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Ins Heinsberger Tierheim passt kein einziger Hund mehr

Haustierkäufe in der Pandemie : Ins Heinsberger Tierheim passt kein einziger Hund mehr

Keinen einzigen Hund kann der Tierschutzverein des Kreises mehr aufnehmen. Viele Besitzer kamen mit in der Pandemie angeschafften Tieren nicht zurecht, sagt die Vorsitzende Bianka Mai.

Die Corona-Zeit hat auch im Tierheim des Kreises Heinsberg Spuren hinterlassen. Die Kapazitäten für Hunde beim Tierschutzverein der Region sind derzeit komplett ausgereizt, lediglich für Katzen sei derzeit noch ein wenig Luft, sagt Bianka Mai, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Genaue Belegungszahlen will Mai nicht nennen. Nur soviel: Es ist voll in der Einrichtung an der Stapper Straße.

Ein Vierbeiner gegen die Langeweile im Lockdown, nur um wenig später festzustellen, dass man mit dem Hund überfordert ist oder doch keine Zeit mehr für ihn hat: Bianka Mai hat kein Verständnis für solche Fehlentscheidungen, die in der Pandemie viel zu häufig vorgekommen seien. Zumal die Hundeschulen geschlossen waren und Hundetrainer nicht arbeiten durften.

Nach der langen Zwangsschließung in der schwierigen Corona-Zeit öffnet das Tierheim am Samstag endlich wieder seine Pforten. Die staatlich verordnete Ruhepause machte es schwer, die Tiere an neue Besitzer zu vermitteln. „Wir durften am 20. Juni 2020 wieder öffnen, aber nur für etwa zwei Monate. Dann war wieder zu“, sagt die Vorsitzende. Vermittlungen waren nach Terminabsprache zwar möglich, jedoch nicht einfach zu bewerkstelligen gewesen. „Das kostete viel Zeit und Kraft“, hat Mai schnell bemerkt. Denn: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ja eigentlich keine Telefonisten.“

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Dennoch sei von den Tierpflegern zu dieser Zeit immer wieder gefordert worden, „rauszuhören, ob es passt“. Mit dem Hörer in der Hand sollten Besuchstermine zum Kennenlernen und im günstigsten Fall die Vermittlung in ein neues Zuhause angebahnt werden. Die Personaldecke sei extrem dünn, berichtet Bianka Mai. Insgesamt nur 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich in Voll- oder Teilzeit, als Azubis und als geringfügig Beschäftigte um die Tierheim-Bewohner.

Auch hinter den Beschäftigten liegt eine schwere Zeit. „In zwei voneinander getrennten Teams zu arbeiten, das ließ sich gar nicht realisieren.“ Etwa 30 Ehrenamtler unterstützen die Tierpfleger. Sie gehen Gassi mit den Hunden, streicheln die Katzen. Im langen Lockdown war auch das nicht mehr möglich.

Außerdem sind dem Tierschutzverein die regelmäßigen Einnahmen ersatzlos weggebrochen. Der traditionelle Tag der offenen Tür im Tierheim am Muttertag konnte nicht stattfinden. Auch der große Adventsbasar und der Tiertrödelmarkt zum Welttierschutztag fielen der Corona-Krise zum Opfer. „Als Tierheim waren wir auch nicht berechtigt, Corona-Hilfen zu beantragen“, bedauert Vorsitzende Bianka Mai.

Ein zusätzliches Problem während der Zeit der Zwangsschließung: Die Einnahmen aus Schutzgebühren bei Abgabe der vermittelten Tiere seien um mindestens 50 Prozent eingebrochen. „Uns fehlten auch die Besucher, die uns ein paar Euro in die Dose geworfen haben.“ Immer wieder hätten sich Interessenten nach den Tieren erkundigt, jedoch „keinen Plan B gehabt für die Zeit nach Corona“. Ein deutliches Signal für Bianka Mai, ihre Vorstandskollegen und die Tierpfleger, sofort die Reißleine zu ziehen. „Das sind einfach keine guten Aussichten für ein Haustier.“

Andererseits: „Ich möchte das alles nicht nur schlechtreden. Es hat in dieser Zeit auch ganz tolle Vermittlungen gegeben.“ Es sei auch vorgekommen, dass es richtig gut gepasst habe. Menschen, die bereit gewesen seien, ihr bisheriges Leben umzustellen und zum Beispiel künftig auf größere Reisen zu verzichten, um dem neuen Hausgenossen ein schönes Zuhause zu bieten.

Verständnis für das Abschieben der Mischlinge oder reinrassigen Hunde, die oft aus Billigkäufen schon für 80 oder 100 Euro stammten, hat Bianka Mai nicht. Wenn es Probleme gebe, stelle der neue Besitzer häufig fest, dass die angegebene Handynummer plötzlich nicht mehr aktiv sei. Wenn zum Beispiel die wichtige Tollwut-Impfung im Impfbuch nicht eingetragen sei, müssten diese Hunde für vier bis sechs Wochen im Tierheim in Quarantäne.

Die Vorsitzende hofft, in diesem Jahr Besuchern einige kleinere Veranstaltungen anbieten zu können. „Ein Besuch bei uns lohnt sich.“ So habe man die Ruhephase beispielsweise für einige Renovierungsarbeiten genutzt; ein neuer Katzenauslauf sei entstanden.

Öffnungszeiten montags, dienstags und donnerstags sowie an den Wochenenden von 14 bis 16 Uhr. Terminabsprache unter Telefon 02452 7773. Info auch unter www.tierschutzverein-heinsberg.de