Wegberg: Klinkum verabschiedet die Dorfschule

Wegberg: Klinkum verabschiedet die Dorfschule

In wenigen Tagen heißt es Abschied nehmen: Nach 85 Jahren wird das Klinkumer Schulgebäude geschlossen. Schüler, Lehrer, Eltern und die Dorfgemeinschaft verabschieden sich von "ihrer" Schule. 56 Schüler wechseln nach Wegberg.

Nur noch acht Schultage. Am Freitag, 19. Juli, werden letztmalig Kinder im 85 Jahre alten Schulgebäude an der Alten Landstraße unterrichtet. Das Klinkumer Grundschulgebäude wird zum Ende des Schuljahres 2012/13 geschlossen. Für immer. Die Klinkumer werden an diesem Tag zum letzten Mal Kinder mit Tornistern zu "ihrer" Schule gehen sehen.

Genau zehn Jahre ist es her, als der damalige Schulleiter Karl-Heinz Theißen, die damalige Bürgermeisterin Hedwig Klein und das Klinkumer "Urgestein" Fritz Jakobs als Schirmherr der Festlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen "der Klinkumer Schule und allen, die in ihr lehren, lernen und ihr verbunden sind, eine gute gemeinsame Zukunft" wünschten.

Es sollte anders kommen: Die Schülerzahlen sanken, Eltern entschieden sich gegen den Offenen Ganztag und die Stadt wollte nicht mehr in das alte Schulgebäude investieren. Am 7. Juni 2011 besiegelte der Ausschuss für Bildung, Kultur, Soziales und Sport das Aus für die Grundschule Klinkum. Ursprünglich war geplant, die Schule zum Schuljahr 2014/15 schließen. Das Ende des Schulstandortes Klinkum wurde um ein Jahr vorgezogen.

Zwei Schulklassen mit insgesamt 56 Schülern gibt es noch in Klinkum. "Die Klinkumer Schüler bekommen in der Wegberger Erich Kästner Schule zwei nebeneinanderliegende Klassenräume und haben diese auch schon kennen und schätzen gelernt", sagt Rudolf Neumann. Als Konrektor der Erich Kästner Schule und kommissarischer Leiter der Grundschule Klinkum begleitet er den Umzug der Klinkumer Schüler und Lehrer nach Wegberg.

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Neumann weist darauf hin, dass nach Aufgabe des Schulstandortes Klinkum und Umzug in die Erich Kästner Schule die Grundschule Klinkum formal bestehen bleibt. Das hat mehrere Vorteile. So könne der Förderverein der Klinkumer Schule darüber entscheiden, auf welche Weise das gesammelte Geld den Schülern zugutekommen soll. Im neuen Schuljahr wird es in der Erich Kästner Schule zwei "Klinkumer Klassen" geben. Eine dritte und eine vierte Jahrgangsstufe.

In Klinkum betrachten viele Bürger die bevorstehende Schulschließung mit Sorge. "Ein Schule sorgt für Leben im Dorf. Ohne Grundschule verliert Klinkum auf jeden Fall an Qualität", sagt Herbert Philippen, der neben der Grundschule wohnt und bis 1955 dort selbst die Schulbank drückte. Ungewiss sei nun auch, ob es künftig noch einen Martinszug im Ort geben wird und ob noch Kinder für den Seniorennachmittag zu gewinnen sind. Was die Schließung für das Dorf- und Vereinsleben in Klinkum bedeutet, bleibe abzuwarten.

Herbert Philippen freut sich aber auch auf ein Wiedersehen mit vielen ehemaligen Schülern der Klinkumer Schule. Am letzten Schultag (Freitag, 19. Juli) ist ein gemeinsames Frühstück im Schulgebäude geplant. Etwa 40 frühere Schülerlotsen haben sich etwas besonderes einfallen lassen und werden die 56 Grundschüler vor dem Unterricht auf dem Schulhof empfangen.

Was aus dem Schulgebäude in Klinkum wird, ist unklar. "Der Sanierungsstau ist erheblich", sagt Rudolf Neumann.

(RP)
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