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Im Erkelenzer Land fallen Kurse der Volkshochschule auf lange Sicht aus

Probleme der Volkshochschule : VHS-Kurse fallen auf lange Sicht aus

Nur prüfungsrelevante Angebote sollen bis zu den Sommerferien stattfinden. Das teilt die Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg mit. Laut Volkshochschule ist ein Ausfall des Betriebs unvermeidbar.

Leichter gesagt als getan. Die Ankündigung der Landesregierung, dass die Volkshochschulen im Lande wieder ihre Tätigkeit aufnehmen können, führt bei der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg nicht dazu, dass schnell Normalität einzieht. Das wird noch eine geraume Zeit dauern, wie VHS-Leiter Ingo Rümke sagt.

Bis zu den Sommerferien wird es weder die regulären Kurse, noch größere Veranstaltungen geben. „Es ist weder organisatorisch, noch personell, räumlich und finanziell zu schaffen, das gewohnte Programm zu stemmen.“ Die VHS konzentriert sich zunächst darauf, die Kurse in Gang zu bringen, in denen die Prüfungen für Schulabschlüsse im Mittelpunkt stehen. „Daran hängen auch berufliche Perspektiven und Weiterbildungsmöglichkeiten.“

Ein weiterer Schwerpunkt sind die Integrationskurse und die Kurse, in denen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird. Damit kommt die VHS schon an ihre räumlichen und personellen Grenzen, zumal diese Kurse meistens mit 25 Teilnehmern voll belegt sind. „Dank digitalem Unterricht und Sprachlabors haben die Dozenten viel auffangen können, aber es fehlt die persönlichen Ansprache, das Miteinander eines normalen Unterrichts.“ Das große Problem: Nach den Vorgaben des Landes müssen in einem Klassenraum bei einem VHS-Kursus fünf Quadratmeter für einen Teilnehmer bereitgestellt werden. „Unsere Räume im VHS-Gebäude in Heinsberg haben eine maximale Größe von 60 Quadratmetern.“ Da müssen Teilungen vorgenommen werden – und das nächste Problem tritt auf: die Hygienevorschriften und dabei insbesondere die Reinigung der Klassenräume. Nach jedem Kurswechsel müssten alle Gegenstände desinfiziert und die Räume geputzt werden. „Das gilt nicht nur in Heinsberg, das gilt bei allen Räumen, die wir für die VHS nutzen.“ Für die dezentrale Ausrichtung der Weiterbildungseinrichtung bedeutet dies ein nicht zu stemmender Aufwand. „Wir erteilen unsere Kurse in vielen Schulen oder Berufskollegs, in denen tagsüber bis nachmittags Schulunterricht erteilt wird. Erst danach sind wir am Zuge.“ Dann müsste die Komplettreinigung erfolgen, ehe die VHS-Teilnehmer auf den Schulbänken Platz nehmen könnten. Nach ihrem Kursus müsste wieder eine Komplettreinigung erfolgen, bevor morgens der Schulbetrieb startet. „Es gibt gar nicht genügend Reinigungskräfte für diese zusätzliche Arbeit, einmal abgesehen von dem finanziellen Mehraufwand.“

Auch müsste die VHS bei jedem Kurs für jeden Teilnehmer einen festen Platz in dem Klassenraum festlegen und dabei auf die Vorgaben achten. „Wir müssten daher wegen der Platzsituation viele Kurse aufteilen, was weder den Kursteilnehmern noch den Dozenten zuzumuten ist.“ Für Rümke ist es deshalb unvermeidbar, den Kursbetrieb ruhen zu lassen. Finanzielle Nachteile sollen die Kursteilnehmer nicht haben. „Natürlich können wir bei den Entgelten nur die Stunden einziehen, die tatsächlich stattgefunden haben.“ Da kommt auf die Volkshochschule des Kreises Heinsberg noch eine langwierige Rechenaufgabe zu. Und auch für die Dozenten bedeutet das weitere Ruhen finanzielle Nachteile. Sie sind in der Regel freiberuflich tätig und erhalten ein Honorar für die geleisteten Unterrichtsstunden. Was die Schließung für sie bedeutet und wie es für sie weitergeht, ist ein Frage, über die sich Rümke und sein Leitungsteam ebenfalls noch ausgiebig Gedanken machen müssen.