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Im Erkelenzer Land registrieren Jugendämter weniger Fälle von Kindeswohlgefährdung

Im Erkelenzer Land : Gewalt gegen Kinder: weniger Fälle registriert

Die Jugendämter registrieren seit Beginn der Corona-Krise eher abnehmende Fallzahlen bei der Kindeswohlgefährdung. Allerdings fehlte auch die soziale Kontrolle und entsprechende Meldungen, weil Kindertagesstätten und Schulen lange geschlossen waren.

Experten wie Psychologen hatten in der Vergangenheit die Sorge geäußert, dass während des Lockdowns die Zahlen häuslicher Gewalt gegenüber Kindern stark steigen würden, weil die Spannungen innerhalb der Familien in den eigenen vier Wänden zunehme. Wie die Jugendämter der Städte Erkelenz und Hückelhoven sowie das für Wassenberg und Wegberg zuständige Jugendamt des Kreises Heinsberg auf Nachfrage nun mitteilten, wurden in den Wochen seit Beginn der Krise aber keine auffälligen Steigerungen der Fallzahlen registriert. Die Tendenz ist eher rückläufig. „Das heißt aber nicht, dass es auch wirklich weniger Fälle gibt“, erklärt Ralf Schwarzenberg, Leiter des Jugendamtes in Erkelenz.

Hintergrund dieses vordergründigen Widerspruchs ist der Umstand, dass es in den meisten Fällen Kindergärten und Schulen sind, die Meldung an die Verwaltung machen, wenn sie den Verdacht haben, dass das Wohlergehen von Kindern in ihren Familien nicht gewährleistet ist. Da aber auch die Bildungsstätten in der Krise geschlossen waren und deren Betrieb erst langsam wieder anläuft, sind sie als Kontrollinstanz während der ganzen Zeit weggefallen.

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„Wir sind quasi komplett abgekoppelt gewesen“, sagt Frank Martin, Leiter des Jugendamts in Hückelhoven. „Wir mussten nur ganz vereinzelt reagieren, aber Auffälligkeiten gab es keine.“ Zudem hatten die Jugendämter nach einer Verordnung der Landesregierung die Möglichkeit, ihnen bekannten Familien zu empfehlen, Kinder präventiv in die eigentlich für systemrelevante Berufe gedachte Notbetreuung der Kindertagesstätten zu schicken.

Im Jugendamtsbezirk des Kreises Heinsberg nehmen aktuell 20 Kinder dieses Angebot in Anspruch. „Durch die Entsendung in die Kita-Betreuung sollte die häusliche Situation präventiv entspannt werden. Nach unserem Kenntnisstand hat sich diese Maßnahme in allen Fällen bewährt“, erklärt Ulrich Hollwitz von der Pressestelle des Kreises. Überhaupt bewegten sich, so Hollwitz, die Zahlen der Kindeswohlgefährdung während der Corona-Krise im normalen, durchschnittlichen Rahmen. Wobei es dabei nicht alleine um Gewalt geht. Es kann zum Beispiel auch gemeint sein, dass Familien nicht den alltäglichen Bedürfnissen ihres Nachwuchses gerecht werden können.

Nicht nur die Jugendämter in Erkelenz und Hückelhoven bestätigen, dass es für ihren Zuständigkeitsbereich keine auffällige Steigerung gibt, auch der Ortsverband Erkelenz des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) kann keinen Trend zu mehr Kindeswohlgefährdung seit Beginn der Corona-Schutzmaßnahmen feststellen.

„Im Augenblick fehlt die soziale Kontrolle, deswegen werden sogar weniger Fälle gemeldet. Wir wissen aber nicht, wie hoch die Dunkelziffer ist. Wir müssen abwarten, wie es nach der Krise aussieht“, sagt der Erkelenzer DKSB-Vorsitzende Michael Kutz. Auch Frank Martin vom Jugendamt in Hückelhoven wartet auf die Zeit, in der wieder ein genauerer Blick in die Familien möglich wird: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein Nachbeben gibt.“

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