Handwerk im Kreis Heinsberg mit Lage besonders zufrieden

Gute Chancen für Arbeitssuchende : Handwerker werden teurer und gesucht

Analyse Mit etwas gedämpften Erwartungen gehen die Handwerksbetriebe ins Winterhalbjahr, wollen aber weitere Mitarbeiter einstellen. Kunden müssen inzwischen eine Woche länger auf Termine warten als im Vorjahr und mit steigenden Preisen rechnen.

Im fünften Halbjahr in Folge erreicht die Stimmung im regionalen Handwerk mit 93 Prozent positiver Rückmeldungen einen Topwert, meldet die Handwerkskammer Aachen als Ergebnis ihrer Herbstkonjunkturumfrage. Der Kreis Heinsberg liegt mit 96 Prozent sogar über dem Durchschnitt. Die Zeichen für die Zukunft stehen jedoch „auf Normalisierung“, teilt Hauptgeschäftsführer Peter Deckers mit: „Mit 85 Prozent erwartet aber ein immer noch hoher Anteil eine gleichbleibende oder gar bessere Geschäftsentwicklung. Von Rezession als Vorbotin einer Krise kann nicht die Rede sein.“ Aber: Die Unsicherheiten in Bezug auf den Brexit, den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie fehlende gerichtliche Entscheidungen zum Diesel-Konflikt drücken auf die Stimmung.

Von der Kundenanfrage bis zum Termin dauert es im Handwerk derzeit durchschnittlich 7,7 Wochen. Das ist fast eine Woche länger als vor einem Jahr, berichtet die Handwerkskammer für die Region Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg. Grund dafür ist die Auftragslage, die bei 57 Prozent der befragten Unternehmen derzeit stabil und bei weiteren 26 Prozent noch einmal gestiegen ist. Im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe liegen die Zeitspannen mit 14,1 beziehungsweise 9,3 Wochen und bei den Handwerkern für den gewerblichen Bedarf mit ebenfalls 9,3 Wochen deutlich über dem Durchschnitt.

Kunden zahlen inzwischen höhere Preise. Und diese werden noch einmal steigen, erwartet die Handwerkskammer Aachen in ihrem Herbstgutachten. „Mittlerweile haben 35 Prozent höhere Verkaufspreise entweder aufgrund der hohen Nachfrage durchsetzen können oder weil sie die höheren Beschaffungspreise an die Kunden weitergegeben haben“, erläutert Peter Deckers und prognostiziert: „In der kommenden Zeit wollen sogar 39 Prozent ihre Preise erhöhen.“

Arbeitssuchende oder Wechselwillige haben gute Chancen im Handwerk. „94 Prozent der Chefs beabsichtigen, im Winterhalbjahr mehr Fachkräfte einzustellen oder die Teamstärken beizubehalten“, berichtet der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Und dabei habe der Wert der Betriebe, die in jüngster Vergangenheit bereits mehr Personal einstellten oder ihre Mannschaftsstärken hielten, bereits bei 89 Prozent gelegen. Die meisten freien Stellen für Fachkräfte gibt es derzeit bei den Elektroinstallateuren, Installateuren und Heizungsbauern sowie Kfz-Mechanikern, Tischlern und Friseuren, bezieht sich die Handwerkskammer auf Zahlen ihrer Stellenbörse und der ihrer Tochtergesellschaft QualiTec GmbH.

Rückläufig ist die Zahl der neuen Lehrverträge. Bis zum 30. September hatten sich 2122 junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. Das sind laut Kammer 26 und somit 1,21 Prozent weniger als zum Vorjahreszeitpunkt.

Gute Geschäfte machten die meisten Branchen. 98 Prozent der Chefs im Bauhauptgewerbe beurteilen die Geschäftslage mit gut oder befriedigend. Im Ausbaugewerbe liegt der Wert mit 97 Prozent zwei Punkte über dem Vorjahreswert. Beim Handwerk für den gewerblichen Bedarf sind die Geschäfte besser gelaufen als erwartet. Aktuell 89 Prozent, drei Punkte mehr als im Vorjahr, beurteilen ihre Lage mit gut oder befriedigend. 100 Prozent positive Rückmeldungen gab es im Nahrungsmittelgewerbe. Um sechs Punkte legte der Zufriedenheitswert bei den Betrieben im Gesundheitsgewerbe auf nun 100 Prozent zu. Bei 90 Prozent der personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe ist das Geschäft in den vergangenen Monaten gut gelaufen.

Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, sieht eine Normalisierung des Geschäfts kommen. Kunden müssen sich aber auf steigende Preise einstellen. Foto: Handwerkskammer Aachen / Elmar Brandt

Viel schlechter als erwartet verlief hingegen das vergangene Halbjahr für das Kfz-Gewerbe. „Die Hoffnung, gerichtlich klare Entscheidungen bezüglich des Diesel-Skandals zu erhalten, damit alle Fahrzeughalter wissen, woran sie sind, hat sich nicht erfüllt“, schilderte Peter Deckers. Aktuell seien viele Verbraucher außerdem unsicher, inwieweit ein E-Auto die richtige Anschaffung für sie ist. „Die Geschäftslage bewerten daher nur 75 Prozent der Kfz-Meisterbetriebe mit gut oder befriedigend.“