregierung, das Tests zur Gewinnung von Gasvorräten in Gesteinsschichten mittels Chemikalieneinsatz verbietet."

Vor diesem Hintergrund soll die Landesregierung nun in Gespräche mit der niederländischen Regierung eintreten und ihre Besorgnis über alle erwogenen Frackingvorhaben in den Niederlanden äußern. Das Land werde deutlich machen, "dass NRW die Aufsuchung und Gewinnung von unkonventionellem Erdgas mit Fracking für nicht verantwortbar hält und für das Grundwasser in NRW keine Beeinträchtigungen durch Fracking-Vorhaben in den Niederlanden eintreten dürfen."

Die Menschen in den grenznahen Regionen wie dem Kreis Heinsberg bräuchten Klarheit darüber, dass eines der wichtigsten Lebensmittel, das Wasser, bedingungslos geschützt werde, sagte Seidl. Hinzu komme, dass die Bevölkerung im Kreis Heinsberg schon in hohem Maße die Auswirkungen des Stein- und Braunkohlebergbaus mit Bergschäden und negativen Umweltfolgen zu spüren bekommet. "Weitere Belastungen sind aus meiner Sicht nicht zumutbar."

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(RP)