Journalist Michael Klarmann berichtete in Ratheim über Rechtsextremismus im Kreis Heinsberg

Vortrag in Ratheim : Vortrag über rechte Tendenzen im Kreis Heinsberg

Der Aachener Journalist Michael Klarmann recherchiert seit 19 Jahren in der rechten Szene der Region. Auf Einladung des Bündnisses gegen Rechts gab der Experte einen Einblick in die hiesigen Tendenzen und berichtete über Rechtsrock-Konzerte, Neonazi-Feten und den Erkelenzer Heldengedenkmarsch.

Rechtsrock-Konzerte, Neonazi-Feten, Heldengedenkmarsch, der mit Hakenkreuzen beschmierte jüdische Friedhof in Gangelt: Über rechte Tendenzen rund um Heinsberg referierte Michael Klarmann jetzt in der Ratheimer Friedenskirche. Auf Einladung des Bündnisses gegen Rechts, das in diesem Jahr zehn Jahre alt wird, gab der Aachener Journalist einen Einblick in die Ergebnisse seiner Recherchen, die ihn in den vergangenen 19 Jahren zu einem Kenner der rechten Szene in der Region gemacht haben.

Zu Beginn seines rund eineinhalbstündigen Vortrags zeigte Klarmann einen roten Flyer, der im Vorfeld des so genannten Heldengedenkmarschs am 6. November 2004 in Erkelenz verteilt worden sei. Die gezeigten Nazi-Symbole seien wohl heute nicht mehr erlaubt, so seine Einschätzung. Menschenketten hätten sich damals den Rechten entgegengestellt, als sich diese am Kreuz auf dem Soldatenfeld des Friedhofs versammelt hätten.

Michael Klarmann erinnerte an den früheren Hückelhovener Juwelier Udo Pastörs, der später als Abgeordneter die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vertrat und auch Bundesvorsitzender der Partei war. Am Samstag vor Pfingsten 2007 habe Pastörs, Klarmann zufolge bekannt für seine fremdenfeindlichen Reden, eine NPD-Versammlung in einem von Migranten betriebenen Lokal in der Region besucht. „Der Wirt fand das alles überhaupt nicht schlimm.“ Während seiner Zeit als Schmuckhändler in Hückelhoven habe er sich nicht als Rechter zu erkennen gegeben.

Wassenberg sei vor dem Hintergrund der relativ geringen Einwohnerzahl die Stadt im Kreis Heinsberg mit der höchsten Anzahl rechtsextremer Straftaten. In diesem Zusammenhang sprach der Redner den Überfall auf drei Asylbewerber am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am 27. Januar 2015, dem Holocaust-Gedenktag, an. Als die Polizei ihren Druck erhöht habe, seien Rathaus und Polizeiwache beschmiert worden mit rechten Parolen. Auch ein Wassenberger Lokal habe schon oft Probleme gehabt: Angriffe und Schlägereien, von Rechten verursacht, Gästen sei auf dem Heimweg aufgelauert worden. Als sich ein aus der Haft entlassener Sexualstraftäter 2009 und 2010 in Heinsberg aufgehalten habe, seien die Rechten im Ort aufmarschiert.

Klarmann betonte deutlich, dass die Outlaws, die in Baal ein Clubhaus betreiben, mit der rechten Szene nichts zu tun hätten, obwohl einige Mitglieder offensichtlich ein Faible für die rechts einzustufende Band „Kategorie C“ hätten. Aus diesem Grund hätten mehrfach Konzerte bei den Outlaws stattgefunden, zu denen auch Rechte angereist seien. Die Band sei als „Brückenschlag zwischen Rechtsextremen, Hooligans und Rockern“ zu verstehen.

Sein Fazit: Im Kreis Heinsberg gebe es viele konspirativ organisierte Partys und Konzerte der rechten Szene. Hallen würden manchmal unter dem Vorwand „unsere Oma wird 90“ als angebliche Geburtstagsfeier angemietet, den unwissenden Vermietern sei kein Vorwurf zu machen.

Pfarrerin Susanne Bronner machte für den Sprecherrat des Bündnisses gegen Rechts deutlich, dass der Zusammenschluss heute wichtiger denn je sei. Gemeinsam wolle man sich auch künftig für die Demokratie einsetzen.

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