Erkelenz IHK verabschiedet "Menschengewinner"

Erkelenz · Nach zehn Jahren als Präsident der Industrie- und Handelskammer Aachen wurde der Heinsberger Bert Wirtz in Aachen verabschiedet. Wirtz' Menschlichkeit, Mut und Innovationskraft würdigte auch Ministerpräsident Armin Laschet.

 Bert Wirtz (3.v.l.) bei seiner Verabschiedung als IHK-Präsident in Aachen, umringt von Gästen aus seinem Heimatkreis Heinsberg: Bauunternehmer Gereon Frauenrath, Bundestagsabgeordneter Wilfried Oellers, Landrat Stephan Pusch, Landtagsabgeordneter Bernd Krückel und Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder (v. l.).

Bert Wirtz (3.v.l.) bei seiner Verabschiedung als IHK-Präsident in Aachen, umringt von Gästen aus seinem Heimatkreis Heinsberg: Bauunternehmer Gereon Frauenrath, Bundestagsabgeordneter Wilfried Oellers, Landrat Stephan Pusch, Landtagsabgeordneter Bernd Krückel und Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder (v. l.).

Foto: Hahn

Sein ehrenamtliches Engagement für die Wirtschaft kann sich wahrlich sehen lassen: Nach 28 Jahren Mitgliedschaft in der Vollversammlung der IHK Aachen, dem "Parlament der Wirtschaft" in der Region, 16 Jahren in dessen Präsidium und zehn Jahren als dessen Kopf ist IHK-Präsident Bert Wirtz am Dienstag in einer Festveranstaltung im IHK-Haus Aachen verabschiedet worden. Kurz zuvor war Wolfgang Mainz (52), seit 2010 Vizepräsident der IHK, von der Vollversammlung einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt worden. Und selbstverständlich übernahm er auch die Übergabe der Urkunde an Wirtz, die den Heinsberger Unternehmer zum Ehrenvorsitzenden ernennt. Dies habe, so Mainz, die Vollversammlung mit "Standing Ovations" unterstützt.

Die Fülle der Gäste, darunter neben einer Vielzahl an Kollegen aus der mittelständischen Wirtschaft der Regionen Aachen, Heinsberg, Düren und Euskirchen, Landräte, Bürgermeister, Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie Repräsentanten aus Kirche und Kultur, zeigte das Gewicht der IHK und die Wertschätzung für ihren scheidenden Präsidenten, der für klare Worte, Humor und Bodenständigkeit bekannt ist. Kein Wunder, dass der aus Aachen stammende NRW-Ministerpräsident Armin Laschet den Termin in seiner Heimatstadt besondern gerne wahrnahm und Comedian "Knacki" Deuser die launige Moderation leicht fiel.

 Wolfgang Mainz aus Aachen ist neuer IHK-Präsident.

Wolfgang Mainz aus Aachen ist neuer IHK-Präsident.

Foto: IHK Aachen

Und Laschet unterstrich in seiner Rede das Profil, mit dem Wolfgang Mainz zuvor seinen Heinsberger Vorgänger charakterisiert hatte: "Du stehst für vertrauensvolle Zusammenarbeit, Spontaneität, Beharrlichkeit und Netzwerkarbeit." Impulse habe der heute 71-jährige geschäftsführende Gesellschafter der Mobau Wirtz-Gruppe und der Mobau Wirtz & Classen GmbH & Co. KG, auf vielen Feldern gesetzt. Mainz nannte beispielhaft Wirtz' Einsatz für die 2017 vom Bundestag beschlossene Reform des Insolvenzanfechtungsrechts und seine Impulse zur Zusammenarbeit von Unternehmen, Hochschulen, Architekten und Entwicklern auf dem Bausektor im Verein "Aachen Building Experts". Einer die Wirtschaft der Region unterstützenden Verkehrsinfrastruktur galt Wirtz' Augenmerk ebenso wie dem gemeinsamen Auftritt als Metropolregion im Rheinland etwa auf der Immobilienmesse Expo Real. Menschlich repräsentiere Wirtz den "liebenswerten Kaufmann, der jederzeit den passenden Witz parat habe und im gesamten Kammerbezirk stets präsent war". Dank galt Wirtz' Familie, vor allem seiner Ehefrau Almut, für die Freiräume, die sie dem IHK-Präsidenten für sein Amt gewährte.

Ministerpräsident Laschet, dessen 2017 verstorbener Schwiegervater Heinz Malangré selbst von 1981 bis 1997 Aachener IHK-Präsident war, betonte: "Was Sie im Betrieb leben, haben Sie in die IHK hineingetragen." Laschet bezeichnete das durch Wirtz geprägte Bild eines Familienunternehmens als beispielhaft: "Eine Erfolgsgeschichte wie Mobau sollte NRW-weit möglich sein." Vor rund fünf Jahrzehnten, mit 23 Jahren, sei Bert Wirtz mit seinem Bruder Klaus in vierter Generation ins Unternehmen eingestiegen, das heute 800 Mitarbeiter an 30 Standorten beschäftige. 80 Auszubildende bewiesen, so Laschet, Wirtz' Einsatz für Ausbildung und Nachwuchsförderung.

Dass auch die überregionale Politik auf gewichtige Unternehmerstimmen hört, bestätigte Laschet. Er erwähnte Anregungen etwa zum Bürokratieabbau ("Entfesselungsgesetz") oder einen Landesentwicklungsplan, der der Wirtschaft Freiräume sichert. Dass die Region beim Strukturwandel heute, auch durch IHK-Initiativen wie die "Agit", besser dastehe als andere Regionen, betonte Laschet ebenso wie die lebhafte Aufnahme von Forschungsimpulsen durch enge Kooperation mit RWTH und Fachhochschule. Die lebendige Zusammenarbeit der regionalen Wirtschaft über Grenzen hinweg - der Limburger Provinzgouverneur war anwesend - habe den gemeinsamen Regierungskonsultationen des Landes NRW mit den Niederlanden in Wirtschaftsfragen Vorschub geleistet.

Den Menschen Wirtz "feierte" dann eine unterhaltsame Talkrunde mit Freunden und Weggefährten des scheidenden Präsidenten, moderiert von IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer. FH-Rektor Prof. Marcus Baumann, der Heinsberger Bauunternehmer und Wirtz-Neffe Gereon Frauenrath, Frank Wohlfahrt (Fachzeitschrift "Baustoffmarkt") und der gerade erst verabschiedete NRW-IHK-Präsident Ralf Kersting charakterisierten Wirtz als Netzwerker und "Menschen-Gewinner" mit einer gehörigen Portion Innovationsgeist. Der dem Baustoffhandel neue Geschäftsfelder (etwa im Fertigbau) erschlossen habe nach der Devise "Das machen, was andere nicht machen".

Wirtz selbst betonte im Redaktionsgespräch, ohne Wehmut auszuscheiden. In seiner Dankrede an seine Vorgänger, IHK-Mitstreiter und natürlich die Familie freute er sich über die Wahl seines Nachfolgers Wolfgang Mainz, der alles für den Generationswechsel Nötige mitbringe an Erfahrung und Engagement im Ehrenamt.

(RP)
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