Heinsberg: Staatspreisträgerin "Manufactum" Claudia Merx stellt beim Kunstverein Heinsberg aus

Ausstellung im Horster Hof : Transparente Stoffe als Mantel für Gedanken

Mit „inside“ eröffnete der Kunstverein Heinsberg eine Ausstellung von Claudia Merx, gerade mit dem Staatspreis NRW für Skulptur „Manufactum“ geehrt.

Zart schwingende Gebilde aus Stoff hängen in den hohen Räumen des Horster Hofes. Beim Betreten des Ausstellungsraumes fallen die dünne Gewebe an transparent gehängten Schnüren auf, die ineinander greifen und sich überlagern. Durch die Transparenz des Gewebes werden Überlagerungen sichtbar. Die Gewebe greifen ineinander, ohne sich zu verbinden.

Große beutelartige Gebilde hängen an den Wänden. Auch sie sind mit transparentem Gewebe ummantelt, sodass die Geschlossenheit gleichzeitig eine Leichtigkeit erhält. Die Farbigkeit ist reduziert. Weiß ist der vorherrschende Ton, ergänzt von zarten Naturtönen.

Der Titel „Inside“ macht auf das Innenleben der Objekte von Claudia Merx aufmerksam. Während die transparenten Gewebe den Blick auf die unteren Schichten freigeben, lassen blickdichte Materialien Raum für Spekulationen und Fantasie. Die Frage stellt sich: Was verbirgt sich darin? Mit Gedanken und Emotionen lassen sich die Objekte füllen. Ein Raumabschnitt zeigt eine Installation aus hängenden Kissenbezügen. Diese sind mit der Öffnung zum Betrachter angeordnet. Eingestickte Initialen verkörpern das Individuelle. Es finden sich gestickte Jahreszahlen darauf, die auf vergangene oder bestehende Kriege hinweisen.

„Ich persönlich finde Textiles sehr emotional“, erklärt Künstlerin Claudia Merx. „Mull ist ein flexibles, feines Material. Das Strukturelle des Aufbaus Kette-Schuss, also waagerechten und senkrechten Fäden, bringt eine eigene Ordnung in den Objekten und spielt dazwischen. Oft ist diese Ordnung unterbrochen durch Störungen. Das ist das Menschliche, das es für mich ausmacht.“ Die Leichtigkeit, in die mit den Gedanken hineinzugehen möglich ist, darf nicht geschlossen sein. „Alle Säcke und Behältnisse, die ich mache, haben eine Öffnung. Es besteht somit immer ein Angebot hineinzugreifen“, erklärt Merx. Ein anderer Aspekt ist das schützende Umfangen, das Umschmiegen der Textilien. Bei den doppelwandigen Objekten, bei welchen das Innere noch ein weiteres Inneres hat, zeigt sich dies besonders. Es ergibt sich ein zweifacher Schutz.

Das Verhüllen ist das Wesen des Textilen. „Ich glaube, dass der Mensch die Hülle und den Schutz braucht“, erläutert Merx. „Der Mensch ist ein Hüllenwesen: Kleidung, Zelt, Haus – es sind verschiedene Hüllen, die wir haben.“ Das transparente Gewebe der Mullbinden dient ebenfalls dazu, Verletzungen zu heilen und hat damit auch einen medizinischen Aspekt. Somit sind Schutz, Hülle und Heilung Begriffe, die für den Menschen wesentlich sind und mit den Geweben zusammenhängen.

Mit dem Betrachten der Arbeiten sind Gedankenspiele verbunden. „Ich arbeite viel mit Andeutungen und Assoziationen“, sagt die Künstlerin. Transparenz gibt dem Schweren eine Leichtigkeit, und es ergibt sich zusätzlich eine Tiefe. Man kann nicht genau dahinter sehen, ahnt jedoch etwas. Und schon spielen sie, die Gedanken.

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