Kreis Heinsberg: Klare Regeln sollen Stress vermeiden

Kreis Heinsberg : Klare Regeln sollen Stress vermeiden

Früher hieß es: Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. Heute sollen engagierte Arbeitnehmer möglichst ständig erreichbar sein. Wie halten es Firmen, Institute und Behörden in der Region mit der ständigen Erreichbarkeit?

Auf "stand-by" rund um die Uhr, per Smartphone und E-Mail erreichbar auch in Freizeit und womöglich Urlaub - für viele Berufstätige verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Arbeit immer mehr. Dem würde Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles durch eine Anti-Stress-Verordnung gerne einen Riegel vorschieben. Die Diskussion darüber ist im Gange. Wie sieht es in der Region aus, die RP fragte nach.

Mitarbeiter der Erkelenzer Stadtverwaltung sind nicht verpflichtet, außerhalb der Dienstzeiten telefonisch zur Verfügung zu stehen. Gleichwohl halten es manche Amtsleiter so, dass sie intern für ihre Mitarbeiter erreichbar sind. Außerhalb der üblichen Dienstzeiten sind die Mitarbeiter des Rathauses dennoch immer öfter beruflich im Einsatz - das wirkt sich auf deren Freizeit wie auch auf die finanzielle Lage in der Stadtkasse aus. Dazu sagt Bürgermeister Peter Jansen: "Was zunimmt, sind Bereitschaftszeiten, wie für die Kläranlage, den Bauhof, das Ordnungsamt und das Jugendamt. Das alles ist tariflich und beamtenrechtlich geregelt und wird entsprechend ausgeglichen - allerdings ist dieser Posten dadurch bei den Personalkosten wachsend."

Damit die Arbeitslast nicht nur wenige Mitarbeiter betrifft, werden die Bereitschaftsdienste auf möglichst viele Schultern verteilt. Umso seltener muss das Handy des einzelnen Stadtmitarbeiters auch nach dem eigentlichen Dienstschluss angeschaltet bleiben. "Unser Ziel ist es, dass zum Beispiel die Bereitschaft beim Ordnungsamt sich pro Mitarbeiter auf zwei bis vier Mal eine Woche im Jahr beschränkt." Bei der Bereitschaft des städtischen Jugendamtes werde eine interkommunale Zusammenarbeit im Kreis Heinsberg angestrebt.

Auch bei der Kreissparkasse Heinsberg ist die Anti-Stress-Verordnung Thema: "Unsere Mitarbeiter müssen nicht ständig erreichbar sein. Für Vertretungsfälle haben wir schon seit Jahren im gesamten Haus klare Regelungen, die gut funktionieren", sagt Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg. Da die Sparkasse im gesamten Kreisgebiet präsent sei und ihren Kunden Beratungen dort anbieten möchte, wo der Kunde es wünscht, haben die Berater laut Pennartz ein Handy. "In den Gesprächsterminen und nach der Arbeit sind diese Geräte aber ausgeschaltet."

Den wachsenden Arbeits- und Erreichbarkeitsdruck spürt man auch bei der Kreissparkasse Heinsberg. Dem trägt die Sparkasse, wie Thomas Pennartz erläutert, jedoch mit klaren Vertretungsregelungen Rechnung. Der Vorstandsvorsitzende selbst ist nach eigenen Angaben sehr froh, ein dienstliches Smartphone nutzen zu können, wenn er es möchte.

Er sei viel unterwegs und dennoch über das Smartphone gut erreichbar. "Leerlaufzeiten zwischen einzelnen Terminen kann ich so gut nutzen. Ich sehe daher für mich das Smartphone als Erleichterung für meine Arbeit." Viele Kunden hätten seine Handynummer und gingen damit auch sehr verantwortlich um.

Die Kreissparkasse bietet im Rahmen ihres Gesundheitsmanagements eine ganze Reihe von Maßnahmen an, um die Mitarbeiter bei der Erhaltung und Förderung ihrer Gesundheit zu unterstützen. Dazu zählen laut Pennartz Gesundheitstage, gezielte Seminarangebote, aber auch ein für die Mitarbeiter kostenloses Beratungsangebot eines psychosozialen Dienstes in Aachen. Dieses könnten die Mitarbeiter bei privaten oder beruflichen Belastungssituationen jederzeit in Anspruch nehmen, um kurzfristig professionelle Hilfe zu erhalten.

Krankenhausarbeit gilt vielen geradezu als Prototyp für Stress. Chefarzt Dr. Harry Elsbernd, zugleich Ärztlicher Direktor des Erkelenzer Hermann-Josef-Krankenhauses, kennt sehr wohl die Gefahr der Überarbeitung und des Ausgebrannt-Werdens im ärztlichen Dienst. Er glaubt aber, dass eine sinnvolle Arbeitsorganisation Stress verhindern kann, wichtig sei vor allem eine geregelte Teamarbeit. Elsbernd berichtet über den Dienstplan in "seiner" (internen) Abteilung. Ein Oberarzt - er selbst einbezogen - sei immer nachts und an Wochenenden im so genannten Hintergrunddienst erreichbar für die diensthabenden Ärzte. Natürlich sei er als Chef im Notfall auch per Handy präsent. Aber durch die gut eingespielte Teamarbeit werde er heute kaum mehr in der Freizeit gestört. "Ich halte es für sehr wichtig, dass Ärzte ausreichend Zeit zur Regeneration haben", sagt Elsbernd. Zwar gibt es für ihn selbst, außerhalb des Urlaubs, kaum einen Tag in der Woche, an dem er nicht das Krankenhaus betritt, aber die Familie mit drei Töchtern, Lesen und das sportliche Hobby Langstreckenlauf kommen nicht zu kurz.

Hier geht es zur Infostrecke: Erste Hilfe bei Stress

(RP)