Heinsberg: Großer Bahnhof für den ersten Zug

Heinsberg: Großer Bahnhof für den ersten Zug

Nur freudige Gesichter der Offiziellen gab es am Freitag bei der (Wieder-)Eröffnung der Wurmtalbahn am Bahnhof in Heinsberg. Nach 33 Jahren hat die Kreisstadt nun wieder ein Bahnanbindung – zur Freude vieler Pendler.

Nur freudige Gesichter der Offiziellen gab es am Freitag bei der (Wieder-)Eröffnung der Wurmtalbahn am Bahnhof in Heinsberg. Nach 33 Jahren hat die Kreisstadt nun wieder ein Bahnanbindung — zur Freude vieler Pendler.

Großer Bahnhof für eine kleine Strecke, die aber durchaus kein kleines Projekt ist: Nach einer Eröffnungsfahrt von Heinsberg nach Lindern und zurück stieg im großen Festzelt die offizielle Eröffnungsfeier der Wurmtalbahn, der Reaktivierung der Strecke, die 1890 schon einmal eröffnet worden war.

Für den seit Juni 2012 amtierenden Staatssekretär im Landesver-kehrsministerium, Günther Adler, war es ein besonders schöner Tag: Es war die erste Eisenbahn-Streckenfreigabe seiner Amtszeit. Adler stellte vor allem die hervorragende Kooperation von acht Partnern in der Region heraus, die ein Projekt mit 11 300 Tonnen Schotter, 5200 Betonschwellen und sechs Kilometern Neu-Schienen möglich gemacht hätten. Von den Investitionen in Höhe von 18 Millionen Euro sei jeder Cent gut angelegt. Besonders auch für die ältere Generation — Stichwort Demografie — sei der wiederbelebte Schienenstrang ein Gewinn an Lebensqualität, man sei nicht mehr auf Mitfahrgelegenheiten im Pkw nach Aachen angewiesen, stellte der Staatssekretär heraus.

Und nannte abschließend einen Namen, den alle Festredner auf der Agenda hatten: Hans Joachim Sistenich, den Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbunds, der mit seinem Projekt Wurmtalbahn auch sein Berufsleben abschließe, von dem er aber erwarte, dass es ein Un-Ruhestand werde. Den Beinahe-Pensionär hatte auch Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder im Blick, als er vom "Motor" des Projekts Wurmtalbahn sprach, der mit permanenter und zielstrebiger Arbeit den Festakt zur Wiedereröffnung erst möglich gemacht habe.

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Der Hochgelobte stellte in einer kurzen Talkrunde im Festzelt wie-derum heraus, dass die regionale Kooperation der Erfolgsgarant gewesen sei. Einen Hauptteil habe dabei die WestEnergie und Verkehr geleistet, indem sie die Schienenstrecke übernommen habe, nachdem die DB-Netz-AG sich mehr als skeptisch gezeigt habe.

Landrat Stephan Pusch stellte die Bedeutung der Bahnlinie für die Infrastruktur des Kreises heraus, der zahlreiche Einwohner gewonnen habe, die aber außerhalb ihre Arbeitsstätten hätten: "Und nicht nur dafür, dass ich der einzige Landrat mit einer eigenen Bahnhaltestelle bin."

Udo Winkens hielt als Geschäftsführer der WestEnergie und Verkehr mit seiner Freude nicht hinterm Berg: "Es hat einen riesigen Spaß gemacht, 18 Millionen Euro auszugeben!" Er war sich des Beifalls der großen Gästeschar aus Politik und Wirtschaft sicher.

Ein Bahnhofsgebäude besitzt die Kreisstadt seit 30 Jahren nicht mehr. Wie aber die Bahn, Bahnhof und zahlreiche Unternehmen in den 1960er Jahren ausgesehen haben, das stellte der Heinsberger Hubert Waubach mit seiner Modelleisenbahn detailgetreu im Zelt nach: "Das war schon immer mein Traum, daran habe ich zwölf Jahre gearbeitet!" Ähnlich lange wie das Großprojekt — allerdings ohne Bahnhof.

(ips)
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