Wassenberg: Fund aus dem Mittelalter

Wassenberg : Fund aus dem Mittelalter

Die historische Stadtroute in Wassenberg wurde um eine weitere Sehenswürdigkeit erweitert: Ein Katapultstein auf einer Stele kann am Wehrturm in Originalgröße angesehen werden. Er war in einem Garten entdeckt worden.

Die Entdeckung des Relikts aus alter Zeit ist eine kleine Sensation. Doch war es ein glücklicher Zufall, dass Willi Semleit auf dem Schützenfest das Gespräch mit Sepp Becker, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, suchte. Er spendete dem Heimatverein einen Katapultstein. Im Garten der Familie Gansweidt an der Parkstraße war der Stein bei Grabungsarbeiten gefunden worden und in den Besitz Semleits gelangt. Den Platz für das historische Fundstück hat der Heimatverein in Zusammenarbeit mit der KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung) sorgfältig ausgesucht.

Gefährliche Angriffswaffe

Für einen Moment fühlt sich der Betrachter ins Mittelalter zurückversetzt. In unmittelbarer Nähe der Stadtmauer am alten Wehrturm "schwebt" das gefährliche Wurfgeschoss auf einem Stahlständer und vermittelt einen Eindruck von dessen Flugbahn und Größe. Kata-pultsteine, auch Blidensteine genannt, dienten im Mittelalter als Wurfgeschosse bei der Eroberung einer Stadt. Statt ihrer katapultierte der Angreifer zuweilen jedoch auch Leichen mit ansteckenden Krankheiten in die Stadt. Vor der Erfindung der Rohrwaffen war der Blidenstein einer der gebräuchlichsten Angriffswaffen.

Wassenberg besitzt seit 1273 die Stadtrechte. Zunächst durch Erdwälle, Stadttore und Türme aus Stein befestigt, wurden um 1400 die jetzt noch erhaltenen Reste der Stadtmauer aus Ziegelsteinen errichtet. Wassenberg war Zielscheibe vieler Angriffe. Nachgewiesen sind 19 Eroberungen, 14 Brände, acht Plünderungen und fünf Schleifungen der Festung, das heißt: Die Stadtmauer wurde zerstört.

Zur Eroberung der Stadt setzten die Belagerer auch Katapulte ein. Diese Belagerungsmaschinen sind ab 1200 in Europa belegt. Ziel der Belagerer war es, mit Hilfe der Katapulte die Stadtbefestigung zu zertrümmern, eine Bresche zu schlagen, damit die Angreifer in die Stadt gelangen konnten. Da sich der Garten der Familie Gansweidt unmittelbar vor der Stadtmauer befindet, dürfte dieser Katapultstein aus einer der Belagerungen Wassenbergs stammen, erklärte Sepp Becker bei der feierlichen Errichtung der Stele mit dem Katapultstein.

"Die Idee, den Stein auf eine Stele zu setzen, macht deutlich, dass er ein Wurf- und Flugobjekt war", erläuterte der Vorsitzende des Heimatvereins, Sepp Becker. Er dankte der Witwe Karin Semleit (ihr Mann ist in der Zwischenzeit verstorben) und dem Projektleiter Walter Bienen sowie den vielen Helfern aus KAB und Heimatverein, ohne deren Hilfe die Umsetzung des Projektes kaum möglich gewesen wäre. Sepp Becker bat auch zukünftig die Bürger um Mithilfe bei historischen Funden.

Die Festrede hielt Ehrenbürger Hanns Heidemanns. Der stellvertretende Bürgermeister Leo Stassny dankte im Namen der Stadt dem Heimatverein und der KAB. Der Stein sei um die 70 Kilogramm schwer, vermutete einer der Helfer. Um die 50 Meter weit könne so ein Geschoss fliegen, mutmaßten Becker und Bienen.

(RP)
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