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Heinsberg: Kindern in Indien eine Zukunft geben

Heinsberg : Kindern in Indien eine Zukunft geben

Als die deutsche Ärztin Dr. Hella Mundhra vor 40 Jahren mit ihrem Ehemann nach Indien zog, hätte sie sich nie träumen lassen, dass aus ihrer anfänglichen Hilfe einmal das große Kinderhilfsprojekt "Shishu Mandir" erwachsen würde.

Die Verwunderung von Bekannten und Freunden war damals groß, erinnert sich die frühere Ärztin Dr. Hella Mundhra beim Gespräch in ihrem Zuhause in Heinsberg-Schleiden: Damals, vor 40 Jahren, war sie nach dem Medizinstudium mit ihrem indischen Ehemann Dwarka Das in die Millionen-Metropole Bangalore in Süd-Indien gezogen, um den Armen zu helfen, statt in Deutschland die Karriere voran zu treiben. "Unser Traum war, ein medizinisches Zentrum für Menschen ohne ärztliche Hilfe in den ungezählten Armenvierteln zu verwirklichen."

Versorgten sie zunächst die Kranken in mehreren Räumen, eröffneten sie im Jahr 1987 ein eigenes kleines Krankenhaus. Schnell war in den Jahren deutlich geworden, dass vor allem die Kinder, die die wenigsten Widerstandskräfte gegen Infektionen haben, ihrer Hilfe bedürfen. Viele von ihnen wollten nach der Behandlung nicht mehr nach Hause. Das Ehepaar nahm sie auf und legte damit den Grundstein für das private Kinderhilfsprojekt "Shishu Mandir" (was übersetzt "Tempel für Kinder" bedeutet), das nun seit 30 Jahren besteht. "Zu Beginn gingen unsere Schützlinge in private Schulen der Umgebung, mit 70/75 Schülern pro Klasse", sagt die Anfang 70-Jährige, "es ging gar kein Unterricht vonstatten, und wir mussten ihnen alles selbst beibringen." Der Gedanke, eine eigene Schule aufzumachen, lag nahe und wurde mit dem Bau eines Schulgebäudes im Jahr 1993 verwirklicht.

Weitere Bauten folgten, so dass heute 30 Kinder im Kinderheim leben, 193 Kinder zur Schule, 95 Jugendliche ins Ausbildungszentrum und 70 Kleinkinder in den Kindergarten gehen. Insgesamt 65 Lehrer und Angestellte sind im "Shishu Mandir" beschäftigt. Alle Einrichtungen liegen seit dem Umzug des Kinderheims an den Stadtrand auch in unmittelbarer Nähe beieinander.

Als Hella Mundhra im Jahr 1995 zurück nach Deutschland zog, gründete sie drei Jahre später mit anderen zusammen den deutschen Förderverein "Shishu Mandir — Zukunft für Kinder", dessen Vorsitzende sie bis heute ist. Mitglieder gibt es deutschlandweit, wobei die Aktionsschwerpunkte im Kreis Heinsberg und in Mönchengladbach liegen. Sponsorenläufe oder Benefizkonzerte anregen gehört ebenso zu den Tätigkeiten wie Anwerbung von neuen Pateneltern, Mitgliedern sowie Spenden. Hella Mundhra erledigt den größten Arbeitsanteil: Täglich korrespondiert sie mit dem Projektleiter Anand, mit Kindern und Angestellten. Alle Wochen- und Monatsberichte gehen durch ihre Hände, und durchschnittlich zweimal im Jahr fliegt sie für mehrere Wochen nach Bangalore, um vor Ort — nach wie vor ehrenamtlich — mitzuarbeiten. Seit 30 Jahren unterstützt sie die befreundete Ärztin Dr. Carolin von Sachs, die in einer Heinsberger Gemeinschaftspraxis arbeitet.

(cole)